Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2014

10:10 Uhr

Google, Apple und Co.

Der Sozialneid erfasst das Silicon Valley

VonAxel Postinett

Wo die jungen Mitarbeiter von Google oder Apple hinziehen, schnellen die Mietpreise in die Höhe. Das führt zu sozialen Konflikten rund um San Francisco. Sogar einen Angriff auf einen Google-Bus hat es bereits gegeben.

Plakat in San Francisco: „Probieren andere Wege aus, um die Googler an ihren Arbeitsplatz zu bringen.“ Reuters

Plakat in San Francisco: „Probieren andere Wege aus, um die Googler an ihren Arbeitsplatz zu bringen.“

San FranciscoAm 20. Dezember eskalierte die lange aufgestaute Wut. Demonstranten hatten an einem Stopp in Oakland einen der klimatisierten Luxusbusse umzingelt, die morgens die Mitarbeiter des Webriesen Google kostenlos in die Zentrale ins Silicon Valley bringen. Steine flogen, eine Scheibe ging zu Bruch, Störer verschafften sich Zugang zum Bus, die Situation drohte außer Kontrolle zu geraten.

Zur gleichen Zeit wurde im Mission Distrikt in San Francisco ein Bus mit Apple-Mitarbeitern aufgebracht. Die meist weißen Busse ohne jede Kennzeichnung mit dunkel getönten Scheiben sind mittlerweile zum Symbol für die Einkommens- und Vermögensungerechtigkeit in den USA geworden. Neben New York ist die wohl kaum irgendwo so drastisch ausgeprägt wie im Silicon Valley und in San Francisco. Und jetzt auch in Oakland. Eine arme Stadt nur zehn Minuten von San Francisco entfernt. Hierhin flohen alle, die ihre Wohnung in San Francisco verlassen mussten. Doch nun holen sie die jungen Techworker wieder ein und verdrängen sie auch hier.

Jetzt will Google seine Mitarbeiter aus der Schusslinie nehmen. Ab Montag werden morgens zwei Fähren vom Hafen San Francisco die kurze Strecke bis nach Redwood City zurücklegen, von wo aus dann die Fahrt in neutralen Bussen bis nach Mountain View in die Google-Zentrale weitergeht. „Wir wollen den Bürgern von San Francisco sicher keine Unannehmlichkeiten bereiten“, heißt es in einer Stellungnahme von Google. „Darum probieren wir andere Wege aus, um die Googler an ihren Arbeitsplatz zu bringen.“ Es ist ein erster Testlauf über 30 Tage, heißt es.

Das ist nach den jüngsten Vorfällen sicherlich richtig, vielleicht aber auch nur ein Teil der Wahrheit. Denn seit Montag müssen die Unternehmen auch dafür zahlen, wenn sie ihre Luxusliner an öffentlichen Bushaltestellen Mitarbeiter einsammeln lassen. Das ist kein kleines Problem: Insgesamt 30 Busunternehmer kutschieren mit rund 4000 Bussen ihre Klientel zu den Arbeitsplätzen in der kalifornischen Denkfabrik.

Bislang hatten sie einfach illegal öffentliche Bushaltestellen als Sammelpunkte genutzt und blockiert. Wenn zwei oder drei elegante Privatbusse auf ihre Kunden warten und sich dahinter die abgehalfterten und klapprigen Linienbusse stauen, mit denen der „gemeine Bürger“ zur Arbeit oder zum Nahverkehrszug Caltrain pendelt, dann ist der Unmut groß.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

09.01.2014, 10:29 Uhr

Die immer größer werdende Schere zwischen arm un dreich birgt Sprengstoff. Je größer die Schere desto größer das Potential.
Nicht nur in den USA auch bei uns. Irgendwann ist mit der von den reichen gesteuerten Verdummung der Bürger (siehe BLÖD-Zeitung) nichts mehr zu machen!

norbert

09.01.2014, 10:54 Uhr

Ich frage mich, ob die "Sozialneider" auch gugl und fatzebuch benutzen ...

anonymus_007

09.01.2014, 11:12 Uhr

@Fredi
da haben Sie vollkommen Recht!
Bei uns in Deutschland funktioniert Brot (Harz4) und Spiele (Blöd-Zeitung und Assi-TV) noch sehr gut, da man es sich leisten kann.
In anderen EU Ländern sieht es da ganz anders aus. Nur unsere Mainstream Medien berichten darüber fast nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×