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25.07.2015

15:51 Uhr

Geschäftsmodell aus China

Mit 1000 Dollar zur eigenen Smartphone-Marke

Mit Hilfe chinesischer Firmen können sich Kunden auf der ganzen Welt ihre eigene Smartphone-Marke leisten. Dank standardisierter Produktion kriegt man die für nur 1000 Dollar. Ein Problem für die großen Hersteller.

Lei Jun, Gründer und CEO des Smartphone-Herstellers Xiaomi, hat sein Unternehmen mittlerweile zum drittgrößten Anbieter der Welt gemacht. Reuters

Smartphone-Hersteller Xiaomi

Lei Jun, Gründer und CEO des Smartphone-Herstellers Xiaomi, hat sein Unternehmen mittlerweile zum drittgrößten Anbieter der Welt gemacht.

PekingMit Hilfe von Shenzhen Zuoer Technology aus China können Kunden aus der ganzen Welt ihre eigenen Smartphone-Marken entwickeln. Wie bei der Bestellung einer Pizza ist aus vielen Optionen auswählbar, was gewünscht wird. Kunden haben so die Möglichkeit, für weniger als 1000 Dollar (umgerechnet rund 900 Euro) in das Geschäft mit Mobiltelefonen einzusteigen. Erfahrung muss dabei niemand mitbringen.

Zuoer gehört zu den Dutzenden wenig bekannten chinesischen Unternehmen, die sich aus einem Katalog an Standardkomponenten bedienen, um Smartphones für 20 Dollar (18 Euro) pro Stück zu bauen. Bei einer Mindestbestellung von 50 Geräten entwickelt Zuoer ein eigenes Plastikgehäuse – und füllt das Innenleben im Anschluss mit LCD-Bildschirmen, Batterien und anderen Bauteilen von externen Herstellern. In weniger als sechs Wochen können es Kunden mit Samsung und ähnlich namhaften Handy-Anbietern aufnehmen.

Smartphone-Markt im Wandel

Samsung weniger dominant

Samsung ist der mit Abstand größte Hersteller von Smartphones, doch die Dominanz bröckelt. Im dritten Quartal 2014 verkaufte der südkoreanische Konzern 78,1 Millionen Smartphones und damit deutlich weniger als ein Jahr zuvor, als er 85 Millionen Geräte absetzte. Der Marktanteil sank von 32,5 auf 23,8 Prozent, wie der Marktforscher IDC ermittelt hat. Wegen niedrigerer Verkaufspreise sinkt auch der Profit.

Apple setzt auf Premium

Apple hält seinen Marktanteil mit 12 Prozent weitgehend stabil. Der Absatz stieg deutlich auf 39,3 Millionen Geräte, wozu die neuen Modelle iPhone 6 und iPhone 6 Plus einen deutlichen Beitrag leisteten. Weil der Konzern Premiumpreise verlangt, arbeitet er mit Margen, um die ihn die Konkurrenten beneidenk.

Xiaomi holt rasant auf

Im Westen ist Xiaomi kaum bekannt, doch in China ist der Smartphone-Hersteller äußerst populär. Dank dreistelliger Wachstumsraten ist das Unternehmen nun mit einem Marktanteil von 5,3 Prozent drittgrößer Hersteller. Im dritten Quartal verkaufte er 17,3 Millionen Handys, wozu vor allem das Highend-Gerät Mi4 beitrug. Die spannende Frage: Kann Xiaomi auch im Westen Fuß fassen?

Lenovo wächst mit Motorola

Lenovo hat sich als PC-Hersteller einen Namen gemacht, drängt aber auch in den wachsenden Smartphone-Markt. Im dritten Quartal 2014 verkaufte der Konzern 16,9 Millionen Geräte, vor allem in Asien, dem Nahen Osten und Afrika. Der Marktanteil betrug 5,2 Prozent. Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern weiter wachsen.

LG legt deutlich zu

Der koreanische Hersteller LG verkauft viele günstige Geräte, ist mit dem G3 aber auch im Premiumsegment vertreten. Im dritten Quartal verkaufte er laut IDC 16,8 Millionen Geräte und sicherte sich damit 5,1 Prozent des Smartphone-Marktes. Das Resultat: LG konnte zuletzt auch den Gewinn deutlich steigern.

Große Namen, kleiner Marktanteil

Jenseits der Top 5 finden sich viele bekannte Namen: Sony und Blackberry etwa, aber auch Microsoft als Käufer der Nokia-Gerätesparte. Auch der chinesische Hersteller Huawei zählt dazu. 48,6 Prozent des Marktes fallen in diese Sammelkategorie, die IDC nicht weiter aufschlüsselt.

„Das Aufkeimen von Smartphone-Verkäufern aus dem unteren Preissegment nagt am Marktanteil von Samsung“, sagt John Butler, der für Bloomberg Intelligence den Markt beobachtet. „Diese neuen Marktteilnehmer sind zwar ziemlich klein im Vergleich zu einem Riesen wie Samsung. Aber insgesamt belasten sie die Bilanzzahlen von Samsung und anderen großen Herstellern.“

Dank des freien Handy-Betriebssystems Android von Google und standardisierten Chips ist es Unternehmen wie Zuoer, Shenzhen Oysin Digital Technology und Oteda Industrial möglich, Mobiltelefone ohne die Legionen an Software- und Hardware-Spezialisten zusammenzusetzen, auf die sich Nokia, Motorola und Blackberry noch vor einem Jahrzehnt verlassen mussten.

Die einst von Apple auf dem Massenmarkt eingeführte Touchscreen-Technologie erlaubt es den kleinen chinesischen Firmen zudem, die oftmals komplizierte und teure Entwicklung physischer Tastaturen zu meiden.

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