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13.05.2016

19:54 Uhr

Fußball-EM und Druckereien

Die großen Gewinner des Sammel-Booms

VonMartin Wocher

Zur Fußball-EM erreicht die Sammelleidenschaft großer und kleiner Fans ihren Höhepunkt. Neben dem Einzelhandel profitieren davon auch die deutschen Druckereien. Das Nischengeschäft wird für die Branche zum Lichtblick.

Nicht nur der italienische Marktführer lässt zur EM Bildchen drucken. dpa

Panini-Bilder zur EM

Nicht nur der italienische Marktführer lässt zur EM Bildchen drucken.

BonnAb jetzt wird wieder geklebt. Immer wenn ein fußballerisches Großereignis wie die Europameisterschaft ansteht, wächst die Sammelleidenschaft vor allem der kleinen Fans. Klebebilder fürs Bilderalbum von Mario Götze, Mats Hummel oder Thomas Müller führen regelmäßig zu Quengel-Attacken vor der Supermarktkasse mit anschließender Rudelbildung beim Tausch der erworbenen Schätze auf dem Schulhof.

Was da jugendliche Sammler alle Jahre wieder elektrisiert (und manchmal auch deren Väter), erfreut die deutschen Druckereien. Um über 80 Prozent stieg der Umsatz mit den Abziehbildern in den vergangenen sechs Jahren an. „Das hat selbst mich überrascht“, sagte der Präsident des Branchenverbandes BVDM, Wolfgang Poppen, in Bonn. Denn inzwischen hat das Sammelfieber nicht nur die Fußball-Fans erfasst: Dinosaurier, Figuren aus Star Wars oder dem Dschungelbuch – die Leidenschaft für die bunten Bildchen kennt inzwischen keine Grenzen mehr.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Marktführer Panini druckt seine Bildchen zwar hauptsächlich im italienischen Modena. Doch nicht nur die Italiener wollen von der Sammelleidenschaft der Fußball-Fans profitieren. Auch Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe lockt seit Anfang Mai mit Sammelkarten der deutschen Nationalmannschaft. Für je 10 Euro Einkaufswert erhält der Kunde eine „offizielle DFB-Sammelkarte“.

Insgesamt gibt es 36 Motive - neben 30 verschiedenen Spielerkarten kommen auch das Trainer-Trio, die Fans der deutschen Nationalmannschaft als 12. Mann, das DFB-Emblem und das Team-Maskottchen Paule zu Kartenehren. Auch der Süßwarenhersteller Ferrero setzt auf die Anziehungskraft der deutschen Nationalmannschaft und lockt zur Fußball-EM mit Team-Cards in seinen Aktionspackungen.

Für die Druckereien reichen Aufträge für den Druck von Millionen Abziehbildern jedoch nicht aus, die Kapazitäten der Betriebe ordentlich auszulasten – gerade einmal 100 Millionen Euro setzen die deutschen Druckereien damit um. Bei einem Gesamtumsatz von rund 20 Milliarden Euro im Jahr ist das allenfalls eine feine Nische. Sie sorgt aber zumindest für einen Lichtblick für eine seit Jahren gebeutelte Branche, die mit heftigen Verwerfungen als Folge der Digitalisierung zu kämpfen hat.

So tragen klassische Printerzeugnisse wie Buch, Zeitung oder Zeitschrift nur noch zu 26 Prozent an den Geschäften bei. Allein im Zeitungsdruck sank die Zahl der Beschäftigten seit der Jahrtausendwende um rund 60 Prozent. Gelesen wird zwar weiterhin, aber über digitale Kanäle wie Computer, Tablet oder Smartphone. Auch Prospekte werden weniger gedruckt, wenn mehr Online-Werbung geschaltet wird.

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