Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.11.2016

12:24 Uhr

Georg von Holtzbrinck-Preis 2016

„Werteorientierter Journalismus ist wichtiger denn je“

Am Montagabend haben Verleger Dieter von Holtzbrinck und Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart die besten Wirtschaftsjournalisten des Jahres ausgezeichnet – darunter die Enthüller der Steueraffäre „Panama Papers“.

FrankfurtÜber den Dächern Frankfurts wurden am Montagabend die besten Wirtschaftsjournalistinnen und -journalisten des Landes mit dem Georg von Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik 2016 ausgezeichnet. „In diesen Zeiten ist kompetenter, ethisch fundierter und werteorientierter Journalismus wichtiger denn je“, sagte Verleger Dieter von Holtzbrinck im Beisein von rund 120 geladenen Gästen. Unter seinem Vorsitz kürte eine hochkarätige Jury im fünfzigsten Stock des Commerzbank-Towers die beste journalistische Leistung in den Kategorien Text, interaktive Multimedia-Speziale und Audiovisuell. Darüber hinaus wurde der Ferdinand Simoneit-Nachwuchspreis vergeben.

Der diesjährige Preis in der Kategorie „Text“ geht an die Süddeutsche Zeitung-Redakteure Frederik Obermaier, Bastian Obermayer und Vanessa Wormer für ihre Berichterstattung über die „Panama Papers“.

Die Preisträger schildern in einer Vielzahl von Artikeln, wie Staatschefs, Diktatoren und Sportstars mithilfe eines in Panama ansässigen Offshore-Dienstleisters ihr Vermögen vor den Finanzbehörden verschleiern. Laudator Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts: „Das Endergebnis der Recherche um die Panama Papers ist ein Weltaufschlag, der es mit der Flick-Affäre oder mit Watergate aufnehmen kann.“

Georg von Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik 2016

Die Preise

Der Georg von Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik wird seit dem Jahr 2000 verliehen, der Ferdinand Simoneit-Nachwuchspreis für Wirtschafts- und Finanzjournalismus seit 2012. Alle Auszeichnungen sind mit jeweils 5000 Euro dotiert.

Die Jury
  • Dieter von Holtzbrinck (Vorsitz), Verleger, DvH Medien GmbH
  • Dr. Thomas Bellut, Intendant, ZDF
  • Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor, Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.
  • Dr. Tonio Kröger, Geschäftsführer, antoni GmbH
  • Prof. Dr. Miriam Meckel, Chefredakteurin, WirtschaftsWoche
  • Prof. Dr. Henrik Müller, Professor, Technische Universität Dortmund
  • Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratsvorsitzender, Commerzbank AG
  • Dr. Nicole Prüsse, Geschäftsführerin Zentral-, Nord- und Osteuropa, ZenithOptimedia
  • Gabor Steingart, Herausgeber, Handelsblatt
  • Jochen Wegner, Chefredakteur, ZEIT Online

In der Kategorie „Interaktive Multimedia-Speziale“ werden die Welt-Reporter Lars-Marten Nagel und Marcel Pauly für ihre Analyse „Wettlauf gegen den Verfall“ ausgezeichnet. „Die Autoren schaffen es in ihrem interaktiven Multimedia-Spezial für WeltN24, ein Thema von direkter Relevanz für viele Nutzer – den teils jämmerlichen Zustand der Brücken in Deutschland – in ebenso anschaulicher wie tiefgehender Weise zu präsentieren“, lobte Laudator Prof. Dr. Henrik Müller, Professor an der Technischen Universität Dortmund, das Projekt.

Die Gewinner der Kategorie „Audiovisuell“ sind in diesem Jahr Angela Andersen und Claus Kleber mit ihrer ZDF-Dokumentation „Schöne neue Welt“ über die Visionen der kalifornischen Hightech-Firmen. Im Bild: Laudator Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank AG, mit Claus Kleber (links). Bernd Roselieb für Handelsblatt

Kategorie „Audiovisuell“

Die Gewinner der Kategorie „Audiovisuell“ sind in diesem Jahr Angela Andersen und Claus Kleber mit ihrer ZDF-Dokumentation „Schöne neue Welt“ über die Visionen der kalifornischen Hightech-Firmen. Im Bild: Laudator Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank AG, mit Claus Kleber (links).

Die Gewinner der Kategorie „Audiovisuell“ sind in diesem Jahr Angela Andersen und Claus Kleber mit ihrer ZDF-Dokumentation „Schöne neue Welt“ über die Visionen der kalifornischen Hightech-Firmen.

„Frau Andersen und Herr Kleber tauchen in ihrer Reise durch das Silicon Valley in eine komplett andere Welt ein und vermitteln auf eindrucksvolle und verständliche Weise, welche Welle an revolutionären Veränderungen in den kommenden Jahren auf uns zurollen wird“, sagt Laudator Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank AG.

Der Ferdinand Simoneit-Nachwuchspreis für Wirtschafts- und Finanzjournalismus wird an die Zeit-Redakteure Björn Stephan und Fritz Zimmermann für ihren Artikel „Herr Horst kauft sich ein Dorf“ verliehen. Die Autoren schildern darin, wie sich ein kleiner Ort an der Ostseeküste verändert, als er nach der Wende peu à peu unter den Einfluss eines Investors aus dem Westen gerät.

Laudatorin Miriam Meckel, Chefredakteurin der WirtschaftsWoche: „Wie unter einem Brennglas entwickelt die Reportage die großen Konfliktlinien an einem kleinen lokalen Beispiel: Kapitalismus gegen Demokratie, Geld gegen Volk, oder eben: der Investor Horst gegen das Dorf Göhren.“

Von

HB

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Lana Ebsel

29.11.2016, 12:58 Uhr

Wenn "werteorientierter Journalismus“ daraus besteht, dass Journalisten aus ihrer kleinen Heileweltblase nicht herausschauen können, dann ist das nicht der richtige Ansatz.

Herr Holger Narrog

29.11.2016, 13:04 Uhr

Mit Werten sind im aktuellen deutschen Journalismus wahrscheinlich nicht die preussischen Werte wie Bescheidenheit, Wahrheitsliebe...gemeint. Ich nehme an, dass die Werte der heutigen Ideologie und (Öko)religion gemeint sind. Letztlich wird eine ideologische Geschlossenheit/Linientreue der Journalisten ausgezeichnet.

Wenn man die Erkenntnis eines ex. US Präsidenten, dass man zwar alle einige Zeit und einige dauerhaft täuschen kann, aber nicht alle dauerhaft täuschen kann zu Grunde legt, dann legt dies nahe dass der Journalismus eine Krise erlebt.

Bis in die 90er Jahren konnte man in Deutschland Staatsfernsehen sehen, oder Qualitätszeitungen lesen ohne jeden Artikel auf seinen Wahrheitsgehalt analysieren zu müssen*. Alternative Medien musste man dagegen kritisch hinterfragen. Heute ist dies fast umgekehrt.

Aufgrund der steigenden Leserzahlen alternativer Medien, der rückläufigen Auflagen der regierungsnahen Medien werden die Redaktionen verkleinert, Zeitungen zusammengelegt. Der Zeitpunkt an dem die alternativen Medien höhere Auflagen erzielen als die regierungsnahen Medien ist möglicherweise näher als viele meinen.

Für den Journalismus wäre es sinnvoll den ideologischen Spielraum des Systems voll zu nutzen und eine möglichst hohe Zahl wahrheitsnaher, faktenreicher Artikel zu veröffentlichen um die Auflagen zu erhalten und die Zukunft des Journalismus zu sichern.

*Ich hatte seinerzeit HB und FAZ alternierend gekauft.

Account gelöscht!

29.11.2016, 13:22 Uhr

Statt mit Werten sollte sich eine Wirtschaftsjournalismus mit der Basis einer funktionierenden Marktwirtschaft beschäfiigen.
Und das ist eine von der Politik freien wirtschaftlcihe MEHRWERT Schöpfungskette. Ein Wirtschaftsjournailsmus hat die Politik zu kritiersen sobald diese der wirtschaftlichen Mehrwertschöpfung die Freiheit einschränken will zum Nachteil der gesamten Marktgesellschaft.

Wohlstand und Moderne entsteht nicht aus Werten der Toleranz, Moral und falschverstandenen Nächstenliebe sonder einzig auf Basiis einer FREIEN wirtschaftlichen Mehrwertschöpfung in einer offenen und freien Marktgesellschaft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×