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29.08.2014

13:30 Uhr

FuckUp Night in Düsseldorf

Schlauer scheitern

VonChristof Kerkmann

Jeder redet gern über Erfolge, niemand über Fehler. Dabei sind die viel interessanter, weil man etwas daraus lernen kann. Bei der FuckUp Night geht es um die Pleiten – auch wenn die manchmal schmerzhaft sind.

Reden hilft: Eine Fehlerkultur kann helfen, aus Pleiten zu lernen. Getty Images

Reden hilft: Eine Fehlerkultur kann helfen, aus Pleiten zu lernen.

DüsseldorfChristian Stobbe hatte den großen Ausstieg schon vor Augen. Auf seinem Online-Portal trafema.de wollte er die vielen Amateurfußballer im Land zusammenbringen, mit Transferbörse und einer Art Facebook für die Kicker. Damit das Start-up schneller wachsen konnte, suchte Stobbe einen Investor – und der stellte ihm im Sommer 2008 einen Konzern vor, der das Portal für einen Millionenbetrag übernehmen wollte.

Danach ging alles schief: Die Schlagzeilen von kriselnden Banken klangen immer bedrohlicher und das große Unternehmen hielt lieber sein Geld zusammen. Auch der Investor, der ein langfristiges Engagement versprochen hatte, sprang plötzlich ab. Und weil die eigenen Einnahmen noch nicht ausreichten, ging das Start-up pleite.

Geschichten wie diese hört man selten. Wer redet schon gerne über sein Scheitern? Doch genau darum ging es am Donnerstag bei der FuckUp Night in Düsseldorf, wo auch Stobbe seinen Fall vortrug: Junge Unternehmer sollten ihr eigenes – mehr oder weniger großes – Versagen schildern, damit andere daraus lernen konnten. „Fuck up“ heißt im Englischen so viel wie: Etwas vermasseln oder Scheiße bauen.

Warum Start-ups scheitern

Am Kunden vorbei geplant

Es klingt banal, aber: Manche Unternehmensgründer überprüfen nicht, ob ihre Idee tatsächlich so gut bei den Kunden ankommt, wie sie erwarten.

Den Markt nicht im Blick

Viele Ideen klingen toll – bis man feststellt, dass jemand anders auch schon darauf gekommen ist. Gründer sollten daher eine Marktanalyse vornehmen.

Kosten nicht im Griff

Viele Start-ups sind zu optimistisch. Die Kosten geraten schnell höher als erhofft, gerade wenn es kein Controlling gibt.

Zu viel Optimismus

Etliche Gründer gehen mit großen Ambitionen an ihr Projekt – um festzustellen, dass die Hoffnungen unrealistisch waren und die Einnahmen nicht so fließen wie erwartet.

Keine Ahnung von BWL

So mancher Gründer kennt sich mit Technologie aus, aber nicht mit den Abläufen im Betrieb. Ohne BWL-Kenntnisse, etwa in Sachen Buchführung, scheitern viele Firmen jedoch.

Faktor Familie

Eine Unternehmensgründung bedeutet eine hohe Belastung. Wenn die Familie diese nicht mitträgt, ist das für die Firma ebenso riskant wie für die Harmonie im Privaten.

„Wir wollen eine andere Kultur, eine andere Einstellung schaffen“, sagte Benjamin Teeuwsen, Organisator des Abends in der Garage Bilk. In Deutschland gebe es keine Fehlerkultur. Pleiten und Pannen würden lieber verschwiegen. Dabei sei es hilfreich, darüber zu reden: „Wenn ich schon gescheitert bin, will ich daraus lernen.“ Die Idee legt derzeit eine Karriere hin: Teeuwsen brachte sie aus Mexiko mit, inzwischen gibt es in mehr als 30 Städten in aller Welt FuckUp Nights.

Christian Stobbe erkennt seinen größten Fehler im Nachhinein bei der Wahl des Geldgebers. „Ein Investor muss zum Start-up passen“, sagt er. Der damalige Partner habe etwa großen Wert auf ein repräsentatives Büro mit einer Blondine am Empfang gelegt, sich aber nicht mit den Bedürfnissen einer jungen Internetfirma ausgekannt. „Eine richtige Gründerberatung hätte uns geholfen.“

Es sind nicht nur die großen Fehler, aus denen man lernen kann. „Wir machen jeden Tag unsere kleinen Fuck-ups“, sagte Michael Gärtner, Mitgründer von Blitzbude. Das Start-up baut Fotoautomaten, die Privatleute und Firmen mieten können. Mal läuft die Software nicht, mal fehlt Druckerpapier – Pannen gibt es täglich. Versuch und Irrtum sei ein effizientes Verfahren, wenn man denselben Fehler nicht zwei Mal mache, sagt der Gründer. Dafür dürfe man aber nicht zu stolz sein. Sein Rat: „Man sollte auf sein eigenes Ego scheißen.“

Die FuckUp Night selbst ist übrigens weit davon entfernt, eine Pleite zu sein: Bei der dritten Ausgaben am Donnerstag sind mehr als 100 Leute gekommen. Nun überlegt Organisator Teeuwsen, ob er eine weitere Veranstaltung anbietet. Womöglich gibt es das Format bald auch woanders: „Andere Coworking Spaces haben bei uns schon angefragt, wie wir das machen.“

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