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01.02.2008

19:31 Uhr

Geplante Übernahme von Yahoo

Gewaltiges Problem für Microsoft

VonThomas Knüwer

Microsoft will Yahoo übernehmen. Den Börsen hat das weltweit Auftrieb gegeben. Auf den ersten Blick wirkt das Vorhaben logisch. Aber es birgt große Risiken. Zwei völlig unterschiedlich strukturierte und denkende Unternehmen treffen aufeinander. Yahoo hat nur eine Chance. Eine Einschätzung.

Seiltänzer spannen in New York das Microsoft-Windows-Logo auf. Das Unternehmen hat ehrgeizige Pläne. Foto: dpa

Seiltänzer spannen in New York das Microsoft-Windows-Logo auf. Das Unternehmen hat ehrgeizige Pläne. Foto: dpa

Microsoft will Yahoo kaufen. Und auf den ersten Blick meine ich: AOL-Time ich hör Dir trappsen. » Der Kollege Axel Postinett sieht das Ende von Google nahen. Aber ich bewerte das genau anders herum. Zumindest aus dem aktuellen Wissensstand heraus kann ich der Sache nicht viel Begeisterung abgewinnen.

Mich erinnert der Deal fatal an AOL und Time Warner. Auch damals klang die "industrielle Logik" (ein grauenhafts Buzzword) verlockend, Milliarden Konsteneinsparungen wurden verkündet. Das Ergebnis: eines der buntesten Desaster der modernen Wirtschaftsgeschichte. Denn hier versuchten sich zwei Konzerne zu vereinen, die überhaupt nicht zueinander passten.

Ähnliche Strukturen sehe ich bei Microsoft und Yahoo. Auf den ersten Blick wirkt alles logisch: Die Marktanteile bei Suche und Werbung steigen, Microsoft könnte Yahoo -Dienste wunderbar auf seine Produkte verteilen, von Windows Mobile bis Flickr bei Fotosoftware. Und eine Milliarde Dollar soll dann auch noch gespart werden. Henry Blodget hat schon mal ein wenig gerechnet.

Doch auch hier treffen zwei völlig unterschiedlich strukturierte und denkende Unternehmen aufeinander. Microsofts Internet-Bereich, so berichten Mitarbeiter, muss in der Zentrale immer zurückstehen hinter Software und Xbox. Deshalb auch hat der Konzern es trotz immenser Ressourcen nie geschafft, im Web mit Google Schritt zu halten.

Und dieser angesichts des Aufwands eher müde Bereich wird nun kombiniert mit einem Internet-Unternehmen, dass zwar über eine großartige Marke hat - doch ebenfalls viel zu wenig aus seinen Möglichkeiten macht. Yahoo verfügt über einige der interessantesten und meistgenutzten Dienste im Netz, zum Beispiel Flickr. Doch ist es überhaupt nicht gelungen, diese tatsächlich zu integrieren und aus ihnen Kapital zu schlagen. Yahoo erinnert an einen botanischen Garten, den der Betreiber der Natur überlässt - daraus kann etwas wachsen, muss aber nicht. Irgendwann aber ist das Grün so verfilzt, dass man es nur noch abflemmen kann.

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