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25.10.2013

00:56 Uhr

Geplanter Börsengang

Twitter peilt Einnahmen von 1,6 Milliarden Dollar an

Twitter auf Höhenflug: Das junge Unternehmen will beim Börsengang mehr Geld einnehmen als zunächst angedacht. Werden die Twitter-Besitzer nun gierig? Denn eigentlich schreibt der Dienst weiter hohe Verluste.

Der Kurzmitteilungsdienst Twitter strebt bei seinem Börsengang einen Preis zwischen 17 und 20 Dollar (12 bis 14,5 Euro) pro Aktie an. ap

Der Kurzmitteilungsdienst Twitter strebt bei seinem Börsengang einen Preis zwischen 17 und 20 Dollar (12 bis 14,5 Euro) pro Aktie an.

New YorkDer Kurznachrichten-Dienst Twitter strebt bei seinem Börsengang höhere Einnahmen an. Während das Unternehmen zunächst 1 Milliarde Dollar mit dem Verkauf von Aktien einsammeln wollte, sind es nun bis zu 1,6 Milliarden Dollar (1,2 Mrd Euro). Das geht aus dem am Donnerstag aktualisierten Börsenprospekt hervor.

Die einzelne Aktie soll zwischen 17 und 20 Dollar kosten. Das Unternehmen will 70 Millionen Anteilsscheine platzieren plus eine sogenannte Mehrzuteilungsoption von 10,5 Millionen Aktien, wenn die Nachfrage entsprechend stark ist.

Wann genau Twitter an die Börse geht, ist dabei weiter unklar. US-Medien gehen von Anfang oder Mitte November aus. Zunächst fühlen die beteiligten Banken bei möglichen Investoren vor, ob diese den geforderten Preis zahlen wollen. Zu den Helfern des Börsengangs gehört auch die Deutsche Bank.

Twitter würde der größte Internet-Börsengang seit Facebook im Mai vergangenen Jahres. Das Soziale Netzwerk hatte damals 16 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt eingesammelt. Allerdings ist Facebook mit zuletzt 1,15 Milliarden Mitgliedern auch größer als Twitter mit 230 Millionen aktiven Nutzern.

Twitter verliert zudem weiterhin Geld, und zwar unterm Strich 134 Millionen Dollar alleine in den ersten neun Monaten diesen Jahres - fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Den geforderten Aktienpreis rechtfertigt das Unternehmen aus San Francisco mit seinem rasanten Wachstum. So verdoppelte sich der Umsatz im gleichen Zeitraum auf 422 Millionen Dollar.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Der Dienst macht sein Geld vor allem mit Werbebotschaften im Nachrichtenstrom der Nutzer. Die Hoffnung ist, dass diese Anzeigen in der Zukunft deutlich mehr einbringen. Facebook war dieses Kunststück gelungen.

Twitter hat sich zum vielleicht wichtigsten Medium für schnelle Nachrichten entwickelt. Nutzer können über den Dienst 140 Zeichen lange Textnachrichten verschicken, die auch auf Fotos, Videos oder fremde Websites verweisen können. Mehr als 500 Millionen dieser sogenannten Tweets gehen täglich raus.

Größter Anteilseigner ist der Investor Rizvi Traverse mit 17,9 Prozent. Es folgen Mitgründer Evan Williams mit 12 Prozent und die Bank JP Morgan Chase mit 10,3 Prozent.

Von

dpa

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