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12.06.2014

18:26 Uhr

Firmenkauf

Nokia will Kartendienst weiter ausbauen

Nach dem Verkauf der Handy-Sparte ist der Kartendienst Here ein großer Hoffnungsträger für Nokia. Der Zukauf einer Firma für Daten-Analyse soll Here nun bei der optimalen Anpassung an Nutzer unterstützen.

Nokia hat den Daten-Analyse Experten Medio Systems gekauft. Er soll helfen, den Kartendienst Here weiter zu entwickeln. dpa

Nokia hat den Daten-Analyse Experten Medio Systems gekauft. Er soll helfen, den Kartendienst Here weiter zu entwickeln.

BerlinNokia will seinen Kartendienst Here weiterentwickeln. Dafür übernimmt Nokia die US-Firma Medio Systems, die in Echtzeit große Datenmengen auswerten kann. Damit sollen Kartendienste entstehen, die sich besser auf die aktuelle Situation der Nutzer einstellen und Vorhersagen treffen können, sagte Here-Chef Michael Halbherr der dpa. Das könnten zum Beispiel Restaurantempfehlungen passend zu Ort und Tageszeit sein, oder aktualisierte Anweisungen für eine Fahrtroute. Den Kaufpreis für Medio nennt Nokia nicht.

„Wir wollen das Wissen über die Welt mit Informationen der Nutzer verknüpfen“, sagte Halbherr. Dabei entstehe eine Art „digitaler Concierge“, der die Menschen begleite. Google arbeitet an einem ähnlichen Ansatz mit seinem Dienst Google Now und seinen vielgenutzten Karten. Halbherr zeigt sich zuversichtlich, dass Nokia mithalten könne, obwohl Google Zugriff auf eine überaus breite Datenbasis habe. „Die Daten sind nicht das Problem, wichtiger sind die Algorithmen, mit denen man sie auswertet.“ Here verarbeite aktuell etwa 50 Milliarden Datenpunkte pro Monat.

So sieht das neue Nokia aus

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Rückkehr möglich

Nokia hat sich gegenüber Microsoft verpflichtet, vorerst keine Mobiltelefone zu verkaufen. Nach Ablauf einer Frist wäre das allerdings durchaus erlaubt, andere Geräte wie Smartwatches dürfte das Unternehmen bereits jetzt auf den Markt bringen. Konkrete Pläne sind nicht bekannt, aber eine Rückkehr in das Geschäft mit Elektronik ist nicht ausgeschlossen.

Here ist nach dem Verkauf der Handy-Sparte ein wichtiges Standbein von Nokia, das zweite ist der Netzwerkausrüster NSN. Der Kartendienst ist für Verbraucher über Smartphone-Apps verfügbar, Here will mit seiner Plattform aber auch groß ins Geschäft mit Autoherstellern kommen. Dabei werden auch besonders genaue Karten für selbstfahrende Autos erstellt.

Von

dpa

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