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31.01.2003

20:00 Uhr

Für Entwarnung noch zu früh

Halbleiterbranche zwischen Hoffen und Bangen

Die Hersteller der Halbleiterbranche schöpfen nach ihrer bislang schlimmsten Krise allmählich wieder Hoffnung. Zahlreiche Chiphersteller überraschten mit guten Quartalzahlen und verbreiteten für das Gesamtjahr teilweise zumindest wieder gedämpfte Zuversicht.

vwd MÜNCHEN. Obwohl einige Marktforscher für 2003 bereits wieder prozentual zweistellige Zuwachsraten in Aussicht stellen, sehen Analysten trotz steigender Umsätze und rückläufigen Verlusten aber weiter keine Trendwende. Wegen der Überkapazitäten, der Kriegsdrohung im Irak und der weltweit flauen Konjunktur sei es für eine Entwarnung noch zu früh.

Den frustrierten Infineon-Aktionären wollte ihr Vorstandsvorsitzender Ulrich Schumacher nach zwei Geschäftsjahren mit operativen Verlusten über jeweils eine Milliarden Euro und nach einem Kurseinbruch ihrer Aktie zuletzt wenigstens ein Quentchen Hoffnung mit auf den Weg geben: „Ich denke schon, dass wir in den nächsten zwei bis drei Quartalen die Talsohle endgültig durchschritten haben werden“. Immerhin ist es dem Münchener Konzern bereits gelungen, die Verluste im ersten Quartal 2002/03 deutlicher als erwartet zu reduzieren.

Halbleiterhersteller rechnen mit Belebung in zweiter Jahreshälfte

Zuvor hatte bereits der Vorstandsvorsitzende von ST Microelectronics, Pasquale Pistorio, vorsichtigen Optimismus demonstriert. Zwar blieben die Marktbedingungen für die Chipbranche im ersten Halbjahr schwierig, meinte er. Doch gehe ST Mircroelectronics in der zweiten Jahreshälfte von einer deutlichen Belebung aus. Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Krise hatte trotz eines eher vorsichtigen Ausblicks zuletzt auch der weltweit größte Chiphersteller Intel geweckt. Er verdoppelte seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal gegenüber dem Vorjahr.

Jürgen Thiel, bei Intel für das Euroopa-Geschäft zuständig, hält es aber für verfrüht, von einer Trendwende zu sprechen. Zumindest gegen Ende des Jahres sei aber eine stärkere Markterholung möglich. Die Marktforscher von Gartner Dataquest gehen im laufenden Jahr gar wieder von einem Branchenwachstum von etwa zwölf Prozent aus. ST Microelectronics sieht das erwartbare Wachstum derzeit bei elf Prozent, während einige Analysten sogar einen Zuwachs von bis bis zu 20 Prozent für möglich halten.

Deutliche Erholung des PC-Marktes eher unwahrscheinlich

Deutlich zurückhaltender beurteilen HVB-Analyst Günther Hollfelder und Theo Kitz von Merck Finck die Wachstumsaussichten der Halbleiterhersteller: Die erforderliche durchgreifende Erholung des PC-Marktes, der mit rund 40 Prozent den Löwenanteil bei der Nachfrage stellt, sei noch immer nicht in Sicht. So hat die HVB angesichts der trüben Konjunkturaussichten ihre Wachstumsprognosen für den weltweiten PC-Markt im laufenden Jahr bezogen auf die Stückzahlen von fünf auf 2,5 Prozent gesenkt.

Dementsprechend sieht Hollfelder das Wachstum der Halbleiterbranche nicht mehr bei acht, sondern nurmehr bei fünf Prozent. Mit starken Impulsen vom PC-Markt ist also kaum zu rechnen. Dessen schwache Nachfrage und der damit verbundene Preisdruck macht den die Chiphersteller besonders zu schaffen. Deshalb hat die HVB ihre Umsatzschätzung für den DRam-Markt auf 15,6 Milliarden von 17,7 Milliarden Euro gesenkt. Derzeit müssen viele Anbieter Speicherchips weiter unter den Herstellungskosten verkaufen.

Analyst: Branche steht vor einem weiteren schwierigen Jahr

Erfreulichere Signale erwarten Experten eher vom Mobiltelefon-Markt. Die HVB etwa geht von einem weltweiten Wachstum von zehn Prozent aus. Der lange erhoffte anhaltende Aufschwung dürfte dennoch auf sich warten lassen. Auf der Angebotsseite gibt es nach der jüngsten Rettungsaktion für den südkoreanischen Halbleiterhersteller Hynix kaum Hoffnung auf einen spürbaren Abbau der Überkapazitäten im DRam-Bereich. „Ich erwartete für die Branche eher noch ein schwieriges Jahr“, resümiert HVB-Analyst Hollfelder.

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