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23.01.2015

04:21 Uhr

Google angeblich interessiert

Twitter-Aktie steigt nach Übernahmegerüchten

Nicht zum ersten Mal wird über einen Kauf von Twitter durch Google spekuliert. Weil die eigenen Ausflüge ins soziale Internet versandet sind, wäre der Kurznachrichtendienst die ideale Ergänzung für den IT-Konzern.

Übernahme-Gerüchte bei Google

Wird Twitter von Google geschluckt?

Übernahme-Gerüchte bei Google: Wird Twitter von Google geschluckt?

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San FranciscoDer Kurznachrichtendienst Twitter hat am Donnerstag an der US-Börse fast 3,5-Prozent zugelegt, nachdem Gerüchte die Runde gemacht hatten, Google wolle das Unternehmen übernehmen. Die Gerüchte hatten keine Quelle, fanden keine Bestätigung und wurden von den beiden Unternehmen nicht kommentiert. Analyst Robert Peck von Suntrust Robinson Humphrey sagte im TV-Sender CNBC, dass die Übernahme theoretisch schwierig aber nicht ausgeschlossen sei.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass diese Spekulation aufkommt. Gerüchte über einen Aufkauf von Twitter durch Google geistern seit 2009 durch das Silicon Valley. Damals soll das Angebot angeblich zwischen zehn und 20 Milliarden Dollar bewegt haben. Denn Google hat ein wachsendes Problem im Suchmarkt: Das soziale Internet ist weitgehend ein schwarzes Loch für die Suchroboter aus Mountain View. Twitter wäre die ideale Ergänzung als superschnelle Suchmaschine für aktuelle, sich gerade entwickelnde Trends. Sie schlagen sich in dem 140-Zeichen-Dienst wesentlich schneller nieder als bei Google oder Yahoo.

Die Einkaufsliste von Google

DeepMind

Die neueste Errungenschaft von Google ist das britische Start-up DeepMind, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Schon seit langem wurde spekuliert, Google könnte zu Methoden der künstlichen Intelligenz greifen, um große Datenbestände besser auszuwerten. Im Januar 2014 hat der Konzern dann zugegriffen.

Motorola

Im Sommer 2011 kaufte Google für 12,5 Milliarden Dollar den Handy-Hersteller Motorola. Es war die erste große Transaktion, um Google auch im Hardware-Geschäft zu etablieren. Nach weniger als zwei Jahren stieß der Konzern das Geschäft aber wieder ab und verkaufte es an den chinesischen Elektronikhersteller Lenovo. Die meisten Patente zum Schutz seines Betriebssystems Android behielt Google indes.

Nest

Erst 2011 ging das Start-up Nest an den Start, überzeugte aber mit seinen elektronischen Haushaltsprodukten wie Thermostaten oder Rauchmeldern. Anfang 2014 schlug Google zu und verleibte sich die Firma für 3,2 Milliarden Dollar ein.

Doubleclick

Im Online-Werbemarkt ist Google ein Gigant. Um die eigene Position zu festigen, griff der Konzern im Jahr 2007 zu und kaufte für 3,1 Milliarden Dollar den Vermarktungsspezialisten Doubleclick.

YouTube

Für damals abenteuerlich erscheinende 1,65 Milliarden Dollar kaufte Google im Oktober 2006 die Online-Videoplattform YouTube. Seit Jahren ist es eine erfolgreiche Plattform zum Vertrieb von Video-Anzeigen.

Waze

Fast eine Milliarde Dollar war Google im Sommer 2013 der israelische Spezialist für Navigationssoftware Waze wert. Mit der Software können von unterwegs in Echtzeit Informationen über Verkehrsstörungen übertragen werden.

Android

Ein Beispiel für einen kleineren Zukauf mit großen folgen, war die Akquisition der Firma Android im August 2005 – für geschätzte 50 Millionen Dollar. Der Name setzte sich durch und wurde zum heute allgegenwätigen Google-Betriebssytem für mobile Geräte.

Zagat

Einer der bekanntesten Herausgeber von Restaurantführern kam im Herbst 2011 unter die Google-Fittiche. Für etwa 150 Millionen Dollar kaufte Google Zagat, eine Firma, die Nutzerkritiken zu Restaurant und Geschäften sammelte und aufbereitete. Die Informationen flossen in den Kartendienst Google Maps ein.

Boston Dynamics

Der Roboter-Hersteller sorgte im Internet für Aufsehen mit einem Roboter, der sich wie eine Katze fortbewegt – und das in respektabler Geschwindigkeit und mit großer Wendigkeit. Seit Ende 2013 gehört das Unternehmen zu Google. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Skybox Imaging

Google stärkt im Juni 2014 seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar.

Doch ein Deal aus 2009, der den Twitter-Datenstrom auf die Google-Server geleitet hat, kündigte Twitter 2011 kommentarlos auf. Das damals existierende „Google Realtime Search“ musste eingestellt werden. Bis die Suchroboter die öffentlich verfügbaren Tweets finden und indexieren dauert einfach zu lang. Bei einer Übernahme von Twitter hätte sich das Problem erledigt.

Google ist im sozialen Internet eine kleine Nummer

Googles eigene Ausflüge in das soziale Internet sind alle versandet. Das soziale Netz Google+ dümpelt nur vor sich hin. Vorgänger und Twitter-Herausforderer „Google Buzz“ war nach nicht ganz zwei Jahren abgeschaltet worden. Das alles lässt Google mit einer offenen Flanke zu einer Zeit, in der Massenger-Dienste wie WhatsApp, Line, Skype oder WeChat immer populärer werden und Facebook sich mit den Käufen von Instagram und Whatsapp aggressiv in diesem Markt positioniert hat. Twitters eigener Dienst für Videoschnipsel bis 15 Sekunden gewinnt an Popularität.

Geschichte von Motorola

Anfänge mit Autoradios

Der Vorläufer von Motorola, GMC, baute ab den 1920er Jahren Autoradios. Die Umbenennung in den heutigen Namen erfolgte 1947. Später entwickelte das Unternehmen auch Funkeinrichtungen. Die Halbleitersparte gliederte das Unternehmen in den 2000er Jahren aus.

Erster Handyhersteller

Vor 30 Jahren brachte Motorola das erste kommerziell verfügbare Mobiltelefon auf den Markt, das DynaTAC. Zehn Jahre darauf folgte als eines der ersten GSM-Handys das International 3200, das als „Knochen“ in die Geschichte einging. Auch die Razr-Klapphandys hatten viele Fans. In den vergangenen Jahren geriet das Unternehmen allerdings immer mehr ins Hintertreffen.

Aufspaltung in Mobility und Solutions

2011 spaltete sich Motorola in zwei eigenständige Unternehmen auf. Motorola Mobility stellte Mobiltelefone her, Motorola Solutions diente Geschäftskunden.

Neuanfang mit Android

Um den Trend zum mobilen Internet nicht komplett zu verpassen, nutzte Motorola das Betriebssystem Android – wie auch viele Konkurrenten. Der US-Konzern baute zwischenzeitlich außerdem Tablets wie das positiv bewertete, aber kommerziell nicht besonders erfolgreiche Xoom.

Erst Google, dann Lenovo

Mit seinem Betriebssystem Android ist Google ein wichtiger Anbieter im Smartphone-Markt – 2012 stieg der Konzern auch ins Hardware-Geschäft ein: Er übernahm Motorola Mobility für 12,5 Milliarden Dollar, nicht zuletzt, um mit den Patenten Klagen gegen seine Software abzuwehren. Anfang 2014 kündigte der Konzern indes an, die Smartphone-Herstellung an den chinesischen Elektronikhersteller Lenovo zu verkaufen.

Ein Grund für das Interesse an Twitter, das mit knapp 225 Millionen deutlich weniger aktive monatliche Nutzer hat als Facebook (1,3 Milliarden), könnten die Aussichten im Werbemarkt sein. Google bestreitet fast 90 Prozent seines Umsatzes mit Online-Werbung und Twitter 80 Prozent. Beide Unternehmen überschneiden sich dabei kaum in ihren Märkten. Ein Umsatzanstieg im dritten Quartal 2014 um 109 Prozent gegenüber Vorjahr auf 361 Millionen Dollar zeigt das Potenzial bei Twitter. Nur leider ist das Nutzerwachstum schwach.

Konkretes erst nach den Twitter-Zahlen

Wenn sich die Spekulationen erhärten, dann nach dem fünften Februar. Dann legt Twitter Quartalszahlen vor. Bei einer weiteren Abschwächung des Nutzerwachstums und einer Abschwächung des Umsatzwachstums könnten die Aktionäre bereit sein, über Alternativen nachzudenken. Und sei es nur eine signifikante Beteiligung Googles an Twitter. Denn eine Komplettübernahme wäre ziemlich teuer selbst für einen Webgiganten mit rund 60 Milliarden Dollar liquidem Vermögen. Aktuell liegt der Börsenwert von Twitter aus San Francisco bei gut 24 Milliarden Dollar. Das ist kaum mehr, als Mark Zuckerberg von Facebook für das umsatzlose Whatsapp bezahlt hat.

Doch Twitter ist börsennotiert und Analysten rechnen mit bis zu 40 Milliarden Dollar, die Twitters Großaktionäre sehen wollen, wenn sie denn überhaupt verkaufen wollen. Das letzte Mal, dass im Silicon Valley in diesen Größenordnungen gepokert wurde, war 2008. Damals bot Microsoft 31 Dollar pro Aktie für Yahoo, damals ein Aufschlag von 62 Prozent auf den Aktienkurs. Doch dem Yahoo-Board waren 45 Milliarden Dollar nicht genug, er pokerte immer höher – und Microsoft stieg letztlich aus.

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