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27.03.2014

16:42 Uhr

Geschäftsausblick

United Internet will Umsatz um ein Zehntel steigern

Das Jahr hat für United Internet gut angefangen. Jetzt gilt es, die anfänglichen Verluste in neuen Geschäftsfeldern zu beschränken. Denn der Konzernchef hat ein ehrgeiziges Ziel.

Neue Geschäftsfelder: Auch die verschlüsselten E-Mails unter dem Namen „De-Mail“ erfüllten die Erwartungen nicht ganz. dpa

Neue Geschäftsfelder: Auch die verschlüsselten E-Mails unter dem Namen „De-Mail“ erfüllten die Erwartungen nicht ganz.

FrankfurtUnited Internet will die Anlaufverluste in seinen neuen Geschäftsfeldern im laufenden Jahr drosseln und den operativen Gewinn dadurch kräftig steigern. Die Verluste im Geschäft mit vorgefertigten Internet-Auftritten, dem sicheren E-Mail-Versand oder neuen Internetadressen-Endungen sollen auf 40 Millionen von 108 Millionen Euro im vergangenen Jahr gedrückt werden, wie Vorstandschef Ralph Dommermuth am Donnerstag in Frankfurt sagte.

Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) des Unternehmens aus Montabaur soll dadurch um mehr als ein Viertel auf 520 (2013: 408) Millionen Euro steigen. „Das Jahr ist gut angelaufen. Die Basis ist gelegt“, sagte Vorstand Norbert Lang.

Internet-Milliardär Dommermuth will den Umsatz 2014 erneut um rund zehn Prozent auf dann 2,9 Milliarden Euro steigern. Im vergangenen Jahr lag das Plus bei 10,8 Prozent, der Umsatz erreichte mit 2,66 Milliarden Euro ein Rekordniveau. Um neue Höhen zu erreichen, sollen United Internet aber schon 800.000 neue Verträge für Internet-, Mobilfunk- und Festznetzanschlüsse sowie Dienstleistungen rund um das Internet reichen. 2013 stieg die Zahl der Verträge noch um 1,07 Millionen auf 13,4 Millionen, sie verfehlte damit die Erwartungen aber leicht.

Die neuen Top Level Domains

Die große neue Vielfalt

Bislang hielt die Internet-Verwaltung Icann die Zahl der Endungen für Web-Adressen begrenzt: Neben den Länderkürzeln gab es nur zwei dutzend allgemeine Top Level Domains (TLD). Das ändert sich jetzt, die Organisation lässt hunderte neue Endungen zu.

Ein digitales Zuhause

Firmen wie Google, Audi und Cartier sichern sich ihre eigene Top Level Domain und können mit Adressen wie jobs.google oder uhren.cartier künftig Bewerber oder Luxus-Shopper locken. Diese Endungen sind den Inhabern exklusiv vorbehalten.

Herkunftsbezeichnung hinter dem Punkt

Künftig gibt es neben Länderkürzeln wie .de oder .fr weitere geografische Top Level Domains, in Deutschland etwa .berlin, .bayern und .ruhr. In der Regel dürfen nur Nutzer oder Unternehmen aus diesen Regionen eine Adresse registrieren.

Umkämpfte Apps, beliebte Pizza

Den Großteil der Bewerbungen machen allgemeine Begriffe aus, sogenannte generische Top Level Domains. Für viele Endungen gingen mehrere Bewerbungen ein. Besonders umkämpft sind zum Beispiel .app, .pizza, .restaurant, und .gmbh. Können sich die Bewerber nicht auf ein gemeinsames Verfahren einigen, muss die Icann entscheiden.

Virtuelle Aids-Schleife

Die Domain-Endung .hiv hat einen gemeinnützigen Hintergrund: Der Verein dotHIV hat sich darum beworben, um auf den Kampfgegen das Aids-Virus aufmerksam zu machen. Unternehmen können die Aktion unterstützen, indem sie – neben ihrer regulären Web-Adresse – auch die Endung .hiv nutzen und die Gebühr als Spende zur Verfügung stellen. Es handelt sich also um eine Art virtuelle rote Schleife.

Von ADAC bis Volkswagen

Auch drei dutzend deutsche Unternehmen und Organisationen wollen eine eigene Domain –vom ADAC bis Volkswagen. Neben einigen Konzernen ergreifen mehrere kleine Dienstleister die Chance, etwa die Firma Dotversicherung, die die Endung .versicherung vermarktet.

Arabisch, Kyrillisch, Chinesisch

Die neuen Endungen sind nicht auf das lateinische Alphabet beschränkt: Etliche neue Top Level Domains bestehen aus chinesisches oder arabisches Schriftzeichen. Damit wird das Internet auch hinter dem Punkt so vielfältig wie die Welt.

Grund dafür war unter anderem, dass der rasant gestartete Verkauf von Internet-Seiten zum Selberbauen im zweiten Halbjahr lahmte. Statt 60.000 Kunden konnten sich nur noch 20.000 dafür begeistern. „Wir haben gemerkt, dass unsere Wettbewerber in dieses Segment vordringen, mit sehr aggressiven Preisen“, sagte Dommermuth.

Das Werbebudget sei daher auf die Reservierung neuer Adressendungen fürs Internet wie „.bayern“, „.sport“ oder „.shop“ umgeleitet worden, die nun erlaubt sind. 5,9 Millionen Vorreservierungen seien eingegangen. Auch die verschlüsselten E-Mails unter dem Namen „De-Mail“ erfüllten die Erwartungen nicht ganz. Um das Geschäft anzukurbeln, will United Internet sie an Privatkunden von web.de oder GMX verschenken. Weitere Produktneuheiten seien in diesem Jahr nicht geplant, sagte Dommermuth. „Ich sehe keine neuen Trends“, sagte er.

Die United-Internet-Aktie sprang am Donnerstag um mehr als fünf Prozent auf 33,90 Euro. Das lag vor allem an der überraschend um zehn auf 40 Cent je Aktie erhöhten Dividende. Mit dem Ergebnis, das im neuen Jahr auf 1,40 bis 1,50 (2013: 1,07) Euro je Aktie wachsen soll, werde auch die Dividende steigen, „es sei denn, wir müssten das Geld für eine Akquisition zusammenhalten“, sagte Dommermuth. Er ist als Großaktionär (42 Prozent) einer der größten Nutznießer davon.

Von

rtr

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