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18.04.2013

14:48 Uhr

Globale Produktion

Warum es kein faires Handy gibt

VonChristof Kerkmann

Klebt Blut an unseren Handys? In Elektrogeräten stecken Rohstoffe, die unter zweifelhaften Bedingungen gewonnen werden. Die Industrie erklärt, die Herkunft nicht prüfen zu können. Ein Projekt will zeigen, dass es geht.

Minenarbeiter im Kongo: Die in Handys verwendeten Rohstoffe werden oft unter zweifelhaften Bedingungen abgebaut. Fairphone

Minenarbeiter im Kongo: Die in Handys verwendeten Rohstoffe werden oft unter zweifelhaften Bedingungen abgebaut.

DüsseldorfFür viele ist es ein besonderer Moment, wenn sie ihr neues Smartphone auspacken – die Schachtel erinnert nicht selten an ein Schmuckkästchen. Woran die wenigsten Nutzer dabei denken: Das Produkt ist wahrscheinlich unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen montiert worden. Und womöglich hat ein afrikanischer Warlord mit dem Verkauf der verbauten Rohstoffe seinen blutigen Kampf finanziert.

Bei Kaffee, Bananen und T-Shirts haben Verbraucher eine Wahl – sie können Produkte kaufen, die „fair“ entstanden sind, also den Herstellern menschenwürdige Arbeitsbedingungen und ein ordentliches Auskommen ermöglichen sollen. Bei Mobiltelefonen sieht das bislang jedoch anders aus. Bas van Abel will das ändern: Der Niederländer hat ein Startup gegründet, dass möglichst faire Handys bauen will. „Bei uns steht das Soziale im Mittelpunkt“, betont er gegenüber Handelsblatt Online. Der Firmenname ist Programm: Fairphone.

Der wichtigste Grund für das schmutzige Geheimnis der Hersteller liegt in der Komplexität des Produktes. In Smartphones stecken bis zu 30 verschiedene Metalle, von Gold über Platin bis Zinn. Ein beträchtlicher Teil der Materialien stammt aus Afrika. „Die Rohstoffe werden oft unter problematischen Bedingungen gewonnen“, sagt Johanna Kusch vom Verein Germanwatch, der sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzt.

Alles rund ums Fairphone

Der Organisator

Hinter dem fairen Smartphone steht das gleichnamige Startup, das der Niederländer Bas van Abel gegründet hat. Der Firmengründung Anfang 2013 ging ein zweieinhalbjähriges Projekt voraus.

Die Idee

Bas van Abel will ein Smartphone herstellen, dessen Materialien unter fairen Umständen gefördert werden – und die Einzelteile sollen unter fairen Bedingungen zusammengebaut werden. Zudem setzt er auf volle Transparenz: Käufer und Verbraucherschützer können so genau nachvollziehen, woher welche Materialien stammen und wer im Auftrag des Startups arbeitet.

Das Produkt

Herausgekommen ist ein Mittelklasse-Smartphone für 325 Euro. Als Betriebssystem ist Android installiert, allerdings sollen Nutzer auch Alternativen wie Firefox OS aufspielen können. Eine Besonderheit: Nutzer können zwei SIM-Karten einstecken.

Die Produktion

Fairphone hat zunächst 25.000 Geräte herstellen lassen. Dafür beauftragte das Startup eine Fabrik in China. Ein beträchtlicher Teil der verwendeten Rohstoffe soll unter fairen Arbeitsbedingungen gewonnen werden. Zu 100 Prozent fair ist das Gerät allerdings nicht, wie die Macher selbst zugeben.

Die Rohstoffe

In einem Handy stecken rund 30 Metalle – ein beträchtlicher Teil stammt aus fragwürdigen Quellen, etwa Bürgerkriegsregionen im Kongo. Die Fairphone-Macher wollen dafür vertrauenswürdige Lieferanten suchen. Nicht für alle Metalle ist das gelungen, die Macher arbeiten aber an weiteren Kooperationen.

Der Vertrieb

2013 startete Fairphone einen Vorverkauf, im Winter begann die Auslieferung der ersten Serie. Nun sammelt das Unternehmen wieder Bestellungen für die nächste Produktion.

So müssten Kinder in den Minen schuften, auf den Schutz der Arbeiter werde wenig Wert gelegt, und in Bürgerkriegsregionen finanzierten nicht selten Warlord ihre Waffen mit dem Verkauf der wertvollen Erze. Die Dokumentation „Blood in the Mobile“ aus dem Jahr 2010 zeigt das am Beispiel des Kongo eindringlich (Filmausschnitte bei Arte).

Auch in den Fabriken – ein Großteil in Asien – sind die Arbeitsbedingungen fragwürdig: „Die Arbeiter verdienen wenig, stehen unter hohem Druck und müssen viele Überstunden machen“, sagt Kusch, die im Rahmen des europäischen Projekts Make IT Fair im Austausch mit Menschenrechtsvereinen in Asien steht. Die Selbstmorde beim Auftragsfertiger Foxconn, der auch für Apple produziert, zeugen davon. Auch um Sicherheit und Gesundheitsschutz ist es oft nicht gut bestellt. In den letzten Jahren habe es zwar Verbesserungen gegeben, weiß Kusch. Aber: „Die typischen Probleme bestehen weiter.“

Fairphone-Gründer: „Mit sieben Leuten das System ändern“

Fairphone-Gründer

„Mit sieben Leuten das System ändern“

Bas van Abel will die Elektronikbranche umkrempeln: Er hat ein Startup gegründet, das Handys unter fairen Bedingungen herstellen soll. Damit will er Samsung, Apple und Co ein Vorbild sein, wie er im Interview erklärt.

Fairphone will Apple, Samsung und Co demonstrieren, dass es auch anders geht. „Die einzige Möglichkeit, das System zu verändern, besteht darin, ein Teil davon zu werden“, sagt van Abel. „Wir nutzen den Profit, um ökonomisch nachhaltig zu sein und einen Systemwandel zu ermöglichen.“

Ein kühnes Vorhaben.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

18.04.2013, 14:40 Uhr

Gäähn, irgendwas ist immer unfair im Leben.

Ich find's z.B. extrem unfair, dass ich keine Beamtenpension bekomme. Wer gründet eine Initiative für mich???

rrsolutions

18.04.2013, 15:01 Uhr

Ich verstehe nicht, dass bei Preisen über 500 Euro für ein Smartphone, die Leute nicht anständig bezahlt werden können, genauso wie ich nicht verstehe das bei diesen Preisen der Elektroschrott nicht in ein vernünftiges Recyling gegeben werden kann anstatt nach Ghana verschifft zu werden

observer

18.04.2013, 15:39 Uhr

hmm, in einer Gesellschaft, wo der Staat es uns mit den Bankstern vormacht, dass man am besten durchkommt, wenn man sich als "Beschaffungskrimineller" betätigt, klingt so etwas wie FAIRER HANDEL wie Hohn.

Unser gesamtes Gesellscjhaftssystem rutscht deutlich in Richtung auf Werteverfall und besonders die angeblichen GUTMESCHEN sind oft die besonders schlimmen Übeltäter.

++++++ (short News) schreibt dazu ++++++

Neue Studie offenbart schockierende neue Informationen über Mutter Teresa
Der Mythos über die Selbstlosigkeit und Großzügigkeit von Mutter Teresa wird in einer neuen Studie massiv in Frage gestellt. Die kanadischen Forscher Serge Larivee, Genevieve Chenard und Carole Senechal behaupten, dass das Image der berühmten katholischen Heiligen künstlich konstruiert wurde.

Wissenschaftler haben im Rahmen der Studie 502 Dokumente analysiert. Mutter Teresa hat zu ihrer Lebenszeit weltweit 517 Missionen für Kranke und Arme eröffnet. Doch in den Einrichtungen herrschten den Forschern zufolge furchtbare Zustände und Menschen bekamen keine ärztliche oder finanzielle Unterstützung.

Stattdessen verließ sich Mutter Teresa auf die Macht des Gebets. Als es jedoch um ihre eigene Gesundheit ging, ließ sie sich in einem US-amerikanischen Krankenhaus behandeln.

++++++++++++++++++++++++

Aber vllt. ist es jetzt ja alles mal ganz anders


Sie soll dubiose politische Kontakte unterhalten und für ihre Stiftung gespendetes Geld auf geheimen Konten aufbewahrt haben.

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