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29.08.2014

18:23 Uhr

Fusion vor Abschluss

EU segnet E-Plus-Kauf durch Telefónica ab

Die EU hat grünes Licht für die Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland gegeben. Der Deal schafft einen neuen Marktführer – zumindest nach Kundenzahlen. Für die Unternehmen fängt die Arbeit aber nun erst an.

Das Mobilfunkunternehmen E-Plus steht vor der Übernahme durch Telefónica Deutschland. dpa

Das Mobilfunkunternehmen E-Plus steht vor der Übernahme durch Telefónica Deutschland.

München/BrüsselDie EU hat die Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland (O2) endgültig genehmigt. Die Kartellwächter in Brüssel bestätigten, dass der Konzern die mit dem Geschäft verbundenen Auflagen erfüllt, wie der Mobilfunker am Freitag in München mitteilte. Im Gegenzug für die Genehmigung hatte Telefónica etwa zugesagt, Netzkapazitäten an den Anbieter Drillisch zu verkaufen.

Ein Sprecher der EU-Kommission bestätigte die endgültige Genehmigung in Brüssel. Damit steht dem Zusammenschluss nichts mehr im Wege. Die beiden Mobilfunker ziehen durch das Geschäft – gemessen an der Kundenzahl auf dem umkämpften deutschen Mobilfunkmarkt – an den Konkurrenten T-Mobile und Vodafone vorbei auf den ersten Platz. Mit dem Abschluss des Deals wird noch im dritten Quartal gerechnet.

„Die finale Freigabe durch die Europäische Kommission ermöglicht es uns, die Transaktion bald abzuschließen und damit ein führendes digitales Telekommunikationsunternehmen in Deutschland zu formen“, sagt O2-Vorstand Markus Haas. Im Grundsatz hatte die EU die acht Milliarden teure Übernahme bereits im Juli erlaubt. Wie in einem solchen Verfahren üblich, überprüfte die Behörde dann die Einhaltung der gemachten Zusagen.

Um den Wettbewerb hierzulande nicht zu schwächen, hatte die EU das Geschäft unter Auflage genehmigt. Unter anderem befürchten Verbraucherschützer, dass sich Mobilfunkkunden auf gleichbleibende oder gar steigende Gebühren einstellen müssen, da die Zahl der Anbieter von vier auf drei sinken wird.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

Denn bisher liefern sich in Deutschland vier große Anbieter einen scharfen Preiskampf. Der ist für die Unternehmen aber immer schwieriger zu führen, denn auf sie warten angesichts des digitalen Wandels milliardenschwere Ausgaben für neue Technik und den Netzausbau. Das Geld dafür muss erstmal verdient werden.

Und gerade auf dem deutschen Markt ist das nicht einfach, denn statistisch gesehen hat jeder Deutsche bereits 1,4 Mobilfunkverträge. Neue Kunden sind also kaum zu gewinnen. Bisher wurde vor allem über den Preis um Wechselwillige Kunden geworben, oder versucht, über umfangreichere Verträge den Umsatz pro Kunde zu steigern - was zuletzt immer weniger gut funktionierte.

Der Ausweg, den O2 und E-Plus wählen, heißt: Kosten runter. Von der Übernahme erhoffen sich die Firmen viel. Langfristig soll der Deal bis zu 5 Milliarden Euro einsparen.

Von

dpa

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