Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.08.2011

17:31 Uhr

Gamescom

Große Spiele für kleines Geld

VonMichael Brächer

Computerspiele aus Deutschland wurden lange belächelt. Doch deutsche Firmen haben eine lukrative Nische besetzt. Wie sie die Branchenriesen in Bedrängnis bringen.

Battlefield 3 gehört zu den gefragten Neuvorstellungen auf der Gamescom. Quelle: Electronic Arts

Battlefield 3 gehört zu den gefragten Neuvorstellungen auf der Gamescom.

KölnGranaten explodieren, Gewehre rattern, imperiale Sturmtruppen marschieren im Gleichschritt durch die Ausstellungshallen: Auf der Kölner Messe ist gestern kein Krieg ausgebrochen, sondern die Gamescom. Auf der weltgrößten Messe für Computer- und Videospiele feuern die Hersteller auch in diesem Jahr aus allen Marketing-Rohren: Vor dem Stand von Electronic Arts (EA) parkt sogar ein Kampfjet, der das Publikum für den neuesten Battlefield-Teil begeistern soll: Um „Call of Duty“ vom Erzrivalen Activision auszustechen, investiert EA die stolze Summe von 100 Millionen Dollar.

Die Gamescom zeigt, dass auch Deutschland längst ein bedeutender Markt für die Spielebranche geworden ist: Hierzulande wurden im letzten Jahr 1,86 Milliarden Euro für Computer- und Videospielsoftware ausgegeben. „Gaming ist längst kein Nischenphänomen mehr, sondern eine Massenbewegung“, sagt Ralph Haupter vom Branchenverband Bitkom. Die meisten Aussteller kommen zwar aus dem Ausland, doch deutsche Firmen sind auf Wachstumskurs. Denn sie verdienen ihr Geld vor allem mit Online- und Social-Games – und die werden immer beliebter.

Welche Arten von Online-Spielen gibt es?

Die wichtigsten Begriffe im Überblick

Die Computerspiele-Branche setzt immer mehr aufs Internet. Doch abgesehen davon, dass die Spieler online sind, gibt es erhebliche Unterschiede – wir erklären die wichtigsten Begriffe.

Browser-Spiele

Der Name sagt es: Browser-Spiele lassen sich direkt im Browser aufrufen, zum Beispiel im Firefox oder im Internet Explorer. Für die Anzeige von Multimedia-Elementen ist oft eine Software-Erweiterung (Plug-In) notwendig, beispielsweise Flash. Der neue Standard HTML5 macht derartige Spiele auch ohne Plug-In möglich. Auf dieser Plattform werden unterschiedliche Zielgruppen bedient: Es gibt Gelegenheitsspiele (Casual Games), aber auch komplexere Titel, beispielsweise aufwendige Rollenspiele, bei denen sich viele Nutzer gleichzeitig in der virtuellen Welt tummeln.

Social Games

Als Social Games werden Spiele bezeichnet, die überwiegend über Soziale Netzwerke gespielt werden. Die Idee: Wer sowieso schon mit seinen Freunden vernetzt und häufig online ist, will ab und zu vielleicht auch mit diesen oder gegen diese spielen. Dabei werden Pflanzen gepflegt, Tiere gehegt, Mafia-Kriege ausgefochten oder Städte geplant – die Vielfalt kennt keine Grenzen. Die Hemmschwelle ist zudem niedrig, da fast alle Spiele direkt im Browser funktionieren und kostenlos sind. Geld verdienen Hersteller wie der klare Marktführer Zynga vor allem mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten, den virtueller Gütern. Das kann ein neuer Traktor sein, ein Raumschiffantrieb, eine neue Frisur… Viele der Social Games richten sich an Gelegenheitsspieler, da sie wenig komplex sind.

MMOs

MMO (auch MMOG) steht für Massively Multiplayer Online Game. Die erfolgreichste MMO-Unterkategorie sind die MMORPGs – Multiplayer-Rollenspiele wie „World of Warcraft“. Bei typischen MMOs treffen sich sehr viele Spieler über das Internet in einer virtuellen Welt. Diese wird von den Nutzern ständig verändert, die oft enge Beziehungen untereinander unterhalten und sich typischerweise in Gruppen, oft „Clans“ oder „Gilden“ genannt, zusammenschließen.

Einige MMOs laufen im Browser, andere bedürfen der Installation eines Programms auf dem Computer – dafür steigt dann auch die Spielqualität. Weltmarktführer bei MMOs ist seit vielen Jahren „World of Warcraft“, das von der US-Firma Activision Blizzard vertrieben wird.

Casual Games

Hinter diesem Modebegriff verbergen sich simple Spiele für Millionen: leicht zu spielen, mit schnellen Erfolgserlebnissen und kooperativen Elementen. Oft sind es Denk- und Ratespiele, aufgehängt an bekannten Marken wie etwa „Wer wird Millionär“.

Die allermeisten Casual Games erfordern keine besondere Hardware, laufen also auch auf alten Rechnern oder Handys und sind kostenfrei spielbar. Typischerweise bezahlt ein gewisser Anteil der Gelegenheitsspieler für den Download einer Premium-Version oder einen Premium-Zugang, so dass sich die Spiele insgesamt rechnen.

Als eines der ersten Casual Game gilt „Solitaire“, das schon in den 90ern millionenfach gespielt wurde. Im Online-Zeitalter sind Casual Games aber erst richtig populär geworden. Einen weiteren Schub erhielten sie durch das soziale Netzwerk Facebook.

Spiele-Apps

Hier lädt sich der Nutzer ein Programm (umgangssprachlich App genannt) auf sein Smartphone oder auf den Tablet-PC, um spielen zu können. Der stärkere Wettbewerb bei den Smartphone-Betriebssystemen kurbelt auch die App-Branche an.

Die mobilen Spiele werden zunehmend kostenlos zum Download angeboten. Oft sind das aber nur Appetithappen. Wer alle Level spielen will, muss die Vollversion kaufen. Besonders beliebt: „Angry Birds“ von der finnischen Firma Rovio. Die zornigen Vögel sind bereits auf mehr als einer Milliarde mobilen Geräten gelandet.

Das Zauberwort der Branche heißt Free-to-play: Die Anmeldung für Spiele wie „Drakensang Online“ oder „OGame“ ist kostenlos, grundlegende Funktionen stehen allen Spielern zur Verfügung. Doch besonders begehrte Gegenstände, sogenannte Items, können die Spieler nur gegen Geld erwerben.

Der Umsatz durch solche virtuelle Kleidung, Schwerter und Raumschiffzubehör stieg im ersten Halbjahr um 30 Prozent, schätzt der Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware. „Typischerweise sind ungefähr 10 Prozent der Spieler bereit für erweiterte Spielinhalte zu zahlen“, sagt Christoph Jennen, Chief Financial Officer der Gameforge AG.

Mit konkreten Zahlen hält man sich in der Branche bedeckt. Klar ist jedenfalls: Durch den Handel mit virtuellen Gegenständen lässt sich prächtig verdienen. In Unternehmenskreisen heißt es, dass treue Nutzer in Deutschland zwischen zehn und 25 Euro pro Monat für ihre Items zahlen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×