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24.07.2015

17:06 Uhr

„Financial Times“ nach dem Verkauf

Was Nikkei mit der „FT“ machen will

VonMartin Kölling

Die Mediengruppe Nikkei verspricht, den britischen Charakter und die redaktionelle Unabhängigkeit der „FT“ zu wahren. Aber im Marketing und bei Inhalten soll kooperiert werden – um global gemeinsam zu wachsen.

„Und ich realisierte, dass die FT perfekt passt.“ AFP

Nikkei kauft die „Financial Times“

„Und ich realisierte, dass die FT perfekt passt.“

TokioDas Ambiente hatte Nikkei für die Bedeutung der Übernahme perfekt gewählt. Am Freitag stellte die Führung des japanischen Medienriesen im „Kaiserlichen Palast Hotel“ unter riesigen Kristallleuchtern und gerafften Vorhängen vor, wie sie dem Springer-Verlag beim Kauf der britischen Finanzzeitung „Financial Times“ („FT“) ausgestochen haben. Es war eine Blitzaktion mit langer Vorlaufzeit.

Die Mediengruppe und die FT sind schon lange ein Team. Seit Jahren tauschen sie Artikel aus und treffen sich auf Seminaren, erzählte Nikkeis Vorstandsvorsitzender Tsuneo Kita. Nikkei wolle global und digital expandieren. „Und ich realisierte, dass die FT perfekt passt“, so Kita.

In nur fünf Wochen war alles vorbei

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Der Medienkonzern Pearson verkauft die „Financial Times“ an Nikkei. Der Verkauf bringt mehr als eine Milliarde Euro ein. Fast wäre Springer zum Zug gekommen – doch der „Bild“-Verlag hat wohl zu wenig geboten.

Er hat das Interesse wohl deutlich genug durchblicken lassen bei Treffen mit der FT-Führung. Denn nachdem sie monatelang mit dem Springer-Verlag diskutiert hatten, klopften die Briten nach Kitas Erzählung vor fünf Wochen über ihre beratende Bank bei Nikkei an. Und sie stießen auf offene Ohren.

Diese Woche sei er nach London geflogen, um sich mit John Fallon, dem Chef des FT-Besitzers Pearson, zu treffen. Am Donnerstag hätten beide Seiten dann in einer Telekonferenz den Kaufpreis und andere Details des Deals festgezurrt, der die globale Medienwelt erschüttert hat. Da dachte Springer-Chef Mathias Döpfner noch, er hätte eine Chance, das britische Prestigeblatt zu kaufen.

Doch das Angebot der Japaner überzeugte Pearson offenbar, sich nach 58 Jahren von seinem Flaggschiff zu trennen und sich als Erziehungs- und Lehrmaterialanbieter zu profilieren. Rund 1,2 Milliarden Euro versprachen die Japaner – für die FT, deren Bargeldvermögen, aber ohne das Hauptquartier und den 50-prozentigen Anteil am renommierten britischen Wirtschaftsmagazin „The Economist“.

In Japan schlägt Nikkei trotz des mutigen Kaufs Skepsis entgegen. Auf der Pressekonferenz wurde die Führung wiederholt auf die redaktionelle Unabhängigkeit der Briten angesprochen. Denn nicht nur einige Mitglieder der ausländischen Investorengemeinde in Tokio, sondern auch japanische Medienexperten befürchten, dass die FT „japanisiert“ werden könnten.

„Die redaktionelle Richtung ist nicht auf gleicher Höhe“, benennt ein japanischer Veteran des Journalismus das Problem. Die FT sei scharf und unabhängig. „Die Nikkei wird als Sprachrohr der Regierung von Shinzo Abe wahrgenommen – auch bei der FT,“ so der Journalist.

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