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23.04.2012

13:20 Uhr

Für eine Milliarde Pfund

Vodafone übernimmt Cable & Wireless

Der Telekom-Konzern Vodafone kauft den Glasfasernetzbetreiber Cable & Wireless. Die Unternehmen haben sich auf einen Preis von gut einer Milliarde Pfund geeinigt.

Das Firmenlogo von Vodafone an der Zentrale in Düsseldorf. dpa

Das Firmenlogo von Vodafone an der Zentrale in Düsseldorf.

LondonIm Rennen um größere Netze für den stetig wachsenden Datenverkehr rüstet der britische Mobilfunkriese Vodafone mit einer Übernahme auf: Für knapp 1,3 Milliarden Euro kauft der nach Umsatz weltgrößte Mobilfunkkonzern den heimischen Rivalen Cable & Wireless Worldwide (CWW). In Großbritannien kann Vodafone nun Teile des Datenverkehrs auf das gut ausgebaute CWW-Glasfasernetz verlagern. Durch die Übernahme werde Vodafone in der Heimat zu einem der führenden Anbieter für Geschäftskunden sowohl im Festnetz- als auch im Mobilfunkbereich, teilte der Konzern am Montag mit. Die zuletzt durch eine Serie von Gewinnwarnungen und Chefwechseln gebeutelten CWW-Anleger reagierten erleichtert auf das Gebot.

„Die Glasfasernetze von Cable & Wireless und unsere Basisstationen ergänzen sich gut“, sagte Vodafone-Chef Vittorio Colao. „Das wird die Kosten für die Bewältigung des wachsenden Datenverkehrs deutlich senken.“ Gerade in Großbritannien bringt die Übernahme Vodafone eine Entlastung der Mobilfunknetze, die durch die zahlreichen Multimediadienste auf immer mehr Smartphones stark beansprucht sind. Derzeit mietet Vodafone Festnetze unter anderem vom Telekommunikationsriesen BT. Doch auch das Geschäft mit öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen in Großbritannien wird durch die Übernahme von CWW gestärkt, weil den Kunden laut Vodafone so weitere Dienste angeboten werden können. Auch profitiert Vodafone demnach von den internationalen Kabelnetzen des traditionsreichen Unternehmens.

Die Vorläufer von CWW hatten schon Mitte des 19. Jahrhunderts damit begonnen, Telegrafen-Kabel von London nach Dublin und später von Großbritannien nach Asien und in die USA zu verlegen. Kurz nach der Abspaltung vom Mutterkonzern Cable & Wireless Communications im Jahr 2010 bereitete das Unternehmen den Anlegern aber kaum noch Freude: Seitdem gab es drei Gewinnwarnungen, ebenso viele Chefs und keine Dividende mehr. Die Aktie stürzte ab. Am Montag schossen die CWW-Anteilscheine bis zu knapp 17 Prozent in die Höhe. Der Kurs der Vodafone-Papiere bewegte sich kaum.

Vodafone hatte sich von CWW drei Mal längere Bedenkzeit wegen des Preises erbeten. Der Konzern bietet nun 38 Pence je CWW-Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 92 Prozent im Vergleich zu dem Preis, den Vodafone bei Bekanntgabe des Interesses im Februar genannt hatte. Auch Indiens Tata Communications soll an CWW interessiert gewesen sein, stieg aber in der vergangenen Woche aus dem Rennen aus - offenbar, weil man sich nicht auf einen Preis einigen konnte. Es gilt als unwahrscheinlich, dass Tata nun noch einen Bieterwettkampf wagt.

Seit dem Rückzieher der Inder habe es Skepsis gegeben, ob sich Vodafone überhaupt noch aus der Deckung wagen würde, sagte Nick Brown, Analyst bei Espirito Santo. Deshalb sei das Gebot eine gute Nachricht für CWW. Das Unternehmen selbst sprach von einem fairen und vernünftigen Angebot. Vodafone wird bei dem Geschäft von UBS beraten, CWW holte sich die Unterstützung von Barclays und Rothschild.

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