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19.02.2015

08:12 Uhr

Ford kooperiert mit Wechat

Chatten am Steuer

VonMiriam Binner

Wer Auto fährt, kann nicht chatten. Bisher. In China wollen Ford und der chinesische Internet-Riese Tencent kooperieren, damit man den Dienst Wechat auch während der Fahrt nutzen kann. Das Potenzial scheint riesig.

Das Chat-Programm Weixin (WeChat) hat in China eine halbe Milliarde Nutzer. dpa

Messaging-Apps

Das Chat-Programm Weixin (WeChat) hat in China eine halbe Milliarde Nutzer.

DüsseldorfDer Blick auf das Smartphone gehört zum üblichen Bild in der U-Bahn. Am Steuer kann er tödlich sein. Wer sicher fahren will, hält die Hände am Steuer. Für Kurznachrichten-Dienste wie Whatsapp ist das ärgerlich, immerhin können Autofahrer ihre Dienste während der Fahrt nicht nutzen. In China hat sich nun eine Allianz gebildet, die das Chatten während der Fahrt ermöglichen will.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, ist Ford im Gespräch mit dem chinesischen Internet-Riesen Tencent, dem mit Wechat der wichtigste chinesische Messaging-Dienst gehört. Es geht um eine Partnerschaft, die das Fahren zukünftig ein Stück sicherer machen soll.

Denn viele Chinesen bringen sich selbst in Gefahr, weil sie auch hinter dem Steuer weiterchatten. Dafür nutzen sie das Versenden von Sprachnachrichten, was bei Whatsapp und auch bei Wechat möglich ist. Eben diese Sprachbefehle will Ford nun direkt in das Multimedia-System des Autos integrieren. Über Sprachbefehle sollen sich Kurznachrichten-Apps in Zukunft einfacher auch während der Fahrt bedienen lassen.

Die WhatsApp-Alternativen

Marktführer mit Image-Problem

Whatsapp ist in Deutschland und vielen anderen Ländern uneingeschränkter Marktführer in Sachen Instant Messaging. Trotzdem steht der Dienst, den Facebook gekauft hat, immer wieder in der Kritik: Zum einen wegen verschiedener Datenpannen, zum anderen wegen der Übernahme.

Herausforderer aus Japan...

In Japan ist der Dienst Line sehr beliebt, weltweit hat er rund 470 Millionen Nutzer. Die Anwendung ist kostenlos, Geld verdienen die Betreiber mit Werbung sowie dem Verkauf von Spielen und virtuellen Stickern.

... und auch aus China

Das chinesische Pendant von Whatsapp heißt Wechat. Die App hat mittlerweile auch außerhalb des Landes zahlreiche Nutzer gewonnen, im Mai 2014 waren es mehr als 800 Millionen. Ähnlich wie Line schaltet auch Wechat Werbung und verkauft virtuelle Sticker. In der Kritik ist die App, weil sie angeblich auf Geheiß der chinesischen Regierung bestimmte Inhalte ausfiltert.

Skype ist noch im Rennen

Skype, inzwischen eine Tochterfirma von Microsoft, hat eine treue Nutzergemeinde. Der Dienst bietet neben Videotelefonaten ebenfalls Chats an, die auch auf dem Smartphone funktionieren – damit steht er ebenfalls in Konkurrenz zu WhatsApp. Nach eigenen Angaben nutzen Skype mehrere Hundert Millionen Menschen, 2013 waren es bereits rund 300 Millionen.

Viber steigt ins Rennen ein

In Deutschland wenig bekannt ist Viber – trotzdem ist der Dienst aus Zypern viel wert: Das japanische Unternehmen Rakuten kaufte ihn im Februar 2014 samt der damals 300 Millionen Nutzer für 900 Millionen Dollar. Mit der App können Nutzer nicht nur chatten, sondern auch telefonieren.

Apps mit mehr Datenschutz

Einige App-Anbieter wollen mit Datenschutz punkten. Neben Threema zählt dazu auch der Chat-Dienst Telegram. Beide verschlüsseln den Datenverkehr auf dem gesamten Weg. Verbraucherschützer kommen allerdings zu einem durchwachsenen Fazit: Während die Stiftung Warentest Threema gute Noten gibt, sieht sie bei Telegram Schwächen, etwa ein fehlendes Impressum und die automatische Übernahme aller Adressbucheinträge.

Bisher halten sich beide Partner zu den Plänen bedeckt. Doch die Zielgruppe ist da. „Es wäre sehr nützlich, eine Software im Auto zu haben, die sich mit Wechat synchronisieren könnte“, sagte Mao Yanan, eine chinesische Pendlerin, der Nachrichtenagentur Reuters.

Dass die Initiative ausgerechnet in China startet, hat seine Gründe. In keinem Land gibt es mehr Smartphone-Nutzer. Alleine Wechat kommt auf mehr als 800 Millionen monatlich aktive Nutzer und ist damit die populärste Messaging-App in China. In Südostasien können die Chat-Apps längst mehr als in Europa – man kann sogar Essen oder Kleidung bestellen.

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