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09.09.2011

13:29 Uhr

Gerichtsentscheid

Verkaufsverbot für iPad-Rivalen bleibt bestehen

Sieg für Apple - und eine krachende Niederlage für Samsung. Der iPad-Rivale des koreanischen Konzerns darf weiterhin nicht in Deutschland verkauft werden.

Apple siegt gegen Samsung

Video: Apple siegt gegen Samsung

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DüsseldorfDas Verkaufsverbot für den iPad-Rivalen „Samsung Galaxy Tab 10.1“ bleibt in Deutschland weiterhin bestehen. Das Düsseldorfer Landgericht lehnte am Freitag den Widerspruch des koreanischen Konzerns gegen das im August verhängte Vertriebsverbot ab. Die Vorsitzende Richterin Johanna Brückner-Hoffmann sagte, bei der Gestaltung des iPad-Konkurrenten habe Samsung Geschmacksmuster-Rechte der Kalifornier verletzt.

Zwar gebe es in der Gestaltung der flachen Tablet-Computer Unterschiede im Detail, der Gesamteindruck stimme aber überein. Als Beispiel nannte die Richterin eine „minimalistisch moderne Gestaltung“ mit glatten Flächen, abgerundeten Ecken und schmalem Gehäuserand.

Das Verbot hatte Apple vor einem Monat bei dem Düsseldorfer Gericht erwirkt. Apple wirft dem südkoreanischen Hersteller Samsung vor, mit seinem Modell Galaxy Tab das iPad von Apple in seinem Aussehen kopiert zu haben. Der Galaxy Tab ist einer der schärfsten iPad-Konkurrenten. Apple hatte sich im Jahr 2004 Design-Elemente eines Tablet-Computers in Europa als sogenanntes Geschmacksmuster schützen lassen.

Das Prinzip Apple

Alles aus einer Hand

Konsistenz ist Teil der Designphilosophie von Apple. Dazu gehört ein möglichst einheitliches Nutzererlebenis. Apple bietet dazu vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Profi-PC alle Gerätklassen an. Auf den kleinen Geräten iPhone und iPad läuft dabei das mobile Betriebssystem iOS, auf den Laptops und Desktop-Rechnern Mac OS X. Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, allerdings bietet Apple viele eigene Applikationen für beide Plattformen an, etwa die Office-Suite iWork. Über die App Stores verkauft Apple außerdem noch Software für beide Plattformen online – bei iPhone und iPad sogar der einzig legale Weg, Software zu installieren.

Apples Gefängnis und Ausbruch-Tools

Apples Stärke ist zugleich auch der größte Kritikpunkt: Weil alles aus einer Hand kommt, behält Apple die volle Kontrolle. Im App Store schöpft Apple satte 30 Prozent der Umsätze ab, sowohl von gekauften Apps als auch von Käufen, die innerhalb von Apps getätigt werden. Immer wieder kommt der Konzern in die Schlagzeilen, weil Apps aus teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen aus dem Store entfernt werden. So gelten dank Apple beispielsweise weltweit amerikanische Moralvorstellungen: Medien müssen nackte Haut zensieren. Ein Weg aus dem Apple-Gefängnis ist entweder ein sogenannter Jailbreak. Dabei führen iPhone- und iPad-Anwender ein Programm aus, das Sicherheitslücken in den Geräten nutzt, um das Gerät aus der Apple-Kontrolle zu befreien. Nach einem Jailbreak können alle Programme wie auf einem PC oder Mac installiert werden. Eine andere Alternative sind Programme, die im Browser laufen – auf das Internet haben auch iPhones und iPads freien Zugriff.

Mobile Geräte im Fokus

Apple betont regelmäßig, in erster Linie ein Hersteller mobiler Geräte zu sein. Erstens machen iPhone und iPad längst den Löwenanteil der Apple-Umsätze aus, zweitens sind auch die meisten verkauften Macs inzwischen Laptops. Das zeigte sich auch beim jüngsten Update des Mac-Betriebssystems Mac OS X. Die aktuelle Version Lion betont die Gestensteuerung, die vor allem bei Trackpads sinnvoll ist, die in Laptops verbaut werden.

iCloud löst iTunes als Zentrale ab

Zentrale Schnittstelle zwischen allen Apple-Geräten war bisher das Programm iTunes, über das die Geräte als „Hub“ auf Mac oder PC synchronisiert werden. Allerdings zeichnet sich mit der Einführung der iCloud eine Ablösung von iTunes als zentrales Hub ab – die Daten wandern nun in die "Wolke", also das Internet. Mit der iCloud soll das Internet zur zentralen gemeinsamen Schnittstelle aller Apple-Geräte werden. Dokumente werden im Netz gespeichert und können über sämtliche Plattformen synchron gehalten werden. iPad und iPhone sollen auch ohne Mac oder PC verwendbar sein.

„Es funktioniert einfach“

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird der derzeitige Trend beschrieben, dass Konsumenten-Produkte wie iPhone und iPad zunehmend auch die Unternehmen erobern, weil Menschen einfache und intuitive Bedienungen auch im Geschäftsleben schätzen. Kritiker meinen andererseits, dass Apple im Bemühen um eine möglichst intuitive Bedienung den Nutzern bei vielen Fragen zu wenig Freiheit lässt.

Die einstweilige Verfügung wurde von dem Düsseldorfer Gericht zeitlich nicht begrenzt. Samsung will sich das Verkaufsverbot nicht gefallen lassen. Man werde rasch in Berufung gehen, kündigte das Unternehmen am Freitag an. Apple und Samsung streiten sich in einer ganzen Reihe von Verfahren in mehreren Staaten über angebliche gegenseitige Patentrecht-Verletzungen.

Bereits nach der mündlichen Verhandlung Ende August schien Apple auf Kurs, das Verfahren in Düsseldorf für sich zu entscheiden. Das Gericht ließ bei dem Termin die Einstweilige Verfüfung in Kraft. Zudem musste Samsung nach einer weiteren Verfügung aus Düsseldorf auch sein kleineres Tablet Galaxy Tab 7.7 am Wochenende vom Stand auf der Berliner Elektronik-Messe IFA entfernen.

Das Verfahren in Düsseldorf ist Teil eines weltweiten Konflikts von Apple und Samsung, bei dem der deutsche Patentexperte Florian Müller aktuell 19 Klagen in verschiedenen Ländern zählt. Im Visier steht dabei auch das Google-Betriebssystem Android, mit dem die Galaxy-Geräte laufen.

Kommentare (10)

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Thomas

09.09.2011, 11:46 Uhr

Apple weiß warum sie das Landgericht Düsseldorf ausgesucht haben. Hoffentlich gehts zum OLG Düsseldorf und dann zur endgültigen Entscheidung in Alicante, das hoofentlich wie DenHaag gegen Apple entscheidet beim geschamcksmuster.

ratzfratz

09.09.2011, 12:01 Uhr

Traurig und schlimm, wenn deutsche Gerichte über etwas entscheiden müssen, von dem sie absolut null Ahnung haben! Für den Verbraucher und den Markt ein fatales falsches Urteil!

Genausogut könnte Fa. A sich das Desing eines DIN A4 Papierblattes schützen lassen und jeder Hersteller der nicht welliges Papier liefert, muss sein Papier vom Markt nehmen! Traurige deutsche Justiz!

ratzfratz

09.09.2011, 12:01 Uhr

Traurig und schlimm, wenn deutsche Gerichte über etwas entscheiden müssen, von dem sie absolut null Ahnung haben! Für den Verbraucher und den Markt ein fatales falsches Urteil!

Genausogut könnte Fa. A sich das Desing eines DIN A4 Papierblattes schützen lassen und jeder Hersteller der nicht welliges Papier liefert, muss sein Papier vom Markt nehmen! Traurige deutsche Justiz!

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