Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.03.2006

14:48 Uhr

Fußball ködert Kunden

Nebensache Fußball

VonHans-Peter Siebenhaar und Joachim Hofer

Der neue Bezahlsender Arena will Bundesliga live für 14,90 Euro Abogebühr im Monat ausstrahlen. Deutschlands Fußballbosse werden langsam nervös, denn die Discountpreise bedrohen die Qualität des Lieblingssports der Deutschen.

Nummergirls: Die Show des neuen Pay-TV-Senders. Foto: dpa

Nummergirls: Die Show des neuen Pay-TV-Senders. Foto: dpa

MÜNCHEN. Der Höhepunkt der Show sind die fünf Models in Kniestrümpfen, knappen Höschen und weißen T-Shirts: Auf ein Kommando drehen sie sich herum und auf ihren Rücken prangt „14,90“. Das ist sie also, die neue magische Zahl des deutschen Fußballs.

Man kennt solche mauen Gags aus dem Werbefernsehen. Aber Bernard de Roos ist zufrieden. Ein „großer Moment“ sei das, „wir machen Fußball wieder bezahlbar“. Wie locker ihm das gelingt, signalisiert der Chef von der blutjungen TV-Firma Arena schon mit seinem Outfit: einem legerer Freizeitanzug aus Baumwolle.

Wer in Hessen oder Nordrhein-Westfalen wohnt, kommt sogar mit 9,90 Euro davon, weil die beiden regionalen Kabelnetzbetreiber Ish und Iesy mit hinter Arena stecken. Das ist weit weniger als die Hälfte von dem, was Pay-TV-Platzhirsch Premiere bisher für Live-Fußball berechnet.

Um Fußball geht es Arena jedoch nur am Rande. Das Dumpingangebot hat vor allem einen Zweck: Es soll dem Arena-Eigner Unity, dem zweitgrößten Kabelkonzern des Landes, neue Märkte erschließen. Triple Play heißt das neue Zauberwort – Fernsehen, Internet und Telefonie aus einer Hand mit Mehrfachverwertung von Inhalten. Die Ware Fußball soll die Kunden ködern. Die Bundesliga, der wertvollste Bildschirmfüller des Landes, ist nur ein teures Mittel für einen viel größeren Zweck. Das ultimative Ziel der Geldgeber von Unity ist ein Börsengang oder ein Weiterverkauf. „Denen war schon beim Kauf klar, dass die Rechte über Abos nicht refinanzierbar sind“, heißt es in Bundesliga-Kreisen.

Die vielen Hintergedanken machen nicht nur Deutschlands Fußballbosse so langsam nervös, sie bedrängen auch immer stärker den börsennotierten Bezahlsender Premiere.

Die große Wette des Bernard de Roos beginnt am 22. Dezember 2005. 24 Stunden zuvor hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) der verblüfften Öffentlichkeit mitgeteilt, dass die völlig unbekannte Firma Arena die Übertragungsrechte für die nächste Saison bekommt – und nicht Premiere.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×