Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.08.2015

12:55 Uhr

Gewinneinbruch bei Lenovo

Chinesischer PC-Bauer streicht tausende Stellen

Der milliardenschwere Übernahme von Motorola macht dem Computerhersteller Lenovo zu schaffen. Der Gewinn bricht um mehr als 50 Prozent ein. Das chinesische Unternehmen will jetzt tausende Jobs streichen.

Schlechte Zeiten für Lenovo. Reuters

Lenovo

Schlechte Zeiten für Lenovo.

PekingDie fast drei Milliarden Dollar schwere Übernahme von Motorola entpuppt sich für den weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo als Klotz am Bein. Ein Verlust in der Smartphone-Sparte brockte Lenovo im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch um die Hälfte auf 105 Millionen Dollar ein. Die Chinesen kündigten am Donnerstag an, 3200 Angestellte zu entlassen. Weltweit arbeiten für das Unternehmen, zu dem in Deutschland der Aldi-Lieferant Medion gehört, mehr als 60.000 Menschen. Durch die Stellenstreichungen und weitere Schritte will Lenovo 1,35 Milliarden Dollar einsparen.

Angesichts der anhaltenden Probleme bei den Smartphone-Verkäufen gab Lenovo-Chef Yang Yuanqing zu, dass sich die Firma im „härtesten Marktumfeld der jüngsten Zeit“ befinde. Trotzdem will er nicht auf das Smartphone-Geschäft verzichten, das von Apple und Samsung mit den iPhone- und Galaxy-Modellen dominiert wird. „Außer Apple und Samsung gibt es keinen dritten globalen Akteur. Ich glaube daran, dass dies Lenovo sein wird“, versicherte Yang. „Ich denke weiterhin, dass dieser Kauf die richtige Entscheidung war.“

30 Jahre Lenovo

1984: Gründung

Eine Gruppe von elf chinesischen Wissenschaftlern gründet die Firma unter dem Namen Legend. Die Chinesische Akademie der Wissenschaften hilft mit einem Darlehen und Räumen. Anfangs verkauft die Firma die Geräte anderer Hersteller, 1990 baute sie eine eigene Fertigung auf.

1994: Börsengang in Hongkong

Im Februar 1994 geht Lenovo in Honkong zu einem Preis von 1,33 Hongkong-Dollar pro Aktie an die Börse, Börsenkürzel: LNVGY.

2003: Namensänderung

1997 ist Legend der größte PC-Hersteller in China. Doch das Unternehmen will international expandieren. Da der Name Legend in einigen Märkten bereits besetzt ist, benennt es sich um in Lenovo. Darin steckt noch etwas vom alten Namen, es deutet aber auch auf das Neue.

2004: Kauf der PC-Sparte von IBM

Das Thinkpad ist der Favorit der Manager, dennoch will sich IBM von seiner PC-Sparte mit dem legendären Laptop trennen. Lenovo übernimmt das Geschäft für 1,75 Milliarden Dollar.

2011: Übernahme von Medion

Auch in Deutschland suchte sich Lenovo Verstärkung: Der Konzern übernahm den Elektronikhersteller Medion, der sich vor allem durch den Verkauf beim Discounter einen Namen gemacht hat. Kaufpreis: 630 Millionen Euro.

2014: Übernahme von Motorola

Lenovo stellt bereits unter eigenem Namen Smartphone und Tablets her, mit Motorola kauft der Konzern einen Hersteller hinzu, der auch im Westen einen bekannten Namen hat – wenn auch nicht mehr viel Marktanteil. Zusammen sind sie drittgrößter Smartphone-Hersteller der Welt.

2014: Kauf der Serversparte von IBM

Und wieder übernimmt Lenovo ein schwieriges Geschäft von IBM: Das chinesische Unternehmen kauft die Serversparte. Die Mainframes behält IBM aber.

Lenovo hatte Motorola im vergangenen Jahr von Google übernommen. Im abgelaufenen Quartal waren die Auslieferungen um 31 Prozent auf 5,9 Millionen Smartphones eingebrochen. Die Sparte verbuchte einen Verlust von 300 Millionen Dollar. Im Gegensatz zu Lenovo kämpfen Apple und die heimischen Wettbewerber Xiaomi und Huawei mit deutlich weniger Problemen.

Auch im PC-Bereich gibt es Gegenwind. Die Gesamtumsätze von Lenovo stiegen im zweiten Quartal zwar um drei Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar, blieben damit aber hinter den Erwartungen von Analysten zurück. Die jüngste Yuan-Abwertung spielt laut Finanzchef Wong Waiming für Lenovo bisher keine große Rolle und spiegelt sich bei den Kreditkosten kaum wider. Lenovo nutzt für seine Geschäfte mehr den Dollar als die chinesische Landeswährung.

Lenovo-Aktien gingen mit einem Minus von rund neun Prozent aus dem Handel und damit so niedrig wie seit Februar 2014 nicht.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×