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18.11.2011

11:17 Uhr

Gastkommentar

Die Großbaustelle Microsoft

Der US-Riese ist auf dem Weg von einem klassischen Softwarehersteller zu einem integrierten Serviceanbieter. Der Weg dahin ist beschwerlich. Und ob Microsoft Erfolg haben wird, ist ungewiss. Ein Gastkommentar..

Microsoft-Chef Steve Ballmer beruhigt nervöse Anleger. dapd

Microsoft-Chef Steve Ballmer beruhigt nervöse Anleger.

Die Zahlen, sie malen ein rosarotes Bild: 69,9 Milliarden Dollar Umsatz hat der Softwaregigant Microsoft im abgelaufenen Geschäftsjahr gemacht, zwölf Prozent mehr als 2009/10; der operative Gewinn betrug satte 27,1 Milliarden Dollar. In der Firmenzentrale in Redmond, im Bundesstaat Washington, müssten die Konzernmanager, allen voran Microsoftchef Steve Ballmer, eigentlich hochzufrieden sein. Doch das sind sie nicht, zumindest nicht uneingeschränkt. Denn die Zahlen sind nur die halbe Wahrheit.

Das Geschäft mit den sogenannten Smartphones will einfach nicht in Gang kommen. Auch beim hauseigenen Lieblingsthema, dem Cloud Computing, läuft es nicht so, wie sich das die Herren und Damen in Redmond vorstellen. Hinzu kommt, dass der Umbau des eigenen Unternehmens viel Geld und personelle Ressourcen verschlingt.. Apple, Google oder VMware wollen die Selbstfindungsphase des Konkurrenten nutzen; sie greifen Microsoft in zentralen Bereichen wie der Unternehmens-IT und bei den Privatanwendern frontal an. Es bröckelt bei Microsoft – an gleich mehreren Ecken. 

Konzernchef Ballmer und sein Team ist deshalb nicht zu beneiden. Auf der einen Seite sollen Umsätze und Erträge aus dem Softwaregeschäft weiter ausbaut werden. Auf der anderen Seite muss er neue Märkte finden und besetzen, um zukünftig für Anwenderunternehmen noch attraktiv zu sein. Gleichzeitig dürfen die Kunden nicht vergrault werden; sie müssen eingebunden werden in die Umgestaltung des Unternehmens.

Im Fadenkreuz

Microsoft ist unter Beschuss. Das ist nichts Neues, wie aus der gerade erschienenen Biografie des Mitgründers Paul Allen nachzulesen ist. Im Gegensatz zu den Anfängen allerdings kommen die Angreifer heutzutage aus ganz verschiedenen Richtungen. Die Herausforderer attackieren sowohl das Kerngeschäft mit Betriebssystemen und Office-Lösungen, als auch die Wachstumsfelder bei Privatanwendern und Großkunden. Alte Rivalen wie IBM, Apple oder Oracle sind dabei, dazu neue Angreifer wie Cisco, Google oder VMware; nicht zu vergessen Dropbox, Zoho und Salesforce.com.

Die wachsende Konkurrenz macht Microsoft-Plattformen für Partner wie HP, Lenovo, oder Acer weniger attraktiv. Ein Beispiel ist der Erfolg des iPad. Weil Microsoft auf diesem Feld kein adäquates Betriebssystem bereitstellen kann, orientieren sich viele der großen Partner um. Gleiches gilt für kleine und mittelständische Entwickler, die auf und für Plattformen von Microsoft entwickeln. Sie richten sich auf die stärksten Systeme aus. Microsoft wird weniger wichtig – irgendwann wird sich das auch an den Umsätzen ablesen lassen.

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