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10.01.2013

12:15 Uhr

Gerichtsstreit

Samsung flüchtet vor Apple nach Spanien

Die IT-Giganten Apple und Samsung bieten sich einen unerbittlichen Gerichtsstreit wegen ihrer Tablet-Computer. Samsung hat nun in die rechtliche Trickkiste gegriffen und wehrt sich gegen Apple in Alicante.

Samsung und Apple bieten sich unerbittliche Kämpfe vor Gericht. dapd

Samsung und Apple bieten sich unerbittliche Kämpfe vor Gericht.

Für Deutsche bedeutet eine Reise nach Spanien vor allem Sonne. Für Samsung Electronics Co. ist der Ausflug in den Süden eher ein strategischer Zug, um vorerst keine negativen deutschen Gerichtsurteile im Streit mit Apple Inc. über Smartphones und Tablet-Computer zu kassieren. Der südkoreanische Konzern könnte damit durchaus Erfolg haben, meinen Experten.

Schon länger klagt Apple vor dem Landgericht Düsseldorf gegen fünf Samsung Tablet- und zehn Smartphone-Modelle. Der iPad-Hersteller stützt sich dabei auf sogenannte Geschmacksmuster - EU-weit geltende Rechte, die das Design von Produkten schützen. Apple wirft Samsung vor, das Aussehen von iPad und iPhone nachzuahmen.

Samsung hat im Gegenzug beim Markenamt der Europäischen Union im spanischen Alicante beantragt, Apples Geschmacksmuster für nichtig zu erklären. Die sogenannten Verletzungsverfahren vor dem Düsseldorfer Gericht werden ausgesetzt, solange die Nichtigkeitsanträge geprüft werden.

Tablet-Markt: Apple gegen den Rest

iPad

Apple hat mit dem iPad die Nase vorn: 2012 dürfte der Konzern nach Einschätzung des IT-Marktforschungsunternehmens Gartner 73 Millionen Geräte abgesetzt haben – das entspricht einem Marktanteil von gut 61 Prozent. Endgültige Zahlen für das Gesamtjahr liegen allerdings noch nicht vor.

Android

Bei den Smartphones ist Android das mit Abstand am häufigsten installierte Betriebssystem, nicht jedoch bei den Tablets. Die verschiedenen Hersteller verkauften 2012 zusammen voraussichtlich 38 Millionen Geräte, ein Marktanteil von 32 Prozent. Darin ist das Kindle Fire von Amazon, auf dem eine modifizierte Android-Version zum Einsatz kommt, enthalten. Immerhin bedeutet das eine deutliche Steigerung: 2011 verkauften die Android-Hersteller nur 17 Millionen Geräte (29 Prozent Marktanteil).

Windows 8

Windows spielt bei den Tablet-Computern noch keine Rolle, doch das sollte sich mit dem Start von Windows 8 im Herbst 2012 ändern. Das neue Betriebssystem von Microsoft eignet sich auch für die Touch-Steuerung der mobilen Geräte. Gartner geht davon, dass der Software-Konzern und seine Partner 2012 rund fünf Millionen Tablets verkauften – das entspräche 4 Prozent Marktanteil.

Playbook

Blackberry spielt mit seinem Playbook kaum eine Rolle. 2011 verkaufte Hersteller RIM weniger als eine Million Geräte mit dem Betriebssystem QNX, 2012 dürften es 2,6 Millionen gewesen sein (2,2 Prozent). Ob ein Gerät mit dem neuen Betriebssystem Blackberry 10 herauskommt, ist derzeit noch nicht bekannt.

“Selbst wenn die Nichtigkeitsverfahren und dann die wiederaufgenommenen Verletzungsverfahren für Samsung schlecht laufen sollten, wären die angegriffenen Produkte bis zu einem Urteil ohnehin nicht mehr auf dem Markt,” sagt Oliver Ruhl von der Kanzlei Rau, Schneck & Hübner in Nürnberg. Die Ansprüche von Apple würden dann “weitgehend ins Leere gehen”.

Weder Samsung-Sprecherin Rhee So-Eui noch Apple-Sprecher Alan Hely wollten sich zu der Sache äußern.

Die wichtigsten Akteure bei Apple

Tim Cook

Apple-Gründer Steve Jobs holte den Computermanager Tim Cook 1998 zu Apple und vertraute ihm die Führung des operativen Geschäfts an. Der Südstaatler mit der weichen Stimme ordnete die Produktions- und Vertriebskette radikal neu und machte Apple zu einer effizienten Geldmaschine, die Jobs’ kühne Visionen umsetzen kann. Im August 2011 übernahm der heute 51-jährige Cook permanent die Konzernführung. Er setzte eigene Akzente: Apple ist merklich offener in der Kommunikation geworden, auch was die Arbeitsbedingungen bei seinen chinesischen Zulieferern angeht. Ein revolutionäres Produkt wie das iPhone hat er bislang aber nicht vorstellen können.

Jony Ive

Der britische Designer Jonathan „Jony“ Ive stieß schon Anfang der 90er-Jahre zu Apple. Doch erst als Jobs 1997 wieder die Führung übernahm, blühte Ive voll auf. Seine Abteilung bekam größere Räume in einem Hochsicherheitstrakt des Hauptquartiers und die Lizenz zum Experimentieren. Aus Ives Labor stammen Innovationen wie die aktuellen Notebooks aus einem Stück Aluminium sowie das schlichte Design von iPhone, iPad und Mac. Viele Beobachter sehen am ehesten Ive als Jobs-Nachfolger, was die Zukunftsvisionen angeht. In seiner aktuellen Rolle als Verantwortlicher für das Design von Geräten wie auch der Software kommt er dieser Führungsrolle nahe.

Eddy Cue

Der Manager ist „Feuerwehrmann“ für brenzlige Angelegenheiten. Der Chef der iTunes-Plattform musste bereits den schlecht gestarteten Speicherdienst MobileMe retten – und machte die funktionierende iCloud daraus. Er soll auch die misslungenen Apple-Karten fit machen und den oft kritisierten persönlichen Assistenten Siri verbessern. Schon 2011 bekam Cue die Führung des gesamten Bereichs Internet-Software und Dienste übertragen. Damit ist er Chef über den iTunes Store, den App Store und den Büchershop iBooks. Mit dem Online-Speicher iCloud zeichnet er für einen Schlüsselbereich für die Zukunft von Apple verantwortlich.

Phil Schiller

Der „Senior Vice President“ für Marketing übernimmt stets die Präsentation der neuen Geräte – vom iPhone 5 bis zum iPad mini. Alle neuen erfolgreichen Produkte von Apple sind unter Schillers Regie vermarktet worden. Firmenchef Tim Cook tritt bei Produktvorstellungen meist in den Hintergrund und überlässt die Präsentation Schiller.

In der globalen Justizschlacht zwischen Apple und Samsung hat der US-Konzern in Deutschland einen seiner größten Erfolge verbucht: Apple konnte in Düsseldorf ein einstweiliges EU-weites Verkaufsverbot gegen das Samsung-Flaggschiff Galaxy Tab 10.1 erstreiten. Zwar wurde die Verfügung später auf Deutschland begrenzt, erlaubte es Apple aber wieder einmal zu erklären, Samsung kupfere das iPad-Design “sklavisch” ab.

Geschmacksmusterrechte sind eine Form geistigen Eigentums, die im europäischen Recht ähnlich wie Marken geschützt sind. Sie gewähren Rechte am äußeren Erscheinungsbild eines Produktes, wie es sich aus Linien, Konturen, Farbe, Form, Beschaffenheit oder Verzierungen ergibt.

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