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13.11.2012

18:16 Uhr

„Frankfurter Rundschau“ insolvent

Wer überlebt die Zeitungskrise?

Der Verlag der „Frankfurt Rundschau“ hat Insolvenz angemeldet. Der Schritt kommt überraschend, die Pleite aber war abzusehen. Der Schritt ins Digitale erscheint als letzter Rettungsanker – vielleicht auch für die „FTD“.

Das Verlagshaus der „Frankfurter Rundschau“ hat Insolvenz angemeldet. dpa

Das Verlagshaus der „Frankfurter Rundschau“ hat Insolvenz angemeldet.

DüsseldorfDie Wendung hin zum Digitalen hatten sich die Mitarbeiter bei Tageszeitungen und Zeitschriften irgendwie anders vorgestellt. Seit Monaten rumort es wieder in der Printbranche, am Dienstag hat der Medienwandel neue Opfer gefordert. Das Verlagshaus der „Frankfurter Rundschau“ hat Insolvenz angemeldet, die traditionsreiche Zeitung ist von der Einstellung bedroht.

In der gesamten Branche sieht es nicht gut aus. So blicken auch die Mitarbeiter der Wirtschaftspublikationen des Verlags Gruner + Jahr („Financial Times Deutschland“, „Capital“, „Impulse" und „Börse Online“) sorgenvoll in die Zukunft. Bei der Nachrichtenagentur dapd verspricht auch der Insolvenzplan wenige Wochen nach der Pleite nicht Gutes und zu allem Überfluss trifft es mit dem Stadtmagazin „Prinz“ in Hamburg sogar eine Szene-Zeitschrift: Das Magazin erscheint ab Dezember nur noch Online.

Auflagen überregionaler Zeitungen in Deutschland

Bild

Druckauflage: 3.482.808

Verkauf: 2.698.383

Abonnements: 50.043

Einzelverkauf: 2.580.272

Quelle: IVW, Zahlen für das 3. Quartal 2012

Süddeutsche Zeitung

Druckauflage: 522.600

Verkauf: 412.994

Abonnements: 281.772

Einzelverkauf: 67.796

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Druckauflage: 444.631

Verkauf: 354.317

Abonnements: 217.522

Einzelverkauf: 51.542

Die Welt

Druckauflage: 319.397

Verkauf: 250.959

Abonnements: 109.474

Einzelverkauf: 34.768

(inkl. Welt Kompakt, nur Mo.-Fr.)

Frankfurter Rundschau

Druckauflage: 149.688

Verkauf: 117.996

Abonnements: 64.682

Einzelverkauf: 17.046

Die Tageszeitung (taz)

Druckauflage: 72.300

Verkauf: 53.657

Abonnements: 45.078

Einzelverkauf: 4977

Handelsblatt

Druckauflage: 162.306

Verkauf: 137.725

Abonnements: 80.222

Einzelverkauf: 6052

Financial Times Deutschland

Druckauflage: 121.319

Verkauf: 102.101

Abonnements: 41.629

Einzelverkauf: 3102

Die Zeit (Wochenzeitung)

Druckauflage: 630.315

Verkauf: 501.415

Abonnements: 332.255

Einzelverkauf: 112.239

Die Belegschaft der „Frankfurter Rundschau“ (FR) traf die Nachricht über die Insolvenz am Dienstagmorgen wie ein Schlag. Die Mitarbeiter erfuhren zunächst durch Nachrichten-Websites über die Pleite. „Wir sind alle sehr überrascht und erschrocken“, sagte ein Mitarbeiter zu Handelsblatt Online. „Das kam alles so plötzlich und unerwartet.“ Am Montag sei für Dienstag, 15 Uhr, zur Betriebsversammlung eingeladen worden – allerdings ohne Angabe von Gründen.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kommt die Insolvenzanmeldung jedoch nicht überraschend. Die Zeitung arbeitet seit Jahren defizitär. Die FR gehört mehrheitlich dem Kölner Medienhaus DuMont Schauberg (MDS), auch die SPD mit ihrer Medienholding DDVG und die Karl-Gerold-Stiftung sind beteiligt. Zuletzt lag die Auflage bei knapp 150.000 Exemplaren (3. Quartal 2012, IVW-Zahlen), vor zwei Jahren waren es noch rund 25.000 mehr.

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Der Branchendienst „Kress“ zitiert aus einem internen Fragen-und-Antworten-Katalog des Managements zur Insolvenz. Allein MDS soll demnach seit 2004 136 Millionen Euro in den Verlag der FR investiert haben. In diesem Jahr soll der FR-Verlag dem Papier zufolge 16 Millionen Euro Verlust machen. Laut „Kress“ soll FR-Geschäftsführer Karlheinz Kroke auf den Insolvenzantrag gedrungen habe. Ursprünglich sollte darüber Anfang Dezember beraten werden, Kroke habe aber eine Insolvenzverschleppung befürchtet.

Der Branchendienst „Meedia“ zitiert aus einer Stellungnahme von DuMont und der DDVG: „Wir haben nie erwartet, dass unser Engagement in Frankfurt hohe Gewinne zeitigen würde“, heißt es dort. „Eine sich nunmehr abzeichnende dauerhafte Finanzierung hoher Verluste ist aber sowohl für MDS als auch die DDVG nicht länger darstellbar.“

Inzwischen hat die Belegschaft reagiert. Auf der Website der FR werden unter der Überschrift „Es ist nicht das Ende der FR“ die Leser ermutigt, nach dem Schock der Zeitung weiter die Treue zu halten. „Wenn Sie uns treu bleiben, können wir unser Ziel erreichen“, heißt es dort. Man werde alles dafür tun, dass die stolze und wechselvolle Geschichte der FR weitergehe.

Kommentare (51)

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RalfB

13.11.2012, 16:03 Uhr

Inhaber,Chefredakteure, Journalisten müssen wohl nun endlich schmerzhaft begreifen, dass es mit einem Einheitsbrei im Zeitungs- und Medienalltag nicht getan ist. Wenn man nur noch fortwährend dpa und reuters filtrierte Berichterstattung übernimmt und im Gegenzug quasi als Ausgleich online, täglich die Nachrichten in Kurzkommentaren im Stundentakt wechselt braucht man sich nicht zu wundern. Liebe Journalisten, eure Leser sind längstens weiter im Denken! Sie wollen keine Einheitssosse, nein sie wollen Qualitätsjournalismus, kritisch - nicht allen "recht machend". Sie wollen Identifizierung. Dies sollte doch so langsam mal verstanden werden, wenn man die Kommentare online über die letzten Monate querliest. GERNE würde ich dann auch online bezahlen. Gerne. Qualität wollen wir von der Presse, keine DPA und Reuters Einheitsindoktrination. Politik braucht einen Gegenpol und dieser sind die Medien. Interessierte Bürger brauchen diese Stimme um die Politik im Sinne der Bürger - unter den Wahlterminen - Gehör zu verschaffen. Dies fängt in der ganzen Euroskepsis schon an - wo die Medien sich nach wie vor von den Bürgern entkoppeln. Umdenken ist gefragt, sonst wird es nicht bei der Frankfurter Rundschau bleiben.

Undertaker

13.11.2012, 16:16 Uhr

In der Krise tennt sich Spreu von Weizen (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Wuest

13.11.2012, 16:19 Uhr

Lieber RalfB, Ihre ganze Einlassung halte ich für ein Gerücht. Wer in diesem Lande will Qualität und ist bereit, dafür auch zu zahlen? - Nur eine verschwindend geringe Minderheit. Die SPD hat mit der FR bewiesen, dass dort eiskalt abserviert wird, wenn die ökonomischen Rahmendaten nicht mehr passen. Schon bis dahin wurde die Belegschaft ausgeblutet und zu möglichst niedrigem Salär beschäftigt. Dass dabei auch Standard-Artikel der Nachrichtenagenturen 1:1 weitergegeben werden, wen wundert das? Selbst die chronisch überfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nutzen die gleichen Nachrichtenbilder, wie die Privaten.

Das Internet macht genügend Nachrichten in Echtzeit verfügbar, ohne dass dafür auch nur ein Cent bezahlt werden muss. Und genau das nutzt der "kluge" Bürger. Er spart, so wie er alle Tante Emma Läden in seinem Quartier totgespart hat. Qualität ist zwar in aller Munde, allein bezahlen will sie keiner!

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