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04.06.2016

00:18 Uhr

Führungswechsel bei Google-Tochter Nest

Tony Fadell verlässt Alphabet

Es kriselt bei Alphabet. Mit Tony Fadell verlässt einer der Hoffnungsträger den Webriesen. Er hat es nicht geschafft, die Hausautomatisierungssparte Nest, die er einst mitgegründet hatte, auf Vordermann zu bringen. Deren Zukunft ist jetzt ungewiss.

Der US-amerikanische Computeringenieur und Gründer der Firma Nest Labs, Tony Fadell, 2014 in München auf der Digital-Life-Design (DLD) Konferenz. Jetzt verlässt er das Google-Unternehmen mit unbekanntem Ziel. dpa

Tony Fadell

Der US-amerikanische Computeringenieur und Gründer der Firma Nest Labs, Tony Fadell, 2014 in München auf der Digital-Life-Design (DLD) Konferenz. Jetzt verlässt er das Google-Unternehmen mit unbekanntem Ziel.

San FranciscoFührungswechsel bei Googles Milliarden-Zukauf Nest: Der Mitgründer und Chef des Spezialisten für Heimvernetzung, Tony Fadell, ist zurückgetreten. Die Firma, die Google vor gut zwei Jahren für 3,2 Milliarden Dollar übernommen hatte, ist vor allem für ihren selbstlernenden Heizungsregler mit Internet-Anbindung bekannt. Sie ist inzwischen ein selbstständiger Konzernteil der neuen Google-Mutter Alphabet.

Der 47-jährige Fadell war einst bei Apple maßgeblich an der Entwicklung des Musikplayers iPod beteiligt und gilt als einer der Stars des Silicon Valley. Nest gründete er vor sechs Jahren mit dem Technik-Experten Matt Rogers. Während es schon seit einiger Zeit keine neuen Nest-Produkte gab, geriet Fadell zuletzt ins Gerede wegen seines Führungsstils. Ein Gründer des von Nest übernommenen Sicherheitskamera-Anbieters Dropcam kritisierte ihn öffentlich scharf und schrieb, er bereue, sein Unternehmen verkauft zu haben. Fadell hatte zuvor an der Qualifikation der mit Dropcam übernommenen Mitarbeiter gezweifelt, woraufhin ihm der frühere Dropcam-Chef Greg Duffy aufforderte doch mal die Zahlen offenzulegen, dann werde man ja sehen, wo der ganze Umsatz herkäme. Ein offener Affront.

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Die Rolle von Nest innerhalb von Alphabet wurde von Branchenbeobachtern aber noch mehr in Zweifel gezogen, als vor wenigen Wochen der vernetzte Lautsprecher Google Home ohne Beteiligung von Nest vorgestellt wurde. Ärger mit Kunden hatte sich Fadell auch zugezogen, als er sich kurzerhand entschloss den "Revolv"-Smart-Hub einzustellen, ein Start Up, das Nest erst 2014 übernommen hatte. Alle Alt-Kunden hatten damit nur noch ein nutzloses Stück Altmetall im Wohnzimmer stehen.

Mit Nest wäre damit bereits der zweite Hoffnungsträger von Alphabet in kurzer Zeit in Schwierigkeiten. Seit Monaten wird darüber spekuliert, was mit der Google-Tochter Boston Dynamics passiert. Sie wurde nicht, wie alle anderen Robot-Aktivitäten, in Googles Lab X überführt und angeblich soll Toyota bereits in fortgeschrittenen Kaufverhandlungen sein.

Fadell schrieb jetzt in einem Blogeintrag, sein Rückzug sei bereits seit Ende vergangenen Jahres vorbereitet worden. Er bekomme jetzt mehr Zeit und Flexibilität, um Neues in anderen Branchen zu versuchen. Er wird als Berater für den Google-Mitgründer Larry Page dem Unternehmen weiter verbunden bleiben. Neuer Chef von Nest wird der bisher weitgehend unbekannte Manager Marwan Fawaz. Er arbeitete zuvor bei Motorola Mobility, der früheren Smartphone-Tochter von Google, die mittlerweile an Lenovo verkauft ist. Die Neuerwerbung sorgte bei Lenovo wiederum dafür, dass der erste Unternehmensverlust seit Jahren ausgewiesen werden musste.

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