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01.09.2011

14:05 Uhr

G+J-Chef Bernd Buchholz

„Google ist Freund und Feind gleichermaßen“

VonHans-Peter Siebenhaar, Gabor Steingart

Die Geschäfte bei Europas größtem Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr laufen gut. Mit dem Handelsblatt sprach Vorstandschef Bernd Buchholz über das Auslandsgeschäft und über die Konkurrenten Facebook und Google.

G+J-Chef Buchholz: "Die Krise hat die gesamte deutschen Wirtschaftspresse nachhaltig getroffen." PR

G+J-Chef Buchholz: "Die Krise hat die gesamte deutschen Wirtschaftspresse nachhaltig getroffen."

Handelsblatt: Herr Buchholz, wenn man die stürmische Entwicklung von Google, Facebook & Co. beobachtet, stellt sich die Frage: Was machen die deutschen Verlage im Internet falsch? Der Jahresgewinn von Google übersteigt die Erträge der hiesigen Medienindustrie.

Bernd Buchholz: Das ist beeindruckend, aber es wäre falsch, dahinter immer einen großen Masterplan zu vermuten. Hier hat sich eine Industrie entwickelt, die auch aus Zufällen entstanden ist. Facebook ist ja nicht aufgrund einer Idee entstanden nach dem Motto: Lasst uns mal das weltgrößte soziale Netzwerk bauen. Es war vielmehr die Idee einiger Menschen...

...vorneweg Mark Zuckerberg und seine ältere Schwester Randy ...

...die sich innerhalb der Uni besser organisieren wollten. Aus dieser studentischen Plattform ist dann am Ende ein Unternehmen entstanden, das über gigantische Nutzerzahlen verfügt, dessen langfristiges Geschäftsmodell aber durchaus hinterfragt werden kann.

Dennoch: Warum entstehen solche Ideen nicht in Großunternehmen?

Weil Konzernstrukturen dafür meist zu starr sind und man Innovation leider nicht auf Knopfdruck erzeugen kann. Auch Apple hat nicht Google erfunden. Und Google nicht Facebook.

Warum hat es bei Gruner + Jahr nie richtig geklappt, innovative Onlinefirmen wenigstens zu kaufen, um davon zu profitieren?
Stimmt, auch wir haben Dinge ausprobiert und uns schlussendlich gegen Venturing entschieden. Ich bin an dieser Stelle konservativ: Wir konzentrieren uns mit Blick in die Zukunft auf unsere ureigenen Kernkompetenzen und nicht auf irgendwelche Versuche, unser Geschäft nach dem Motto "Hauptsache digital" durch Zukäufe auszuweiten..

Wie würden Sie die Kernkompetenzen ihres Hauses definieren?

Wir können Inhalte produzieren und diese Inhalte vertreiben und vermarkten. Auch im Internetzeitalter wollen wir mit unserer journalistischen Kernkompetenz Geld verdienen, selbst wenn das nicht immer ganz leicht ist. Wir wollen aber nicht wie Facebook die zwischenmenschliche Kommunikation organisieren. Ebenso wollen wir kein Suchmaschinenanbieter wie Google sein.

Fürchten Sie Google als Konkurrent? Schließlich streckt der Suchmaschinenbetreiber seine Finger nach Inhalten aus?

Google beobachtet mit großem Interesse die gesamte mediale Wertschöpfungskette und an manchen Stellen fräst sich das Technologieunternehmen schon in sie hinein. Ein werbefinanzierter Informationsservice wie Google News ist dafür ein Beispiel.

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