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03.01.2007

15:24 Uhr

Fusion von Tropolys und Versatel

Aus zwei mach eins

VonK. Slodczyk

Vor einem Jahr fusionierten die Telekomunternehmen Tropolys und Versatel zum zweitgrößten Konkurrenten der Deutschen Telekom im klassischen Festnetzgeschäft nach Arcor. Der Zusammenschluss ist ein Lehrstück über Wohl und Wehe von Unternehmenszusammenschlüssen. Eine Handelsblatt-Reportage.

DÜSSELDORF. Eigentlich war der Kunde schon verloren. Eine Bausparkasse wollte nach drei Jahren nicht mehr über das Netz von Versatel telefonieren. „Als der Vertrag auslief“, erzählt Versatel-Manager Horst Schulz, „wollte der Kunde den Anbieter wechseln. Das hatte er uns klar gemacht.“ So ganz wollte sich Schulz aber nicht damit abfinden und seinen Konkurrenten auch nicht kampflos das Feld überlassen. Sein stärkstes Argument: „Wir waren nicht mehr Versatel, sondern die neue Versatel.“

Die ist zu diesem Zeitpunkt gerade einige Wochen alt. Die „neue Versatel“ ist ein Zusammenschluss der beiden führenden regionalen Telekommunikationsbetreiber: Versatel und Tropolys. In mehr als 170 Städten in elf Bundesländern haben sie eigene Netzinfrastruktur. Vor einem Jahr ist das fusionierte Unternehmen offiziell an den Start gegangen.

Die neue Versatel wird im klassischen Festnetzgeschäft zum zweitgrößten Konkurrenten der Deutschen Telekom nach Arcor. Die Fusion ist ein Ergebnis der Konsolidierung auf dem Telekommarkt.

Wie in so vielen Branchen erhoffen sich die Anbieter dadurch niedrigere Kosten und Größenvorteile. Doch was sich die Beteiligten, Berater und Investmenbanker bei Fusionen so ausmalen, misslingt häufig in der Realität. Je nach Studie scheitern 40 bis 70 Prozent aller Übernahmen – an unterschiedlichen Firmenkulturen und handwerklichen Fehlern, daran, dass sich Erwartungen nicht erfüllen und zuvor errechnete Spareffekte nicht eintreten.

Auch die Fusion von Versatel und Tropolys verläuft nicht reibungslos. Sie zeigt exemplarisch, welche Hürden Unternehmen nehmen müssen, um dennoch eine neue Einheit zu schmieden – aus zwei Firmen, die zuvor in Teilen der Republik erbitterte Konkurrenten waren.

In Münster und Umgebung zum Beispiel: Dort versuchten sich Rüdiger Wolf, Vertriebsmanager bei Tropolys, und sein Pendant bei der alten Versatel, Dirk Paterak, die Geschäftskunden gegenseitig abspenstig zu machen. „Man muss sich ja nichts vormachen, beim klassischen Telefonieren gibt es nun mal fast keine Qualitätsunterschiede“, erzählt Wolf. Ein anderes Argumente musste her, um den Kunden zu überzeugen. Und das hieß in Wolfs Revier, in Münster und Umgebung: „Wir sind der Lokalmatador.“ Citykom Münster nannte sich das 1997 gegründete Unternehmen, das später Teil von Tropolys wurde.

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