Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.04.2011

15:22 Uhr

France Télékom

Deutsche Telekom setzt auf Kooperation beim Einkauf

Die Deutsche Telekom will mit ihrem französischen Wettbewerber ein Gemeinschaftunternehmen gründen. Darüber wollen sie Ausrüstung und Infrastruktur einkaufen. Das soll Kosten in Milliardenhöhe einsparen.

Die Deutsche Telekom und die France Télécom wollen künftig Ausrüstung und Infrastruktur gemeinsam einkaufen. Quelle: dpa

Die Deutsche Telekom und die France Télécom wollen künftig Ausrüstung und Infrastruktur gemeinsam einkaufen.

Paris

Die Deutsche Telekom und Rivale France Telecom rücken näher zusammen. Die Telefon-Riesen wollen sparen, in dem sie bei ihren großen Zulieferern wie Ericsson oder Nokia Siemens Networks (NSN) gemeinsam Netzwerk-Technik und Handys einkaufen und so die Preise drücken. Die beiden Konzerne heben dazu nach eigenen Angaben vom Montag ein neues Joint Venture aus der Taufe, das den jährlich 13 Milliarden Euro schweren Einkauf übernimmt. Ziel sei, damit die Kosten um bis zu 1,3 Milliarden Euro im Jahr zu senken.

Insbesondere die Franzosen profitieren von der gemeinsamen Beschaffung: allein sie wollen damit 900 Millionen sparen, während sich die Einsparungen beim Bonner Konzern auf 400 Millionen Euro belaufen sollen. Wenn die Wettbewerbsbehörden grünes Licht geben, könne das Projekt Ende des Jahres losgehen.

Es ist nicht die erste Zusammenarbeit zwischen den Branchenschwergewichten. Vor einem Jahr haben sie ihre Mobilfunktöchter in Großbritannien zusammengelegt und betreiben das Geschäft seitdem unter dem Namen "Everything Everywhere". In Polen wurde vor wenigen Monaten vereinbart, die Mobilfunknetze gemeinsam zu nutzen und auszubauen. Als nächstes könnte es solche Kooperationen auch in Österreich und Rumänien geben, sagten mit den Plänen vertraute Personen vergangene Woche zu Reuters. Telekom-Technologie-Vorstand Ed Kozel wollte sich dazu in einer Telefonkonferenz nicht äußern. Beide Unternehmen hatten bereits Mitte Februar erklärt, Kooperationen im Mobilfunkbereich zu prüfen.

Die beiden Telefon-Riesen kämpfen mit den gleichen Problemen: Ihre Heimatmärkte sind gesättigt, die Preise für Mobilfunktarife und DSL-Anschlüsse fallen seit Jahren. Ein Ausweg sind Kostensenkungen - von 2010 bis 2012 will die Telekom die Kosten um brutto 4,2 Milliarden Euro zurückschrauben.

Gleichzeitig wollen die Bonner neue Geschäftsfelder erobern und beispielsweise Autos ans Datennetz anschließen oder deutsche Häuser mit Internet-gestützen Stromzählern ausrüsten. Eines der von Rene Obermann vor einem Jahr ausgemachten Wachstumstreiber entwickelt sich dank des hohen Absatzes von Multifunktionshandys bereits prächtig: der mobile Datenfunk. Auch in diesem Bereich wollen die beiden an neue Anwendungen arbeiten.

Analysten wird der Kuschelkurs der ehemaligen Staatsmonopolisten langsam verdächtig. "Das befeuert Spekulationen über eine Fusion zwischen der Deutschen Telekom und France Telecom", erklärte Equinet-Analyst Adrian Pehl.

Gewerkschafter in Frankreich sind wegen angeblicher Fusionspläne der beiden Konzerne vergangenen Herbst bereits auf die Barrikaden gegangen. Auch wenn France Telecom daraufhin dementierte, flammen die Gerüchte seitdem immer wieder auf.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×