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01.07.2013

10:26 Uhr

Fusion abgeschlossen

Bertelsmann und Pearson gründen Buchgiganten

Penguin Random House – so heißt der neue gemeinsame Buchverlag von Bertelsmann und Pearson. Alle behördlichen Genehmigungen zum großen Deal sind erteilt. Die Gründung ist eine Kampfansage an Amazon und Apple.

Penguin und Random House, zwei traditionsreiche Verlage, werden nun eins. dpa

Penguin und Random House, zwei traditionsreiche Verlage, werden nun eins.

FrankfurtBertelsmann und Pearson haben die Gründung des weltgrößten Buchverlags perfekt gemacht. Nachdem die Kartellbehörden den Weg für das neue Unternehmen Penguin Random House frei gemacht hatten, unterzeichneten die Medienunternehmen am Montag die abschließenden Verträge.

Gemeinsam wollen Bertelsmann und Pearson künftig in schnellwachsende Märkte wie China, Indien oder Brasilien und in neue Geschäfte investieren. Der Schulterschluss bringt den beiden Medienkonzerne zudem mehr Schlagkraft gegenüber Konkurrenten wie Amazon, Apple und Google, die den traditionellen Buchhändlern mit Online-Angeboten das Leben schwermachen. „Gemeinsam können und werden wir in einem deutlich signifikanterem Umfang investieren“, sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe.

Bertelsmann hält 53 Prozent an Penguin Random House, das mit mehr als 10.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Euro erzielt. Dem britischen Rivalen Pearson gehören 47 Prozent an dem neuen Verlagsriesen, der von Markus Dohle geführt werden wird – seit 2008 an der Spitze der Bertelsmann-Tochter Random House. John Makinson, bislang Chef von Penguin, steht dem Verwaltungsrat vor. In dieses Gremium entsendet Bertelsmann fünf Mitglieder, Pearson vier.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

Sitz von Penguin Random House ist New York. Hier werden die Aktivitäten von Random House und des Pearson-Verlags Penguin in den USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Indien und Südafrika sowie die Penguin-Ableger in China und die Random-House-Verlage in Spanien und Lateinamerika gebündelt. Da der neue Buchkonzern einen großen Teil seiner Geschäfte mit englischen und spanischen Publikationen macht, ist die deutschsprachige Verlagsgruppe Random House mit Sitz in München dem Unternehmen zufolge jedoch ausgeklammert und verbleibt bei Bertelsmann. Zudem läuft der hiesige Buchmarkt im Vergleich zu anderen Ländern derzeit noch recht stabil – dank fester Buchpreise liegt der Gesamtumsatz der Branche seit Jahren bei zehn Milliarden Euro.

Anders sieht es in Großbritannien oder den USA aus. Online-Versandhäuser wie Amazon luchsen den dortigen Buchhändlern seit Jahren immer mehr Kunden ab. Der Siegeszug der E-Books beschleunigt den Abwärtstrend der Branche zusätzlich. Die Unternehmen erhoffen sich von dem Zusammenschluss, gemeinsam besser auf diese Herausforderungen reagieren und stärker in neue Geschäftsmodelle investieren zu können.

„Durch die Bündelung von Ressourcen, die gemeinsame Expansion und eine größere Reichweite stärken wir eines unserer Kerngeschäfte“, erläuterte Rabe. Der Ausbau des digitalen Geschäfts und die Expansion in wachstumsstarke Märkte sind zwei der Kernziele von Bertelsmann, zu dem neben Random House auch Europas größte Fernsehgruppe RTL , der Zeitschriftenverlage Gruner + Jahr und der Mediendienstleister Arvato zählen.

Von

rtr

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