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19.10.2014

16:49 Uhr

Filmverleih

Das langsame Aus der Videotheken

Wer geht noch in die Videothek, um sich den Film für den gemütlichen Abend auf dem Sofa zu holen? Die schwindende Zahl Läden gibt eine deutliche Antwort. Video on Demand-Dienste sind nicht das größte Problem.

Klassische Videotheken schrumpfen: Zwischen 2003 und 2013 sanken die Umsätze von 302 auf 210 Millionen Euro.

Klassische Videotheken schrumpfen: Zwischen 2003 und 2013 sanken die Umsätze von 302 auf 210 Millionen Euro.

BerlinIn der Berliner Video World ist die Welt noch in Ordnung – zumindest am Wochenende. In vielen der mehr als 20 Filialen in der Hauptstadt stehen die Kunden Schlange an der Kasse, beladen nicht nur mit DVD, Blu-ray und Spielen, sondern auch mit Chips, Süßigkeiten und Getränken.

Wer Filme noch am selben Tag zurückbringt, zahlt einen Euro. Ein unschlagbares Angebot? Der Schein kann trügen. 1740 klassische Videotheken gab es 2013 es in Deutschland, zehn Jahre zuvor waren es noch 4100. Gräbt die wachsende digitale Konkurrenz im Internet mit Filmen auf Abruf (Video-on-Demand oder VoD) den klassischen Verleihern das Wasser ab?

„Sparen Sie sich den Gang zur Videothek“, werben Portale im Internet ganz unverhohlen. Mehr als 30 VoD-Anbieter gibt es inzwischen im deutschsprachigen Raum, darunter Generalisten wie Maxdome, Watchever, Videoload oder Amazon Instant Video, aber auch Spezialisten wie AllesKino für deutsche Filme oder FilmConfect für das Art-House-Pantoffelkino.

Verschiedene Filmangebote im Überblick

De Dienste im Überblick

Die digitale Welt bringt immer wieder neue Abkürzungen hervor. Das Abrufvideo oder Video-on-Demand (VoD) ist ein Oberbegriff. Digitales Videomaterial kann auf Anfrage von einem Anbieter aus dem Internet auf verschiedenste Arten bezogen werden. Im Folgenden ein Überblick.

Infoquelle: dpa

TVoD

TVoD steht für Transactional-Video-on-Demand. Dabei leiht sich ein Kunde ein Video für einen begrenzten Zeitraum (zum Beispiel 48 Stunden) und zahlt jedes Mal einzeln dafür. Ein anderer Begriff dafür ist PPV oder Pay-Per-View.

SVoD

SVoD steht für Subscription-Video-on-Demand und meint ein Abo-Modell für den Kunden. Ein Fixpreis gilt für ein festgelegtes Angebot, das uneingeschränkt abgerufen werden kann.

EST

EST steht für Electronic-Sell-Through. Dabei werden Spielfilme oder Serien mit zeitlich unbeschränktem Nutzungsrecht gekauft. Ein anderer Begriff dafür ist DTO oder Download-to-own.

AdVoD

AdVoD bedeutet Advertiser-supported-Video-on-Demand. Werbeblöcke werden dabei ähnlich wie beim Privatfernsehen während des Programms platziert. Dieses Geschäftsmodell ist rein werbefinanziert.

Viele bieten Monats-Abos für ihr Sortiment an, aber auch das zeitlich begrenzte Leihen einzelner Filme ist möglich und kostet in der Regel je nach Wunsch zwischen 50 Cent und 5 Euro. Als vor rund einem Monat der US-Anbieter Netflix auf dem deutschen Markt startete, ging ein Raunen durch die Branche. Noch ist Netflix hier im Aufbau, doch in den USA hat das Portal vor allem mit eigenen Serien von sich Reden gemacht.

Für Jörg Weinrich, Vorstand beim Interessenverband des Video- und Medienfachhandels Deutschland, ist die digitale Konkurrenz aber gar nicht die große Gefahr für herkömmliche Videotheken. „Die Abo-Modelle sind eher eine Konkurrenz zum Fernsehen“, sagt er. Und bei den Preisen für das Ausleihen neuer Blockbuster seien die Videotheken um die Ecke sogar oft günstiger. Was Weinrich wirklich Sorge macht, ist die Internet-Piraterie.

Bereits seit 2002 litten Videotheken darunter, dass Filme illegal aus dem Netz gezogen würden. „Die Kunden, die der Videothek den Rücken kehren, gehen zur Hälfte auch dem legalen Markt verloren“, sagt er. Schätzungen für 2013 gehen von einer halbe Milliarde Euro Schaden für den legalen Kino- und Videomarkt aus – bei einem Umsatz von rund 2,8 Milliarden Euro. „Wenn das so bleibt, wird die gesamte Medienbranche bis hin zum eBook Probleme bekommen“, sagt Weinrich. Andere EU-Länder ließen illegale Seiten sperren – in Deutschland passiere in dieser Hinsicht viel zu wenig.

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