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25.02.2015

12:01 Uhr

Generation Gründer

Hartnäckig, zuweilen auch nervtötend

VonMiriam Schröder

Ausdauer ist eine der wichtigsten Disziplinen beim Gründen. Besonders in der Start-up-Szene. Wer sie besitzt, kann Oliver Samwer als Investor gewinnen – und den US-Präsidenten treffen.

In digitaler Gesellschaft: Handelsblatt-Redakteurin Miriam Schröder gibt wöchentlich einen Einblick in die deutsche Start-up-Szene.

Miriam Schröder

In digitaler Gesellschaft: Handelsblatt-Redakteurin Miriam Schröder gibt wöchentlich einen Einblick in die deutsche Start-up-Szene.

BerlinZu den wenigen Berlinern, die die Chance bekamen, US-Präsident Barack Obama bei seinem Abschiedsbesuch in Deutschland live zu sehen, gehört der Unternehmer Marlon Braumann. Nicht weil ihn jemand dazu eingeladen hatte. Sondern weil er es wollte. Wenn er etwas will, kann er hartnäckig sein.

Der 27-Jährige ist Gründer von store2be, einem noch eher unbekannten deutschen Start-up. Es verkauft online Werbeflächen in Einkaufszentren und Supermärkten, in denen Hersteller ihre Produkte live anpreisen können. Zur Weihnachtszeit kann man sich einen tanzenden Mitarbeiter im Elchkostüm vorstellen, darüber die Reizunterwäsche von Amorelie. „Die Marke erlebbar machen“, nennt es Braumann.

Er hat drei Monate und sieben abgesagte Einladungen gebraucht, bis er mit dieser Idee einen Termin mit dem Handelsblatt bekam, und mehr als zwölf Monate vom Eintrag ins Handelsregister bis zur Unterzeichnung der ersten Finanzierungsrunde. Unwahrscheinlich, dass Obama Marlon Braumann sehen wollte, weil er sich überlegt hat, nach der Präsidentschaft jetzt auch in Start-ups zu machen, wie alle anderen.

Aber Braumann wollte Obama sehen. Am Mittwochabend radelte er ins Hotel Adlon, wo seine Freundin ein Zimmer hatte, weil sie einen Vortrag beim Wirtschaftsgipfel der „Süddeutschen Zeitung” hielt. Braumann stand wie jeden Morgen um sechs Uhr auf, um zu laufen. Im Fitnessraum des Hotels wartete er auf Obama, wie auch ein paar andere Gäste. Der Präsident kam tatsächlich. Er trug Kopfhörer, geredet wurde nicht. Braumann wird es vorerst auch nicht auf die Titelseite des Handelsblatts schaffen. Aber in diese Kolumne. Weil er zeigt, worauf es beim Gründen auch ankommt: Aufs Hartnäckig sein, bisweilen auch nervtötend.


Nervtötend war damals die Zalando-Werbung, und hartnäckig waren ihre Erfinder, die Gründer Robert Gentz und David Schneider. Schuhe verkaufen im Internet? „Schwachsinn!”, waren alle überzeugt. Alle bis auf einen: Oliver Samwer. Der Chef von Rocket Internet, der ihnen damals Geld gab, ist selbst so ein Besessener, der Leute aus dem Schlaf klingelt, wenn er etwas will. Dessen Glaube in seine selbst gegründeten Unternehmen steht scheinbar in keinem Verhältnis zu den Verlusten, die sie erwirtschaften. Das werde schon noch, behauptet er immer wieder hartnäckig, und sammelt immer wieder Geld dafür ein.

Als Gründer muss man sich und seine Idee andauernd verteidigen – gegenüber Investoren, Kunden, Mitgründern und Familienmitgliedern, die alle irgendetwas besser wissen. Die meisten Leute würden nach zehn Finanzierungsabsagen aufgeben, ein Gründer fragt auch noch ein elftes Mal. Täte er das nicht, hätte er es schließlich auch gleich bleiben lassen können.

Warum tun die sich das an? Die Samwer-Brüder etwa dürften genügend Immobilien besitzen, für deren Wertentwicklung sie sich nicht andauernd öffentlich rechtfertigen müssen. Trotzdem gründen sie und investieren weiter in Start-ups. Auch in store2be, das Unternehmen von Marlon Braumann. Er ist ein ehrgeiziger Hockey-Spieler, hat ein BWL-Studium an der Hochschule in Vallendar mit einer Promotion abgeschlossen. Er könnte viele Jobs haben. Sein Doktorvater, sagt Braumann, habe ihm zur Luftfahrtindustrie geraten. Aber er wollte Elche in Einkaufszentren verkaufen.

Handelsblatt-Redakteurin Miriam Schröder berichtet über deutsche Start-ups aus Berlin und anderswo.

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