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21.04.2015

06:44 Uhr

Google ändert Suchergebnisliste

Heute kommt das „Mobilegeddon“

VonChristof Kerkmann, Florian Kolf

Eine Aktualisierung des Google-Algorithmus könnte Online-Händler heftig treffen. Erstmals werden Smartphone-optimierte Websites bevorzugt in den Ergebnislisten angezeigt. Warum nicht nur Chefs von Internetshops zittern.

Das Mobiltelefon ist für viele Nutzer der erste Zugangspunkt zum Internet – das macht sich künftig auch im Google-Ranking bemerkbar. Getty Images

Google auf dem Smartphone

Das Mobiltelefon ist für viele Nutzer der erste Zugangspunkt zum Internet – das macht sich künftig auch im Google-Ranking bemerkbar.

DüsseldorfEs geht um die wertvollsten Quadratzentimeter des Internets: Google verändert am heutigen Dienstag seinen Algorithmus. Websites, die nicht für Smartphones optimiert sind, werden in den Trefferlisten der weltweit wichtigsten Suchmaschine weiter unten stehen – und womöglich aus dem Sichtfeld der Nutzer rutschen. Webmaster in aller Welt starren heute auf ihre Analyseprogramme, um zu sehen, ob sie betroffen sind. Denn die Folgen könnten drastisch sein, auch für zahlreiche deutsche Unternehmen.

Google bevorzugt künftig Websites, die für mobile Geräte optimiert sind, etwa mit großem Text und leicht anklickbaren Links. Portale, die nicht an die kleinen Bildschirme angepasst sind, tauchen auf Smartphones weiter hinten in den Trefferlisten auf. „Diese Veränderung wird alle mobilen Suchen in allen Sprachen weltweit betreffen und unsere Suchergebnisse signifikant beeinflussen“, warnte das Unternehmen im Februar, als es die Änderungen ankündigte. Heute sollen sie in Kraft treten.

Wen das „Mobilegeddon“ treffen könnte

Google ändert Algorithmus

Google hat im April 2015 wichtige Änderungen am Algorithmus vorgenommen: Wenn Websites nicht für Smartphones optimiert sind, werden sie auf mobilen Geräten nicht mehr so prominent angezeigt.

Nicht alle sind vorbereitet

Die großen Portale sind grundsätzlich gut vorbereitet. Trotzdem sind unter dem 100 beliebtesten Websites in Deutschland einige immer noch nicht mobil-optimiert, wie eine Untersuchung des Dienstleisters Searchmetric zeigt.

Wikipedia

Die wohl prominenteste Website, die den Google-Test derzeit nicht besteht, ist wohl Wikipedia. Die Kritik: Die Links sind in der Smartphone-Variante zu eng beieinander. Auch andere Websites sind betroffen, etwa das Lexikon leo.org und das Wetterportal wetteronline.de.

Kurzfristig umgestellt

Einige Unternehmen haben kurz vor der Vorstellung ihre Arbeit beendet – in der Hoffnung, im Google-Ranking nicht abzurutschen. Dazu zählen etwa telekom.de, testberichte.de, tvspielfilm.de und Dailymotion.

Änderungen mit Verzögerung

Die Auswirkungen des Updates lassen sich vermutlich nicht sofort sehen: Die Umsetzung des Updates kann mehrere Wochen dauern.

Update als Druckmittel

Google kann die Updates am Suchalgorithmus als Druckmittel einsetzen, um Unternehmen zu Änderungen zu bewegen: Wer gefunden werden will, macht besser mit. So forcierte der Konzern auch den Einsatz von Verschlüsselungstechnologie.

Panda und Pinguin als Vorbild

Es ist nicht die erste Neuerung: Google hat in der Vergangenheit mehrfach den Algorithmus überarbeitet – die Firma sprach vom Panda- bzw. Pinguin-Update. Beide brachten umfangreiche Änderungen für Websites mit sich.

In der Szene spricht man ehrfürchtig vom „Mobilegeddon“. Auch wenn nicht gleich der Untergang droht und die Suche vom PC oder Tablet aus nicht betroffen ist: Die Folgen dürften erheblich sein. Denn immer mehr Besucher kommen heute über mobile Geräte – in Europa entfallen nach Zahlen des Dienstleisters Statcounter 20 Prozent aller Seitenaufrufe auf Smartphones. Und bei 30 Prozent der Online-Einkäufe in Deutschland kommen Handy oder Tablet zum Einsatz, hat das Marketing-Unternehmen Criteo ermittelt.

Ein beträchtlicher Teil der Online-Händler in Deutschland lässt sich mit der mobilen Optimierung Zeit, wie eine Umfrage des Handelsinstituts ECC Köln zeigt: Erst etwas mehr als die Hälfte hat die Website für die mobile Nutzung optimiert, 30 Prozent arbeiten daran, 15,5 Prozent planen keine Anpassung.

Die Aktualisierung der Google-Rangliste könnte somit verändern, wo Millionen von Menschen einkaufen, in welches Restaurant sie gehen und welche Nachrichten sie lesen.

Der Algorithmus, mit dem Google die Suchergebnisse zusammensetzt, ist eine weitgehend geheime Formel. Eine ganze Branche lebt davon, die Kriterien zu analysieren und Websites daran anzupassen. Experten sprechen von SEO, der englischen Abkürzung für Suchmaschinenoptimierung.

Der Konzern verändert regelmäßig die Kriterien, die über die Reihenfolge Ausschlag geben. Einerseits geht es darum, Tricksereien zu verhindern, mit denen Google-Deuter ihre Position verbessern wollen. Andererseits forciert der Konzern technische Änderungen – so belohnt er bereits, wenn Websites verschlüsselte Verbindungen anbieten.

Künftig will Google die Smartphone-Nutzung erleichtern: „Problemlos und intuitiv“ müsse sich die Seite auf den kleinen Bildschirmen nutzen lassen, postuliert das Unternehmen. Das betrifft die Darstellung und die Bedienung, aber das Laden von Videos und Grafiken.

Zudem soll die Darstellung automatisch an die Größe des Bildschirms angepasst werden, Experten nennen das responsives Design. An welchen Stellschrauben Google bei der Qualitätsbeurteilung für eine Website genau dreht, gibt der Konzern traditionell nicht bekannt.

Kommentare (12)

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Herr Ohne Sorge

21.04.2015, 09:13 Uhr

Ich bin ja gespannt, ob die Suche dann wirklich besser wird. Google wird derzeit ja seiner Aufgabe als Suchmaschine immer gerechter. Man sucht zwar, aber man findet leider nicht mehr viel. Die halbwegs guten Treffer fangen auf Seite 2 unten an. Das war Anno 1998 noch viel besser. Mittlerweile gebe ich lieber gleich wieder Domainnamen ein oder suche aus Verzweiflung gleich bei Bing.

Herr Helmut Metz

21.04.2015, 09:21 Uhr

Ich google schon seit Jahren nicht mehr.
Die Datenkrake speichert nämlich bei der Suche meine IP-Adresse und setzt Tracking-Cookies. Damit lässt sich mein Suchverhalten analysieren.
Ich verwende stattdessen Suchmaschinen, die genau das nicht tun, und verzichte gerne auf den "Komfort" der "individuell optimierten" Suchergebnisse.
Zusätzlich benutze ich z.B. auch noch das Add-On NoScript (wahlweise Ghostery), was verhindert , dass Websites mein Surfverhalten analysieren.
Google selbst betreibt hier den Dienst Google Analytics, was ein ungeheuer mächtiges Analyse-Tool ist, welches - ganz ohne die NSA ;-) - ausgesprochen exakte Benutzerprofile erstellen kann. Sehr viele Websites verwenden Google Analytics (HB übrigens auch), weshalb ich es auch eliminiert habe.
Für mich persönlich heißt es also in zunehmendem Maße: NO Google...

Herr Helmut Metz

21.04.2015, 10:08 Uhr

Nachtrag:
Die Verwendung solcher alternativer Suchmaschinen kann sich für ungeübte Nutzer auf Mobilgeräten u.U. etwas schwierig gestalten. So hat es auch etwas gedauert, bis es bei der von mir bevorzugten eine Mobile-App gegeben hat.
Gerade auf Android-Handys hat Google hier einen klaren - und für mich wettbewerbsrechtlich bedenklichen (Hallo Kartellamt!) - Vorteil, da diese bereits vorinstalliert sozusagen "Google-optimiert" sind...

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