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30.04.2012

06:59 Uhr

FTC-Prozess

Staranwältin will Google das Fürchten lehren

VonMarkus Ziener

Mit einem Software-Kniff sicherte sich Google die Daten von Nutzern des Apple-Browsers Safari. Nun steht dem Konzern ein großer Wirtschaftsprozess ins Haus - mit einer harten Gegnerin.

Google steht wegen des Missbrauchs von Nutzerdaten in der Kritik. dpa

Google steht wegen des Missbrauchs von Nutzerdaten in der Kritik.

WashingtonSeit langem schon gilt sie als amerikanische Staranwältin - doch jetzt wartet möglicherweise einer der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse auf sie: Beth Wilkinson soll im Auftrag der Federal Trade Commission (FTC), einer amerikanischen Kartellbehörde, prüfen, wie aussichtsreich ein Prozess gegen den Netzgiganten Google wäre.

Sollte es zu einem Verfahren gegen das US-Unternehmen kommen, ginge es um viel Geld und vielleicht um noch mehr Prestige. Wilkinson soll den Nachweis führen, dass Google seine Suchmaschine dazu nutzt, eigene Anzeigen im Internet besser zu platzieren als jene der Konkurrenz. Ein Vorwurf, der sich schon seit längerem hält.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Wilkinson ist der weibliche Teil eines der zahlreichen sogenannten Washingtoner „Power-Paare“. Denn verheiratet ist die Juristin mit dem prominenten Fernsehjournalisten David Gregory, der die sonntägliche Talkshow „Meet The Press“ moderiert. Sie ist das politische Flaggschiff des US-Fernsehsenders NBC.

Die dunkelhaarige Beth Wilkinson ist durch den Prozess gegen den Terroristen Timothy McVeigh bekannt geworden. McVeigh hatte gemeinsam mit Komplizen 1995 in Oklahoma City einen Bombenanschlag verübt, bei dem insgesamt 168 Menschen starben. Wilkinson forderte damals die Todesstrafe für den Attentäter. Im Juni 2001 wurde McVeigh per Giftspritze hingerichtet.

US-Staranwältin Beth Wilkinson. Pressebild

US-Staranwältin Beth Wilkinson.

Zwar brachten Wilkinson solche Strafprozesse große Bekanntheit ein. Doch mindestens genauso erfahren ist die Absolventin der Universität in Princeton im Fach Wirtschaftskriminalität. Auf diesem Gebiet hatte sie über Jahre bei der Kanzlei Latham & Watkins zu tun, wie auch bei ihrem aktuellen Arbeitgeber, der New Yorker Sozietät Paul, Weiss, Rifkind, Wharton & Garrison. Für sie arbeitet Wilkinson derzeit im Washingtoner Büro.

An Google sendet die FTC-Personalie ein eindeutiges Signal. „Du engagierst nicht jemanden wie Beth Wilkinson, wenn es dir mit einem Prozess nicht ernst ist“, hieß es nach Bekanntwerden des neuen Mandats der US-Starjuristin in amerikanischen Anwaltskreisen. Denn „Beth will vor allem eines: gewinnen“.

Kommentare (2)

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1234567890987654321

30.04.2012, 11:53 Uhr

"Wilkinson soll den Nachweis führen, dass Google seine Suchmaschine dazu nutzt, eigene Anzeigen im Internet besser zu platzieren als jene der Konkurrenz."

Ich versteh nur nicht was daran bitte verwerflich sein soll.
Wieso sollte Google die Daten seiner Suchmaschine nicht nutzen dürfen???

Christoph-Losert

30.04.2012, 13:56 Uhr

Ganz einfach wenn ich was über google suche gehe ich davon aus das Billigste und Beste zufinden und nicht wo google den grössten Reibach macht und mir auf die erste Seite als Schnäppchen setzt.

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