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25.02.2011

12:59 Uhr

Folgen für Gewinner

Warum der Oscar nur dem eigenen Ego nutzt

VonThorsten Giersch

In Hollywood wurden die „Oscars“ vergeben. Für Schauspieler kommt die Auszeichnung einem Adelsschlag gleich. Aber was bringt der Oscar einem Unternehmer? Ein Gespräch mit Horst Burbulla, der 2005 die Trophäe gewann.

Horst Burbulla in der Oscar-Nacht 2005: Feier mit Familie.

Horst Burbulla in der Oscar-Nacht 2005: Feier mit Familie.

DüsseldorfEin „erhebendes Gefühl“ war es, einmal über den roten Teppich zu laufen. Auch heute noch, exakt sechs Jahre nach dem großen Abend, ist Horst Burbulla euphorisch, wenn er an diese Oscar-Nacht zurückdenkt. 2005 gewann das ehemalige deutsche Flüchtlingskind die Auszeichnung in der Kategorie Technik.

Burbulla baut sein Anfang der 80er-Jahre Filmkamerakräne. Mit sieben Jahren kam er mit seiner Familie nach Bonn. Filmemachen war seit jeher der große Traum des jungen Mannes. Doch als ihm bei der Produktion seines ersten großen Werkes das Geld für einen Kran fehlte, wurde der Regisseur notgedrungen zum Bastler. Am Ende war „der Kran erfolgreicher als der Film“, wie Burballa heute lachend sagt. So wurde er zum Unternehmer.

Burballa perfektionierte seine Krantechnik. 1986 konnte er für 35 000 Mark sein erstes Exemplar an eine römische Filmfirma verkaufen. Kurz darauf kam das Gerät beim Film „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ zum Einsatz – der internationale Durchbruch. 1990 zog Burballa mit seiner Firma ins tschechische Pilsen.

Es ist ein Geschäft mit hohem Risiko: Burbulla muss viel Geld investieren, um die Kransysteme zu bauen. Entweder kaufen Fernsehanstalten ihm die Geräte ab. oder es werden mit Filmgeräteverleihern „Split-Rental-Deals“ abgeschlossen: Wenn der Verleiher Burbullas Geräte vermietet, bekommt der Verleiher 40 Prozent und der Hersteller 60 Prozent der Mieteinnahmen.

Heute ist Burbullas Krantechnik Standard. Ohne es genau zu wissen, geht er davon aus, dass heute „kaum ein Film“ ohne seine Kräne gedreht werde. Dass Burbulla bis 2005 warten musste, um den Oscar zu bekommen, stört ihn nicht: „Das ist normal in diesen Geschäft. Da braucht man Geduld.“ Umso schöner war der Abend gemeinsam mit der Familie in Los Angelas.

Doch was hat ihm der Oscar gebracht? „Nichts“, antwortet Burbulla trocken, „der ist nur gut fürs Ego. Das ist bei uns Unternehmern anders als bei Schauspielern. Das Geschäft lässt sich leider nicht von einem Oscar blenden.“ Hier zähle zwar auch der Preis – aber vor allem die Qualität.

Natürlich hätten zum Beispiel chinesische Firmen die Technik zu kopieren versucht und bieten ähnliche Kransysteme für deutlich weniger Geld an: „Wenn ein System bei uns 250 000 Euro kostet, bieten ihn die Chinesen für 50 000 Dollar an. Aber wenn das Gerät beim Dreh nicht funktioniert, ist der Schaden enorm. Und dieses Risiko gehen Filmproduzenten nicht ein, das ist unser Vorteil.“ Schließlich kostet ein ausgefallener Drehtag sehr viel mehr Geld als die Ausgaben für den Kran-Miete.

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