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02.09.2016

09:54 Uhr

Global Fashion Group belastet

Rocket Internet macht 617 Millionen Euro Verlust

Sondereffekte haben Rocket Internet im ersten Halbjahr einen Fehlbetrag von mehr als 600 Millionen Euro eingebracht. Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch Abwertungen bei einem Unternehmen.

Die Global Fashion Group hat 383 Millionen Euro Verluste zu Rocket Internets Ergebnis im ersten Halbjahr beigetragen. dpa

Rocket Internet

Die Global Fashion Group hat 383 Millionen Euro Verluste zu Rocket Internets Ergebnis im ersten Halbjahr beigetragen.

BerlinDie Start-up-Schmiede Rocket Internet hat im ersten Halbjahr belastet von Sondereffekten einen Verlust verbucht. Der Fehlbetrag habe 617 Millionen Euro betragen, teilte das Berliner Unternehmen am späten Donnerstagabend mit. „Es ist wichtig zu verstehen, dass der Verlust im wesentlichen auf Sondereffekte zurückgeht“, sagte Finanzchef Peter Kimpel am Freitag in einer Telefonkonferenz.

An der Börse beruhigte diese Erklärung kaum: Zum Handelsstart brach der Kurs der Aktie zeitweise um mehr als 11 Prozent ein.

Das Ergebnis sei insbesondere durch Abwertungen bei der Global Fashion Group („GFG“) gemindert worden. Die bereits im April 2016 bekanntgegebene Finanzierungsrunde resultierte in Abschreibungen auf Firmenwerte und immaterielle Vermögenswerte von Tochterunternehmen der GFG. Insgesamt habe GFG 383 Millionen Euro Verluste zu Rocket Internets Ergebnis im ersten Halbjahr beigetragen. Das Ergebnis wurde zudem durch weitere Sondereffekte wie Wertminderungen beeinflusst.

Rocket Internet: Oliver Samwer und seine Börsenbabys

Rocket Internet

Oliver Samwer und seine Börsenbabys

Auf der Hauptversammlung von Rocket Internet erklärt Oliver Samwer den Aktionären die Start-up-Welt. Von ihm lernen die Anleger, dass Scheitern zum Erfolg gehört – und dass man nur nachts an Aktienkurse denken sollte.

Aufgrund von Entkonsolidierung von Tochtergesellschaften verringerte sich der konsolidierte Umsatz auf 29 Millionen Euro von 71 Millionen Euro im gleichen Vorjahreszeitraum. Rocket ist unter anderem an dem Kochbox-Anbieter Hello Fresh, dem Essenslieferdienst Delivery Hero und dem Möbelhändler Westwing und Home24 beteiligt.

Rockets Geschäft - das Gründen von Start-ups nach dem Fließbandprinzip - verschlingt viel Geld. Anleger waren zuletzt verunsichert, ob es dem Konzern gelingen wird, dies über Verkäufe und Börsengänge jemals wieder einzuspielen.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Für die kommenden Monate zeigte sich das Unternehmen optimistisch. „Ungeachtet dieser Sondereffekte hält Rocket Internet weiterhin an den ausgegebenen Zielen fest“, sagt Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer. „Nach wie vor erwarten wir, dass bis Ende 2017 mindestens drei unserer Beteiligungen profitabel sein werden, und die aggregierten operativen Verluste unserer wesentlichen Beteiligungen 2015 den Höchstpunkt hatten.“

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