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07.10.2014

08:37 Uhr

Goodgame Studios vs. Zalando

Es geht auch ohne Börsengang

VonChristof Kerkmann

ExklusivInternetfirmen wie Rocket Internet und Zalando sammeln an der Börse Geld für die Expansion. Doch es geht auch ohne: Der Hamburger Spielehersteller Goodgame Studios wächst rasant – und zwar aus eigener Kraft.

Kai und Christian Wawrzinek wollen Goodgame Studios zu einem der größten Spielehersteller machen. Goodgame Studios

Kai und Christian Wawrzinek wollen Goodgame Studios zu einem der größten Spielehersteller machen.

DüsseldorfRocket Internet und Zalando haben in der vergangenen Woche an der Börse viel Kapital eingesammelt, um ihr aggressives Wachstum zu finanzieren – die von den Samwer-Brüdern aufgebauten Unternehmen verdienen selbst bislang nur sporadisch Geld. Sie folgen dem Credo des Silicon Valley: erst groß werden, dann profitabel.

Doch es gibt Start-ups, die das gleichzeitig tun: profitabel werden und wachsen. Zum Beispiel Goodgame Studios. Der Hamburger Spieleentwickler erlöste im ersten Halbjahr 98 Millionen Euro und damit fast so viel wie im gesamten Vorjahr. Anfang Oktober begann der 1000. Mitarbeiter, weitere 240 Stellen sind derzeit ausgeschrieben (wenn auch oft zu unterdurchschnittlichen Gehältern, wie man in der Branche hört). Trotz der rasanten Expansion macht die Firma Gewinn. So verwundert es nicht, dass auch Selbstbewusstsein zugelegt hat: In wenigen Jahren will die Firma zu den ganz Großen der Branche aufschließen. Ein mutiger, aber auch riskanter Plan.

Die Brüder Kai und Christian Wawrzinek, ausgebildet in Juristerei und Zahnmedizin, gründeten das Unternehmen und später die Marke mit eigenem Geld (siehe Info-Kasten). Als erstes brachten sie 2009 ein Pokerspiel auf den Markt. Als diese bald schon eine Million Nutzer anlockte, folgten schnell weitere Titel.

Zahlen und Fakten zu Goodgame Studios

Junge Firma...

Die Brüder Kai und Christian Wawrzinek gründeten bereits im Studium eine Firma zur Entwicklung von Webseiten. 2007 folgte die Firma Altigi, die auf Online-Spiele spezialisiert ist – 2009 gründeten sie auch die heute bekanntere Marke Goodgame Studios. Als erstes Spiel veröffentlichten die Brüder „Goodgame Poker“, ein aktueller Titel ist beispielsweise das Strategiespiel „Shadow Kings“.

...mit rasantem Wachstum

Die Firma ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, in jeder Hinsicht: Rund 1000 Leute sind für das Hamburger Start-up tätig, rund 220 Millionen Nutzer haben sich registriert. Der Umsatz lag im ersten Halbjahr 2014 bei 98 Millionen Euro.

Fachfremde Gründer

Die Gründer sind keine Programmierer: Kai Wawrzinek ist promovierter Jurist, Christian Wawrzinek Zahnmediziner, ebenfalls mit Doktortitel.

Profitables Geschäft

Goodgame Studios ist nach eigenen Angaben profitabel. Im ersten Halbjahr 2014 betrug der Umsatz 98 Millionen Euro; das Ebitda, das die operative Ertragskraft zeigt, lag bei knapp 21 Millionen Euro. Zum Reingewinn äußert sich das Unternehmen nicht.

Gründer halten Mehrheit

Die Gründer halten noch 85 Prozent am Unternehmen, davon entfallen allein 70 Prozent auf die Wawrzinek-Brüder. Die Samwer-Brüder investierten 2011 in die Spieleschmiede und halten heute 15 Prozent.

Gratisspiele als Geschäft

Goodgame Studios setzt auf das „free-to-play“-Geschäftsmodell: Die Spiele sind zunächst gratis, aber die Extras kosten – etwa virtuelle Gegenstände, die das Spiel beschleunigen und erleichtern. Nach Angaben von Spieleherstellern gibt nur ein sehr kleiner Teil der Nutzer Geld aus.

Zukunft mit Smartphones

Auch für Spielehersteller werden Smartphones immer wichtiger. Goodgame Studios will sich deswegen künftig deutlich stärker auf die mobilen Plattformen engagieren.

Das rasante Wachstum stemmten die Gründer fast vollständig aus eigenen Mitteln. Ohne Risikokapitalgeber sei es „von vornherein wichtig“ gewesen, kostendeckend zu arbeiten, sagt Kai Wawrzinek im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir sind nur so schnell gewachsen, wie es die Liquidität zugelassen hat.“ Heute schreibe die Firma Gewinne. „Die starke Profitabilität macht uns stolz“, betont der Gründer.

Die Wawrzinek-Brüder vermarkten ihre Computerspiele mit einem Geschäftsmodell, das derzeit die Branche umkrempelt: Ihr Unternehmen bietet „Empire“, „Big Farm“ und sieben weitere Titel kostenlos übers Internet an. Es kassiert aber für Extras. Wer etwa in der Aufbausimulation „Shadow Kings“ schneller Kasernen oder Steinbrüche errichten will, kann mit echtem Geld virtuelle Diamanten kaufen und diese gegen Baumaterialien eintauschen. Dieses Geschäftsmodell bezeichnet die Branche etwas irreführend als „free to play“.

Auch wenn nur jeder Zehnte Geld ausgibt, kann das funktionieren – zumindest sofern genug Leute spielen. Um die Reichweite zu steigern, bietet Goodgame Studios seine Spiele in diversen Sprachen an, unter anderem auf Türkisch, Chinesisch und Englisch. Zudem investiert das Unternehmen massiv in Werbung. Ob TV, Suchmaschine oder Facebook: Bei jeder Kampagne wird genau gemessen, wie erfolgreich sie ist. „Das ist ein Herzstück des Geschäftsmodells“, sagt Kai Wawrzinek.

Die Goodgame-Spiele mit ihrer Comicgrafik sprechen bislang vor allem Gelegenheitsspieler an. Um weiter zu wachsen, will das Unternehmen künftig auch Spielefans erreichen, die sogenannten Core Gamer, die auch ohne weiteres 60 oder 70 Euro für ein neues Spiel ausgeben. Rund 30 Mitarbeiter plus Grafiker entwickeln derzeit Prototypen. „Es gibt bislang kaum Free-to-play-Spiele für Core Gamer – das ist aber ein wahnsinnig spannender Markt.“

Kommentare (2)

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Herr Peter Spiegel

07.10.2014, 08:57 Uhr

Guter Artikel, weiter so.

Herr Matthias Moser

07.10.2014, 10:18 Uhr

Die Samwers wollen ja auch nur möglichst schnell Geld machen und sind nicht wirklich an den Firmen interessiert. Starke Firmen entstehen durch organisches natürliches Wachstum. Das geht aber eben nur langsam und von innen heraus.

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