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03.11.2013

14:08 Uhr

Finanzinvestor greift ein

Gezerre um Blackberry

Vondpa

Die Zukunft des Smartphone-Herstellers Blackberry entscheidet sich in den kommenden Tagen. Die Firmengründer wollen mit Unterstützung eines Finanzinvestors die Firma kaufen, doch auch andere Interessenten gibt es.

Der Blick unter die Hülle eines Blackberry Z30.

Der Blick unter die Hülle eines Blackberry Z30.

New YorkDie beiden Gründer von Blackberry bekommen bei ihren Übernahmeplänen für den notleidenden Smartphone-Pionier laut einem Medienbericht Unterstützung vom Privatinvestor Cerberus. Auch der Chip-Spezialist Qualcomm könne der Bietergruppe beitreten, so die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Der frühere Co-Chef Michael Lazaridis und sein einstiger Kompagnon Douglas Fregin, die Blackberry vor fast 30 Jahren gegründet hatten, halten nach eigenen Angaben rund acht Prozent der Aktien.

Die kanadische Finanzfirma Fairfax Financial arbeite unterdessen weiterhin daran, das Geld für ihr Gebot von 4,7 Milliarden Dollar zusammenzubekommen, schrieben Bloomberg und das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Personen. Die Zeit wird knapp: Nach bisherigen Vereinbarungen muss die Finanzierung bis Montagabend stehen. Fairfax hatte im September den grundsätzlichen Zuschlag für Blackberry erhalten und ist mit rund zehn Prozent der größte einzelne Anteilseigner.

Die Börse zeigt sich inzwischen skeptisch, dass der Deal zu den Vereinbarten Konditionen zustandekommt. Die Blackberry-Aktie verlor am Freitag knapp zwei Prozent auf 7,77 Dollar - damit notiert sie deutlich unter den von Fairfax gebotenen 9 Dollar pro Anteilsschein.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Möglicherweise könne Fairfax auch eine Verlängerung der Frist aushandeln, hieß es bei Bloomberg. Unterdessen wird schon lange spekuliert, dass auch der chinesische PC-Marktführer Lenovo ein Blackberry-Gebot erwäge. Das „Wall Street Journal“ berichtete zudem, Blackberry habe jüngst das Interesse von Facebook ausgelotet - auch wenn unklar sei, wie die Gespräche ausgegangen seien.

Blackberry hatte sich nach hohen Verlusten im August zum Verkauf gestellt. Der aus Deutschland stammende Konzernchef Thorsten Heins versucht seit Jahresbeginn, die jahrelange Talfahrt mit einem neuen Betriebssystem und frischen Geräten umzukehren, doch die Marktanteile schrumpften bisher weiter. Jetzt müssen 40 Prozent der Beschäftigten gehen.

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