Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.02.2013

18:40 Uhr

„Gesamtkonzept richtig“

ARD-Chef verteidigt neue Rundfunkgebühr

Der NDR-Intendant Lutz Marmor hat seit Jahresanfang den Vorsitz der ARD inne. Er muss sich mit mehreren Baustellen im und um den öffentlich-rechtlichen Sender auseinandersetzen. Ein öffentlicher Aufreger ist aktuell die Reform der Rundfunkgebühren.

Der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor. dpa

Der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor.

HamburgDer ARD-Vorsitzende Lutz Marmor hat die stark kritisierte Reform der Rundfunkgebühr verteidigt, aber „in einzelnen Fällen“ Nachbesserungen in Aussicht gestellt. „Überrascht hat uns die Grundsatzdebatte nicht. Das Gesamtkonzept ist richtig“, sagte Marmor am Dienstag in Hamburg. Der NDR-Intendant bot Hilfestellung bei der Auslegung der neuen Richtlinien an: „Bei einer solchen Neuregelung kann es einzelne Fälle geben, wo es Nachbesserungsbedarf gibt.“ Zum Beispiel müssten demente Patienten in Pflegeheimen keine Beitrage zahlen. „Wir können Gesetze aber nicht verändern.“ Die öffentlich-rechtlichen Sender könnten die Vorschrift nur auslegen.

Seit 1. Januar richtet sich der Beitrag nicht mehr nach Zahl und Art der Geräte, sondern wird pro Haushalt fällig. Ein Haushalt zahlt 17,98 Euro im Monat. Firmen, Städte und Gemeinden sollen nach Zahl der Betriebsstätten und Fahrzeuge den Beitrag leisten. Der NDR-Intendant verwies erneut darauf, dass sich für mehr als 90 Prozent der Gebührenzahler nichts ändere. „Wir reden von 59 Cent pro Tag für die gesamte Programmvielfalt. Das kann ich gut vertreten.“

Deutschlands größte TV-Sender

Platz 10

Super RTL - 2,2 Prozent Marktanteil (Stand: 2011)

Quelle: AGF/GfK Fernsehforschung

Platz 9

RTL II - 3,6 Prozent Marktanteil

Platz 8

Kabel Eins - 4 Prozent Marktanteil

Platz 7

Vox - 5,6 Prozent Marktanteil

Platz 6

ProSieben - 6,2 Prozent Marktanteil

Platz 5

Sat. 1 - 10,1 Prozent Marktanteil

Platz 4

ZDF - 12,1 Prozent Marktanteil

Platz 3

ARD - 12,4 Prozent Marktanteil

Platz 2

Dritte Programme - 12,5 Prozent Marktanteil

Platz 1

RTL - 14,1 Prozent Marktanteil

Bei der Tagung der ARD-Intendanten hat eine Diskussion über das Programm nach Angaben des Programmchefs des „Ersten“, Volker Herres, breiten Raum eingenommen. „Wir werden wahrgenommen als Motor für politische Diskussionen. Das wollen wir auch sein“, sagte der Programmdirektor. „Die Stärke der 'Tagesschau' ist die klassische, seriöse Form.“ Herres kündigte an, im Programm noch mehr fiktionale Stoffe mit journalistischer Vertiefung anbieten zu wollen. Zu sehen sein werden Produktionen und Dokumentationen über den Reichstagsbrand vor 80 Jahren und die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Außerdem setzt sich „Das Erste“ in diesem Jahr mit der Demenz-Erkrankung auseinander; der Schauspieler Klaus Maria Brandauer spielt in „Die Auslöschung“ die Rolle eines daran erkrankten Professors.

Kein Verständnis hat der Programmchef dafür, dass die Jury des renommierten Grimme-Preises das „Dschungelcamp“ (RTL) für den Fernsehpreis nominiert hat. Das sei eine bemerkenswerte, aber auch erklärungsbedürftige und für ihn schwer zu ertragende Entscheidung eines angesehenen Instituts gewesen, sagte Herres. „Das ist in der Fernsehkultur eine Zäsur.“

Fortgesetzt wird in der ARD die 2006 eingeführte Themenwoche. Sie wird sich im November dieses Jahres mit dem Thema „Glück“ beschäftigen. Die vergangene Themenwoche zum „Leben mit dem Tod“ erreichte den Angaben zufolge 37 Millionen Zuschauer.

Die ARD-Intendanten gaben grünes Licht für die Einführung einer kostenlosen Das-Erste-App für mobile Endgeräte. Damit könnten die Nutzer auf den mobilen Programmführer sowie Videos und Livestream des Ersten zugreifen.

Wie Marmor berichtete, wird WDR-Intendantin Monika Piel ihren Posten frühestens im Mai abgeben. „Frau Piel hat an dem Treffen teilgenommen und versichert, dass es keinerlei dienstliche Gründe für ihren Rückzug gibt und sie bis mindestens 30.4. dieses Jahres amtieren wird.“ Einzelheiten nannte Marmor nicht. Im Januar hatte Piel überraschend angekündigt, dass sie aus persönlichen Gründen vorzeitig als Intendantin des Westdeutschen Rundfunks aufhört. Sie werde ihre Tätigkeit beenden, sobald die Nachfolge geregelt ist. Die 61-Jährige ist seit 2007 Intendantin des WDR. Der Rundfunkrat hatte sie Ende Mai vergangenen Jahres erneut für sechs Jahre gewählt.

Von

dpa

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Lutz

05.02.2013, 17:56 Uhr

Es ist unglaublich. diese TV-Bonzen haben kein Stück Einsicht!

Dann soll der mal für 4 € im Friseursalon stehen und dann noch jeden Monat 17,85 abdrücken. Die Leute sollen dann halt am Essen sparen. Bei den Kochsendungen kann man dann virtuell mitessen.

In Deutschland erstickt man bald vor lauter Bevormundung und Abgabenlast.

DerRoman

05.02.2013, 18:05 Uhr

Für diese 59 Cent pro Tag bekomme ich aber nichts, was ich nutzen wollen würde.
Soll mir Herr Marmor diese 59 Cent lassen, dafür kaufe ich mir einen halben Liter Milch, von dem ich mehr habe als von einem nicht genutzten Rundfunkprogramm.
Die Hoffnung, daß die ÖR Intendanten dem gesunden Menschenverstand folgen können, habe ich aufgegeben. Ansonsten würde Herr Marmor sagen: "Wenn Sie, Roman, nichts von uns wollen, dann wollen wir auch nichts von Ihnen." Ich glaube, das nennt man im Volksmund auch Freiheit (ein Angebot abzulehnen, ohne dafür zu zahlen).

Hasi

05.02.2013, 19:03 Uhr

Es handelt sich um eine Zwangsgebühr, ähnlich einer Steuer. Auf selbstherrliche Weise werden wir Bürger enteignet und bestohlen.

Die gestohlenen Millionen werden eingesetzt, um uns, das Volk, mit seichten Sendungen zu verdummen. Billigste Propaganda, Staatsfernsehen, Pro-Europa Manipulation, - nein danke!

Aber von den vorherrschenden politischen Parteien ist keine Hilfe zu erwarten, sind sie es doch, die von den Propagandamaßnahmen profitieren.

Da kann man nur hoffen, dass der deutsche Bürger endlich mal die Quittung an der Wahlurne abgibt und andere Parteien wählt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×