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31.10.2013

21:30 Uhr

„Freunderlwirtschaft“ im ORF?

Lindner soll Lebensgefährten Aufträge zugeschanzt haben

VonHans-Peter Siebenhaar

Die ehemalige Generaldirektorin des Österreichischen Rundfunks Monika Lindner soll ihren Lebensgefährten mit Werbeaufträgen im Wert von zwei Millionen Euro versorgt haben. Dem ORF droht ein handfester Skandal.

Monika Lindner: Der ehemaligen ORF-Generaldirektorin droht Ungemach. dpa - picture-alliance

Monika Lindner: Der ehemaligen ORF-Generaldirektorin droht Ungemach.

WienDas ist in der Geschichte des ORF neu: die österreichische Rundfunkanstalt ermittelt gegen ihre ehemalige Chefin Monika Lindner. Die ehemalige Generaldirektorin soll zwischen 1998 und 2006 ihren Lebensgefährten Günter Lebisch, Chef der Wiener Werbeagentur ComCom, Aufträge von zwei Millionen Euro zugeschanzt haben. Die Revision des Wiener Senders überprüft nun alle Aufträge, die Lindner an Werbeagenturen vergeben hat. Die Managerin soll die Aufträge an ihren Lebensgefährten ohne Ausschreibung, in der Branche Pitch genannt, vergeben haben. Bis wann die Untersuchung des ORF abgeschlossen sein wird, ist noch unklar.

Der Aufsichtsrat des ORF, genannt Stiftungsrat, wird sich auf seiner nächsten Sitzung am 14. November mit den Untreue-Vorwürfe beschädigen, das bestätigte der Sender dem Handelsblatt. Erst Ergebnisse der hausinternen Ermittlungen werden dem Vernehmen nach bereits Mitte November vorlegen. " Wir werden das lückenlos und transparent aufklären. Wir haben als ORF ein großes Interesse daran", sagte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der frühere Voestalpine-Manager war unter Lindner kaufmännischer Direktor.

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Die im Österreichischen als „Freunderlwirtschaft“ bezeichnete Vetternwirtschaft kommt für den ORF höchst ungelegen. Denn immer wieder wurde der Sender für seine Misswirtschaft kritisiert. Er ist auch finanziell vom Wohlwollen der Politik abhängen, die über das Parlament zweistellige Millionen-Euro-Beträge an direkten Zuwendungen genehmigt.

Die früher als konservativ geltende Monika Lindner sitzt mittlerweile zwischen allen Stühlen. Die frühere ORF-Chefin zog erst in dieser Woche über die rechtspopulistische Partei des Milliardärs Frank Stronach ins österreichische Parlament ein. Die 69-Jährige hat sich aber mittlerweile mit Stronach überworfen und agiert nun als freie Abgeordnete. Die Managerin hatte ihre Karriere insbesondere der konservativen ÖVP zu verdanken.

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