Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.12.2014

11:18 Uhr

Google

Die alternativlose Suchmaschine

VonMarcel Bohnensteffen

EU-Politiker wollen den US-Suchmaschinenkonzern Google zerschlagen. Tatsächlich gibt es zwar auch andere Dienste, sie sind jedoch lange nicht so gut. Experten fordern die Offenlegung von Googles Suchdaten.

Google ist allgegenwärtig. In Deutschland hat die Suchmaschine mehr als 90 Prozent Marktanteil. Es gibt wenige Alternativen. Doch deren Angebot ist nicht ausreichend. Getty Images

Google ist allgegenwärtig. In Deutschland hat die Suchmaschine mehr als 90 Prozent Marktanteil. Es gibt wenige Alternativen. Doch deren Angebot ist nicht ausreichend.

DüsseldorfDie Älteren werden sich erinnern: Es gab tatsächlich mal Zeiten, da haben Menschen über Suchmaschinen wie Lycos und Altavista nach Dingen im Internet gesucht. Lange ist es her. Seitdem Google das World Wide Web für sich vereinnahmt hat, sind diese Anbieter in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Mehr als 75 Prozent der weltweiten Suchanfragen gehen heute über das Online-Imperium aus dem Silicon Valley. Was Menschen quer über den Globus verteilt zu sehen bekommen, wenn sie nach Dingen im Netz stöbern, bestimmt fast ausschließlich der Algorithmus von Google.

Eine ungeheure Marktmacht, die Politiker mit Argwohn betrachten. Das EU-Parlament hat in der vergangenen Woche eine Resolution verabschiedet, die den Einfluss des Suchmaschinen-Giganten beschneiden soll. Der Beschluss hat zwar keine bindende Wirkung und auch die zuständigen EU-Kommissare, unter anderem Digital-Kommissar Günther Oettinger, haben bereits geäußert, dass es eine Zerschlagung mit ihnen nicht geben wird.

Das Recht, vergessen zu werden

Urteil mit Folgen

Es ist ein wegweisendes Urteil: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat im Mai 2014 entschieden, dass Google unter bestimmten Umständen Verweise auf Internetseiten mit sensiblen persönlichen Informationen aus der Ergebnisliste seiner Suchmaschine entfernen muss. Profitieren sollen vor allem normale Bürger – also nicht Promis, Sportler oder Wirtschaftslenker, an denen die Öffentlichkeit ein Interesse hat.

Wann gelöscht werden muss

Links müssen entfernt werden, wenn seit der Veröffentlichung Jahre verstrichen sind oder die Informationen nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck entsprechen, entschied der EuGH.

Erst an Google wenden...

Um einen Link aus der Ergebnis-Liste streichen zu lassen, müssten Betroffene sich zuerst direkt an Google wenden. Der Suchmaschinenriese hat ein Online-Formular entwickelt, über das Nutzer ihre Anfragen einreichen können.

... dann an die Datenschützer

Lehnen die Betreiber der Suchmaschine eine Löschung ab, wären die Datenschützer die nächsten Ansprechpartner. Da Google seine deutsche Niederlassung in Hamburg hat, würde man sich an den Hamburger Datenschutzbeauftragten wenden. Der Datenschützer kann auch im Namen der Betroffenen klagen.

Im Zweifel entscheiden Gerichte

Im Einzelfall müssten Gerichte klären, wann ein Verweis entfernt werden muss, erklärte der EuGH. Dabei müsse ein angemessener Ausgleich zwischen den Interesse der Internet-Nutzer an Informationen und den Grundrechten der betroffenen Person gefunden werden. Dieser Ausgleich könne auch angesichts der Rolle einer Person im öffentlichen Leben unterschiedlich ausfallen, schränkten die Richter ein.

Positive Reaktionen der Politik...

Die überwiegende Mehrheit der Politiker begrüßte das Urteil. Bundesjustizminister Heiko Maas lobte eine Stärkung der Datenschutzrechte, die EU-Kommission sah nicht nur die Situation der EU-Bürger verbessert, sondern auch die eigene Position untermauert.

... und Bedauern bei Google

Google kritisierte das Urteil des EuGH erwartungsgemäß. „Diese Entscheidung ist nicht nur für Suchmaschinen enttäuschend, sondern auch für alle, die Inhalte online publizieren“, sagte ein Google-Sprecher. Der Konzern sei sehr überrascht, dass das Urteil so stark von der vorherigen Einschätzung des Generalanwalts abweiche und dessen Warnungen unberücksichtigt lasse.

Dennoch: Der Vorstoß der Parlamentarier war ein starkes Signal und wirft ein Schlaglicht auf die Marktmacht von Google. Viele wünschen sich mehr Alternativen. Doch Konkurrenten für Google gibt es nur wenige. Handelsblatt Online stellt sie vor.

Bing

Der ernstzunehmendste Mitbewerber ist die Suchmaschine von Microsoft. Der Hard- und Softwarespezialist hatte den Einstieg in dieses Geschäftsfeld eigentlich schon verschlafen. Der milliardenschwere Aufbau von Bing 2009 war gewissermaßen die letzte Chance, den Markt nicht komplett an Google zu verlieren.

Dass sich die Investition bezahlt gemacht hat, zeigt sich auf dem Heimat-Markt. Zusammen mit der Yahoo-Suche vereint Bing dort knapp 30 Prozent aller Suchanfragen auf sich. Ein beachtlicher Anteil, bedenkt man, welche Summen Google in seine technische Infrastruktur pumpt.

Mit Yahoo betreibt Microsoft eine Art Suchallianz. Sämtliche Funktionen von Bing sind auf das Webportal ausgeweitet worden. Das bedeutet: Mehr als 200 Millionen Nutzer, die täglich auf Yahoo landen, gehen via Bing auf die Suche im Netz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×