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19.06.2015

12:43 Uhr

Frequenzauktion ist beendet

Milliardenspritze für den Bund

VonIna Karabasz

Die Versteigerung neuer Mobilfunkfrequenzen für das schnelle Internet ist drei Wochen nach dem Start mit einem Erlös von knapp 5,1 Milliarden Euro zu Ende gegangen. Das ist deutlich mehr als vorab erwartet.

Die drei großen deutschen Mobilfunkanbieter haben sich die Frequenzen mehr kosten lassen als von Experten erwartet. dpa

Frequenzauktion

Die drei großen deutschen Mobilfunkanbieter haben sich die Frequenzen mehr kosten lassen als von Experten erwartet.

MainzDie Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen geht mit einem Endergebnis von mehr als fünf Milliarden Euro zu Ende. Die drei Bieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland („o2“) haben zusammen 5,08 Milliarden Euro geboten, teilte die Bundesnetzagentur am Freitag mit.

Das Spiel hatte an einem grauen Morgen Ende Mai in einem großen, aber unauffälligen Gebäude in einem Mainzern Vorort begonnen. Es hatten sich Vertreter von Politik und den drei in Deutschland tätigen Mobilfunkanbietern zusammengefunden. Doch die wirklichen Zocker der Konzerne hielten sich im Hintergrund – die Techniker, Spieltheoretiker, Finanzexperten und Strategen.

Die Frequenz-Auktion

Was sind Frequenzen?

Frequenzen sind von elementarer Bedeutung für die moderne Technologie. Vom Babyfon über Fernsehen und Satelliten bis zum Handy – sie alle funken auf verschiedenen Frequenzen, um sich nicht gegenseitig zu stören. Dem Gesamtangebot sind physikalisch Grenzen gesetzt, weshalb frei gewordene Frequenzen heiß begehrt sind.

Was wurde versteigert?

Der Bund als Eigentümer der Frequenzen versteigert Lizenzen für die Nutzung – häufig für zwei Jahrzehnte. Auslaufen werden als nächstes Ende 2016 die Nutzungsrechte für die sogenannten GSM-Bänder – sie sind Auslöser der Auktion. Die seit Anfang der 90er Jahre genutzten Frequenzen bei 900 und 1800 Megahertz sind bis heute Rückgrat vieler Mobilfunknetze. Zudem kamen bislang nicht genutzte 1500-Megahertz- und vor allem 700 Megahertz-Frequenzen unter den Hammer. Letztere wurden erstmals in Europa verkauft und sind besonders dafür geeignet, um abgelegene Landstriche mit schnellem Internet zu versorgen. Allerdings wird der Bereich derzeit für Fernsehübertragungen per Antenne genutzt. Die Abschaltung beginnt bald und TV-Zuschauer müssen sich ab dem Frühjahr 2016 einen neuen Empfänger kaufen. Dank des künftig eingesetzten neue Standards DVB-T2 flimmern die Bilder dann in HD, also gestochen scharf, über die Mattscheibe.

Welche Auflagen gab es?

Die Gewinner des Wettbietens müssen nicht nur Geld für die Frequenzen selbst zurücklegen, sondern auch für die anschließende Aufrüstung ihrer Netze. Hier setzt die Netzagentur Regeln: Drei Jahre nach Zuteilung des Spektrums müssen bundesweit 98 Prozent der Haushalte mit schnellem Funk-Internet erreicht werden. In der Regel sollten dabei Übertragungsgeschwindigkeiten von wenigstens 10 Megabit in der Sekunde angeboten werden.

Nach dem obilgatorischen Druck auf die Auktionsuhr zogen sie sich für die kommenden 16 Auktionstage in abgeschirmte Räume zurück, versuchten durch strategische Gebote den anderen klarzumachen, welche der zur Versteigerung stehenden Bänder sie unbedingt haben wollen und welche vielleicht. Angeboten waren 31 Frequenzblöcke in vier Kategorien: 700 und 900 Megahertz, 1,5 und 1,8 Gigahertz.

Am Ende boten sie sich gegenseitig auf eine Gesamtsumme von 5.081.236.000 Euro hoch. Die Auktion war damit teurer als Experten erwartet hatten. Sie hatten mit einem Ergebnis von höchstens 4,5 Milliarden Euro gerechnet. Die Gebote der Telekom betragen insgesamt 1,79 Milliarden, die von Vodafone auf 2.09 Milliarden und die der Telefonica auf rund 1,2 Milliarden Euro. Letztere ist durch die Fusion von Telefonica mit E-Plus noch mit Spektrum versorgt.

Nach einem gewaltigen Start wegen der Mindestgebote, durch die nach zehn Minuten bereits 1,3 Milliarden Euro erreicht wurden, sah es zunächst danach aus, als würde die Versteigerung früh zu Ende gehen und weniger einbringen, als sich der Bund erhofft hatte. Nur bei den 1,8 Gigahertz und 900 Megahertzblöcken wurde gekämpft. Doch vor wenigen Tagen schossen dann auch auf einmal die Gebote für die 700er Frequenzen durch die Decke, nachdem ein Unternehmen das dortige „Gentlemen‘s Agreement“ gebrochen hatte. Innerhalb eines Tages stiegen die Gebote um rund 500 Millionen Euro.

Wichtige Frequenz-Auktionen international

USA 2015

Erlöst wurden 45 Milliarden Dollar (40 Milliarden Euro).

Großbritannien 2014

2,3 Milliarden Pfund (3 Milliarden Euro). Analysten hatten mit bis zu vier Milliarden Pfund gerechnet.

Tschechien 2013

300 Millionen Euro. Die Auktion gelang erst im zweiten Anlauf - der erste Versuch wurde von der dortigen Regulierungsbehörde abgebrochen, da die eingegangenen Gebote sich bereits auf über 700 Millionen Euro summierten. Angesichts solcher hohen Summen fürchtete die Behörde massive Preissteigerungen für die Handy-Nutzer und einen langwierigen Ausbau der neuen Netze.

Österreich 2013

2 Milliarden Euro. Erwartet hatte der Staat eigentlich nur 600 Millionen Euro.

Niederlande 2012

3,8 Milliarden Euro. Der Betrag fiel wesentlich höher aus als von Experten prognostiziert. Telekom-Marktführer KPN musste wegen der hohen Ausgaben die Ausschüttungen an die Aktionäre streichen.

Frankreich 2011

Hier wurden 3,6 Milliarden Euro erlöst.

Deutschland 2010

Vier Bieter legten insgesamt 4,4 Milliarden Euro auf den Tisch.

Doch zum Schluss zog Telefonica einige Gebote zurück. Nach Ansicht von Beobachtern hat das Unternehmen damit seinen Aufgabewillen deutlich gemacht. Kurz Zeit später war die Auktion vorbei.

Einige der Erlöse teilen sich Bund und Länder. Mit dem Geld wollen sie den Ausbau des Breitband-Festnetzes fördern sowie die Aufrüstung der Kupferkabel. Über die Frequenzen, so das Kalkül, sollen erfolgreiche Bieter Turbo-Internet mobil bis in den letzten Winkel des Landes anbieten, da wo sich der Glasfaserausbau nicht lohnt.

Die Bundesregierung verfolgt ein hehres Ziel: Bis 2018 sollen alle deutschen Haushalte ans schnelle Internet von mindestens 50 Megabit pro Sekunde angeschlossen sein – entweder über das Festnetz oder das Mobilfunknetz.

Bundesnetzagentur versteigert Mobilfunkfrequenzen

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