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21.01.2008

19:58 Uhr

Frist für Bürgschaft im Milliardengeschäft läuft aus

Leo Kirch muss um die Bundesliga kämpfen

Der Medienunternehmer Leo Kirch hat wenige Tage vor Ablauf der Frist offenbar immer noch keine Bankbürgschaft für die Vermarktung der Fußball-Bundesliga beigebracht. Kirch muss bis Ende Januar eine Garantie über 500 Millionen Euro vorlegen, hat aber auf eine mögliche Bürgschaft der Commerzbank verzichtet.

hps MÜNCHEN. Ein Grund für die Absage an die Commerzbank könnte nach Zeitungsberichten sein, dass der Geschäftsführer von Kirchs Agentur Sirius ein Bruder des Commerzbank -Vorstands Martin Blessing ist. Der soll zur Hauptversammlung im Mai diesen Jahres Vorstandsvorsitzender der Commerzbank werden.

Kirch und sein Stellvertreter Dieter Hahn führen nach Angaben aus Finanzkreisen "Gespräche mit mehreren Banken" über die Bereitstellung der Bürgschaft. "Es geht nur noch um die Konditionen", heißt es in Verhandlungskreisen. Das Tandem will offenbar bis zuletzt die Kosten für die Bankgarantie über 500 Mill. Euro drücken.

Kirch und Hahn stehen unter großem Druck. Der "Letter of Comfort" für die Deutsche Fußball Liga muss bis 31. Januar vorlegen. Ein Kirch-Sprecher wollte sich zum Thema Bankbürgschaft auf Anfrage nicht äußern. Er, zeigte sich aber ausdrücklich "gelassen". Auch die Deutsche Fußball Liga lehnt einen Kommentar ab. Die Organisation der Fußball-Profiklubs erwartet, dass Kirch wie vereinbart die Zusage eines Geldinstituts bis Monatsende vorlegt.

Sollte Kirch die Bankgarantie aber nicht rechtzeitig präsentieren, kann die DFL die Fernsehrechte wieder kassieren. Denn müsste der wertvollste Fernsehinhalt im deutschen TV-Geschäft noch einmal neu vergeben werde.

Kirchs Agentur Sirius hat der Bundesliga Einnahmen in Höhe von drei Mrd. Euro ab 2009 garantiert und sich damit die Vermarktung der Fußball-Fernsehrechte von 2009 bis 2015 gesichert. Die Vereinbarung hatte im Oktober vergangenen Jahres für Aufsehen gesorgt. Kirchs Mediengruppe war 2002 zusammengebrochen. Darunter hatte auch die Bundesliga gelitten, die schon damals mit Kirch verbandelt war und der Millionen-Einnahmen entgingen.

Der Bezahlfernseh-Sender Premiere, der die Bundesliga bis 2008/09 live überträgt, beschwerte sich unterdessen in einem Brief an das Bundeskartellamt über die Pläne der Liga und Kirchs. Bei der Fußball-Liga hat man dafür wenig Verständnis, dort sieht man die Lage naturgemäß völlig anders. Schließlich hatte Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer im Dezember gelobt, dass Kirch und die Liga fertig produzierte Sendungen anbieten wollen: "Das senkt die Markteintrittsbarrieren für neue Interessenten neben Premiere" und könne für "mehr Wettbewerb im Bezahlfernsehen" sorgen.

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