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25.03.2012

14:37 Uhr

Freddy Burger

„Der schwitzt zwei Smokings durch“

VonChristoph Kapalschinski, Holger Alich

Der Schlagerstar hat auch mit 77 Jahren noch nichts von seiner Popularität eingebüßt. Sein Manager Freddy Burger erklärt im Interview das Erfolgsrezept für das Phänomen Udo Jürgens.

Der Musiker Udo Jürgens (l) und sein Manager Freddy Burger in Hamburg nach einer Aufzeichnung der Sendung „Johannes B. Kerner“. picture-alliance/ dpa

Der Musiker Udo Jürgens (l) und sein Manager Freddy Burger in Hamburg nach einer Aufzeichnung der Sendung „Johannes B. Kerner“.

Handelsblatt: Udo Jürgens wird am Montag wieder in der ausverkauften O2-Arena spielen – mit 77! Herr Burger, ist Udo inzwischen ein Markenprodukt?

Freddy Burger: Früher haben die Künstler gesagt: Wir verkaufen Kunst und Emotionen – wir sind keine Marke. Als ich 30 war und Manager von Udo Jürgens wurde, habe ich ein Angebot von einer Waschmittelfirma bekommen, die mit Udo Jürgens Werbung machen wollte. Die haben drei Millionen Franken jährlich geboten über drei Jahre. Wir wären auf einen Schlag Millionäre geworden. Für Udo hätte es aber einen immensen Image-Schaden mit sich gebracht. Ich musste Nein sagen.

Hat sich das geändert?

Total. Es hat mit Sponsoring im Verdeckten, mit Product-Placement, angefangen. Dann kamen Werbelogos aufs Plakat, dann auch ins Hallenfoyer, heute werben die Sponsoren sogar auf der Bühne mit ihren Logos. Allerdings muss das Produkt zum Künstler passen. Wir hatten etwa eine Partnerschaft zwischen Udo und Obi. Dabei ist Udo alles andere als ein Handwerker. Er würde sich mit dem Hammer auf den Finger hauen. Der Obi-Gründer Manfred Maus war aber Fan von Udo.

Wie haben Sie das gelöst?

Udo mit Werkzeugen im Werbespot ist undenkbar. Wir mussten einen Weg finden, die sowohl für Obi als auch für Udo positiv ist. Schließlich sind beides starke Marken. Gelöst haben wir es über Musik, über ein eigens von unseren Textern getextetes Lied, das Udo vertont hat. Das Wort Obi kommt darin nicht vor, dafür Werte, für die auch Obi steht: Hausbauen, Familie. Da konnten wir hinterstehen, sind sogar in die Hitparade gekommen. Das Lied war dann Kern der Obi-Kampagne.

Wie heißt das Lied?

Wie würden Sie es nennen?

Vielleicht „Mit uns kannst du bauen“…

Es heißt: „Mehr als nur vier Wände“.

Klingt deutlich besser. Aber die Entstehungsgeschichte hört sich so an, als sei Udo Jürgens mehr Musik-Handwerker als Künstler?

Er ist das poetische Element, wird nie ein Handwerker sein. Da könnte ich Sie als Journalisten ja auch Handwerker nennen.

Das wäre wohl gar nicht so falsch.

Udo jedenfalls lebt die Musik, er ist ein begnadeter Komponist, ein Genie. Er ist jetzt 77, steht aber immer noch drei Stunden auf der Bühne. Der schwitzt zwei Smokings durch. Sein privates Leben hat er nicht immer diszipliniert gelebt, aber seinen Beruf schon: akribisch und intensiv.

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