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23.08.2015

16:30 Uhr

Google, Apple und Co.

Kampf der Plattformen um das vernetzte Zuhause

Vernetzte Hausgeräte sind auf dem Vormarsch. Das verschiebt die Gewichte in dem Geschäft. Können Google und Apple ihre Dominanz auch auf das Smarthome ausweiten? In der Branche formiert sich eine Gegenbewegung.

Das vernetzte Zuhause ist keine Zukunftsvision mehr. Alles Mögliche wird mit einem Online-Zugang versehen, auch Waschmaschinen. obs

Vernetztes Zuhause

Das vernetzte Zuhause ist keine Zukunftsvision mehr. Alles Mögliche wird mit einem Online-Zugang versehen, auch Waschmaschinen.

BerlinDas vernetzte Zuhause, in dem sich Haustechnik über das Internet steuern lässt und miteinander kommuniziert, ist keine Zukunftsvision mehr. Heizungsregler, Rauchmelder, Steckdosen, Glühbirnen, Waschmaschinen, Türschlösser - alles Mögliche wird mit einem Online-Zugang versehen. Anfang September wird die nächste Welle der Smarthome-Innovation auf der Elektronikmesse IFA in Berlin zu sehen sein.

Die IT-Marktforschungsfirma Gartner schätzt, dass aktuell 100 bis 200 Millionen Haushalte weltweit vernetzte Geräte haben. Zum Jahr 2020 sollen es 500 bis 700 Millionen sein. Das anstehende Geschäft lockt eine Menge verschiedener Player aus allen Richtungen an: Energieversorger, Telekom-Anbieter, neue Startups, etablierte Elektronik-Hersteller.

Eine zentrale Frage bleibt dabei, wie die einzelnen Geräte miteinander Daten austauschen. Im Moment gibt es einen Wildwuchs technischer Formate, der größtenteils über Software-Schnittstellen überwunden wird.

Dass Geräte eines Anbieters untereinander interagieren, ist selbstverständlich. Bei der inzwischen zu Google gehörenden Firma Nest etwa schaltet das vernetzte Thermostat die Heizung ab, wenn der hauseigene Rauchmelder Alarm schlägt.

Wenn es über den eigenen Kontrollbereich hinausgeht, sollen Kooperationen helfen. So sieht eine Zusammenarbeit von Nest und Daimler vor, dass aus einem Mercedes von unterwegs die Temperatur zur Ankunft eingestellt werden kann.

Es gibt viele solcher punktueller Kooperationen. So sollen sich Geräte der Samsung-Tochter SmartThings bald mit Stimmbefehlen über Amazons vernetzten Lautsprecher Echo steuern lassen. Andere Anbieter setzen gleich auf weit geöffnete Schnittstellen, etwa Hersteller von vernetzten Glühbirnen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, die Lampen mit Online-Diensten zu verzahnen. Sie können dann zum Beispiel blinken oder die Farbe wechseln, wenn das Flugzeug eines Familienmitglieds landet oder man auf einem Facebook-Foto markiert wird. Oder das Licht geht aus, wenn das Fitnessband des Besitzers feststellt, dass er eingeschlafen ist.

Dieses Stückwerk aus Partnerschaften und vielen kleinen Verknüpfungen finden viele in der Branche jedoch nicht ausreichend, um das Geschäft schneller wachsen zu lassen. Die Idee sind Plattformen mit einem einheitlichen Standard, so dass ein Verbraucher sich sicher sein kann, dass Technik diverser Hersteller aus verschiedensten Kategorien miteinander zusammenarbeiten wird. Und die Kontrolle solcher Plattformen gilt als Schlüsselfaktor. Gartner-Analyst Paul O'Donovan sieht eine „Schlacht“ um den Zugang zum vernetzten Zuhause aufkommen.

Bezahlen mit dem Smartphone

In der Warteschleife

Das mobile Bezahlen mit dem Smartphone gilt als der nächste große Trend. Doch noch immer steckt das Verfahren zumindest in Europa weitgehend in der Warteschleife fest. Vielen Verbrauchern sind die Möglichkeiten noch gar nicht bekannt. Um das zu ändern, seien die Anbieter gefragt, meint der IT-Verband Bitkom. Und es müsse das Vertrauen in die Technologie gefördert werden.

Quelle: dpa

Wo kann ich mobil mit dem Smartphone bezahlen?

Dem Branchenverband Bitkom zufolge gibt es deutschlandweit 60.000 Akzeptanzstellen für das mobile Bezahlen mit dem Smartphone. Unter anderem Tankstellen setzen darauf, aber auch große Ladenketten rüsteten zuletzt deutlich auf. Auch Aldi Nord bietet nun in allen seinen 2400 Filialen bundesweit das mobile Bezahlen mit dem Handy an. Beim Discounter Netto können Kunden sogar über die Apple Watch bezahlen.

Welche Hürden gibt es noch?

Als einer der Flaschenhälse galt bislang, dass der Handel nur spärlich mit entsprechenden Terminals ausgerüstet war. Das soll sich jedoch bald ändern, da die Lesegeräte in großem Stil auswechselt werden. Laut Branchenverband Bitkom liegt auch eine Hürde darin, dass die Nutzer über die Möglichkeiten gar nicht ausreichend informiert seien.

Wie funktioniert mobiles Bezahlen?

Das Geld fließt vom Kunden-Smartphone bis zum Händler über viele verschiedene Wege. Anbieter der Transaktion sind Handelsketten, Telekom- und Internet-Unternehmen oder Hardwarehersteller wie Apple. In der Regel muss sich der Nutzer eine entsprechende App herunterladen. Manche Anbieter setzen auf den QR-Code, ein grafisches Quadrat, das ähnlich wie der Barcode funktioniert. Wer etwa an der Kinokasse mit Yapital bezahlen will, scannt mit dem Smartphone den QR-Code. Das Geld wird von einem vorher hinterlegten Guthaben abgebucht. Die meisten Angebote nutzen aber inzwischen den Nahfeldfunk NFC (Near Field Communication).

Wie läuft es mit NFC?

Dabei wird das Smartphone dicht an das Terminal gehalten. Die Transaktion kann auch über die Eingabe einer PIN-Nummer abgesichert werden. Unter anderem der Kreditkartenanbieter Mastercard etwa setzt auf NFC. Die Technologie wird von den meisten aktuellen Smartphones unterstützt, inzwischen auch von den iPhones von Apple. Deren Bezahlfunktion Apple Pay gibt es zwar vorerst nur in den USA, doch Branchenexperten erwarten, dass der Dienst auch in Europa das mobile Bezahlen deutlich in Schwung bringen wird.

Welche Risiken gibt es?

Werden Zahlungen mit persönlichen Daten mobil verschickt, könnten Kriminelle theoretisch an mehreren Stellen den Datenstrom abgreifen. Der Standard NFC gilt aber als besonders sicher, da er zum Beispiel nur über eine sehr geringe Entfernung vom Smartphone zum Terminal funkt. Dabei werden die Daten verschlüsselt. Bei Apple Pay etwa wird zudem der Fingerabdruck des iPhone-Nutzers für die Absicherung genutzt. Sollte das Smartphone geklaut werden, kann auch der Dieb nicht auf das Konto zugreifen. Kreditkartenanbieter sichern die Transaktionen zusätzlich mit einem Verfahren namens Tokenisierung. Die Daten werden damit so verschlüsselt, dass nur die Bank ihren Kunden identifizieren kann.

Google, die treibende Kraft hinter dem meistgenutzten Smartphone-System Android, und der iPhone-Konzern Apple wollen ihre starke Position bei mobilen Geräten auf das Smarthome übertragen. Apple startete dafür die Plattform HomeKit, auf die Hersteller aufsetzen können, um ihre Geräte kompatibel zu machen. Aktuell umfasst das Angebot unter anderem Steckdosen, Thermostate, Lampen oder Sensoren für Fenster und Türen. Zugleich stelle Apple hohe Anforderungen an die Hardware, unter anderem was die abgesicherte Datenübermittlung betrifft, sagt ein Brancheninsider. Das schränke den Kreis der beteiligten Firmen ein, weil nicht alle entsprechende Kosten zu tragen bereit seien.

Google geht noch einen Schritt weiter. Der Internet-Konzern stellte Ende Mai ein eigenes Betriebssystem für vernetzte Haustechnik vor. „Brillo“ ist eine verschlankte Version von Android, die auch auf schlichter Technik laufen soll. „Brillo weitet die Android-Plattform auf alle vernetzten Geräte aus“, ist die Ansage. Als zweiten Baustein gibt es von Google das Kommunikationsprotokoll „Weave“ für den Datenaustausch zwischen den Geräten.

Caravan-Hersteller: Apps halten Einzug ins Wohnmobil

Caravan-Hersteller

Apps halten Einzug ins Wohnmobil

Wie die Autobauer versuchen die Caravan-Hersteller, ihre Fahrzeuge digital aufzurüsten. Kleine Helferlein, die man bereits aus dem Pkw kennt, werden verbaut. Offen ist, ob das tatsächlich neue Kunden bringt.

Gelingt es Google damit, die Android-Dominanz bei Smartphones auf das smarte Zuhause auszuweiten? Im Lager der klassischen Branchenplayer schlägt man Alarm. Jetzt stehe eine Grundsatz-Entscheidung an, warnt der Vorsitzende der europäischen Industrieinitiative EEBus, Peter Kellendonk. „Entweder die Kommunikations-Norm wird demokratisch entwickelt und allen Interessenten zur Verfügung gestellt oder faktisch durch einen Multi gesetzt. Dann heißt es für viele: friss oder stirb.“ Auch deutschen Mittelständlern drohe dann der Verlust ihrer Geschäftsmodelle.

So formiert sich eine breite Industriekoalition, die ihrerseits eine einheitliche Sprache für das smarte Zuhause entwickeln will. Bei EEBus sind etwa Bosch, Miele, die Deutsche Telekom, Vaillant, Eon oder EnBW dabei. Die Gruppe kooperiert mit europäischen Brancheninitiativen für smarte Energieversorgung und seit Frühjahr mit dem Open Interconnect Consortium OIC, das unter anderem Samsung, General Electric, Hewlett-Packard oder IBM an Bord hat.

Von

dpa

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