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26.03.2013

17:10 Uhr

Gläubiger einverstanden

Übernahme der „Frankfurter Rundschau“ genehmigt

Die Gläubiger des Traditionsblattes haben den Verkauf der „Frankfurter Rundschau“ abschließend genehmigt. Für die frühere Druckerei der Zeitung sieht es indes schlecht aus. Doch der Insolvenzverwalter sieht noch Chancen.

Ausgaben der "Frankfurter Rundschau" (FR) und der "Frankfurter Allgemeinen" (FAZ). dpa

Ausgaben der "Frankfurter Rundschau" (FR) und der "Frankfurter Allgemeinen" (FAZ).

FrankfurtDie Übernahme der insolventen „Frankfurter Rundschau“ ist jetzt auch nach dem Insolvenzrecht in trockenen Tüchern. Die Gläubiger des Traditionsblattes genehmigten am Dienstag abschließend den Verkauf der Zeitung. Von den rund 1200 eingeladenen Gläubigern - darunter Mitarbeitern, Leasingfirmen und Lieferanten - waren allerdings nur etwa 20 nach Frankfurt gekommen.

„Das zeigt uns, dass die Informationspolitik gut funktioniert hat und es nur wenige ausstehende Fragen gibt“, sagte Insolvenzverwalter Frank Schmitt, der von den Gläubigern im Amt bestätigt wurde. Er ist somit auch für die Abwicklung des noch verbleibenden „FR“-Besitzes zuständig.

Die Zeitungskrise

Deutschland, Zeitungsland

Trotz aller Hiobsbotschaften aus der Medienbranche ist Deutschland immer noch ein Zeitungsland: Nach aktuellen Angaben des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt es hier 315 lokale und regionale Abonnementzeitungen, 10 überregionale Blätter sowie 8 Straßenverkaufszeitungen, vor allem die „Bild“.

Die Auflagen sinken

Doch die meisten Blätter verlieren von Jahr zu Jahr an Auflage. Im zweiten Quartal 2013 wurden pro Erscheinungstag 20,64 Millionen Tageszeitungen verkauft, wie aus einer Erhebung der IVW hervorgeht. Das sind rund 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darin sind rund 0,38 Millionen E-Paper-Ausgaben enthalten. Bei den Wochenzeitungen zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Die verkaufte Auflage sank um rund 20.000 auf 1,73 Millionen Exemplare.

Der Werbemarkt schwächelt

Die sinkende Auflage trifft die Zeitungen gleich doppelt: Zum einen sinken die Vertriebserlöse, wenn die Verlage den Verkaufspreis nicht anheben (was in den letzten Jahren aber viele getan haben). Zum anderen verdienen sie weniger mit den Anzeigen – deren Preis richtet sich nach der Reichweite. Während der Gesamtwerbemarkt 2012 um 0,9 Prozent schrumpfte, verzeichneten die Zeitungen einen Umsatzrückgang von 9,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Fürs laufende Jahr erwartet der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft, dass die Verlage maximal eine schwarze Null erreichen.

Rubrikenmärkte wandern ins Netz ab

Mit Kleinanzeigen, Stellenausschreibungen und Autoanzeigen haben die Verlage jahrzehntelang gutes Geld verdient. Doch die Rubrikenmärkte sind weitgehend ins Internet abgewandert – viele der Portale gehören nicht Verlagen, sondern anderen Akteuren. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen. Im Online-Geschäft sehr aktiv ist beispielsweise der Axel-Springer-Verlag, ihm gehören das Immobilienportal Immonet und das Stellenportal Stepstone.

Digitale Produkte gleichen Minus nicht aus

Die große Hoffnung auf den Verkauf digitaler Ausgaben hat sich bislang nicht erfüllt. Zwar verkaufen sich E-Paper immer besser, im zweiten Quartal 2013 waren es rund 380.000 Exemplare. Doch das ist zu wenig, um den Rückgang der Printauflage aufzufangen. Die Reichweite der Web-Portale steigt zwar, doch die Werbeeinnahmen gleichen das Umsatzminus nicht aus. Viele Verlage hoffen, mit Bezahlmodellen im Netz mehr Geld zu erwirtschaften.

Hoffnung auf die große Reichweite

„Gedruckt, online und mobil erreichen die Zeitungen aktuell ein Publikum, das so groß ist wie nie zuvor“, erklärt der BDZV. Auf diese Reichweite hoffen die Verleger. Als Chancen nennt der Verband das Digitalgeschäft, aber auch neue Geschäftsfelder wie Aus- und Weiterbildung oder Veranstaltungsmanagement. Allerdings haben viele Verlage mit diversen Sparrunden das Personal stark ausgedünnt – das erschwert die Umsetzung neuer Ideen.

Bezahlinhalte als Ausweg?

Immer mehr Verlage hoffen, mit Bezahlinhalten den Umsatz steigern zu können. Beim „metered model“, das etwa die „Welt“ verwendet, dürfen die Leser nur eine bestimmte Zahl an Artikeln kostenlos lesen – danach müssen sie ein Abo abschließen. Und die „Bild“ stellt nur einen Teil der Artikel kostenlos ins Netz, andere Beiträge bekommen nur zahlende Kunden zu sehen.

Die „FR“ war nach millionenschweren Verlusten von der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ GmbH („FAZ“) und der Frankfurter Societät GmbH übernommen worden. Nach der Insolvenz waren allerdings nur 28 der einst rund 450 „FR“-Mitarbeiter von den neuen Besitzern übernommen worden. Sie sollen die Zeitung unter dem Dach der neu gegründeten „Frankfurter Rundschau“ GmbH als unabhängige und linksliberale Zeitung weiterführen.

Neue „FR“-Gesellschafter sind neben der Frankfurter Societät mit 55 Prozent der Anteile auch der „FAZ“-Verlag (35 Prozent) sowie mit 10 Prozent die Karl Gerold Stiftung.

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Die Zukunft der Zeitung ist gesichert.

Für die ebenfalls vom Aus bedrohte frühere Druckerei der „FR“ sieht Insolvenzverwalter Schmitt trotz der Zeitungspleite noch Chancen. „Wir sammeln alles, was wir an kreativen Möglichkeiten bekommen könne“, sagte er auf Anfrage. „Und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die Druckerei an einen oder mehrere neue Besitzer übergeben zu können.“ Möglich sei es in diesem Fall auch, dass einige einstige Mitarbeiter übernommen würden.

Von

dpa

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