Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.05.2014

13:31 Uhr

Google, Facebook, Amazon

Die neuen Monopolisten

VonBastian Benrath

An Google, Facebook und Amazon kommt niemand vorbei. Die Dienste der Konzerne sind so beliebt wie nie – trotz allgemeinem Unbehagen wegen deren Umgang mit Nutzerdaten. Warum wehren wir uns nicht? Eine Spurensuche.

Google, Facebook & Co: Woher kommen die Innovationskraft und Reichweite, von der traditionsreiche Dax-Unternehmen nur träumen können? Getty Images

Aufsteiger aus dem Valley

Google, Facebook & Co: Woher kommen die Innovationskraft und Reichweite, von der traditionsreiche Dax-Unternehmen nur träumen können?

DüsseldorfMittwochmorgen, vier Minuten nach acht. Lisa-Maria Röhling rührt in ihrem Früchtemüsli. Wie jeden Morgen beginnt ihr Tag mit Facebook. Eine Freundin hat ihr geschrieben, sie beantwortet die Nachricht. Greift zu ihrer Kaffeetasse. Überfliegt die Liste der neuen Meldungen. Ein Text hier, ein Video dort: Facebook zeichnet jeden Klick der 24-jährigen Geschichtsstudentin auf. Das soziale Netzwerk formt ihr daraus personalisierte Anzeigen.

Der selbe Tag, ein paar Stunden später. Fabian Geuther sitzt in der Uni-Bibliothek vor seinem Laptop. Demnächst wird der 21-Jährige für ein Praktikum nach Hongkong gehen, im Internet informiert er sich jetzt über die Formalitäten. Er gibt seine Suchanfrage bei Google ein, wenige Klicks später hat er eine hilfreiche Seite gefunden. Der Suchmaschinen-Marktführer wertet alle seine Anfragen aus. So lange Fabian eingeloggt ist, werden sie ihm zugeordnet und seine Ergebnisse speziell auf ihn zugeschnitten.

Am Abend dieses Mittwochs kehrt Victoria von Hammerstein von ihrer Praktikumsstelle zurück. Auf dem Regal im Flur ihrer WG liegt ein flaches Amazon-Paket. Bestellt hatte sie die neue Platte von Fritz Kalkbrenner zwei Tage zuvor, versandkostenfrei. Den Kauf und was sie sich währenddessen noch angesehen hat, hat Amazon sich gemerkt.

Die Monopolisten in Zahlen - Suchmaschinen

Platz 4

T-Online

Marktanteil in Deutschland: 1 Prozent

Quelle: SEO-United, Suchmaschinenoptimierer, via statista.com

Platz 3

Yahoo

Marktanteil in Deutschland: 1,4 Prozent

Platz 2

Bing (Microsoft)

Marktanteil in Deutschland: 3,5 Prozent

Platz 1

Google

Marktanteil in Deutschland: 91,2 Prozent

Drei Situationen, drei aufgeklärte junge Menschen, ein Widerspruch: Sie sind nicht zufrieden damit, wie die großen Internetfirmen mit ihren Daten umgehen – und doch hören sie nicht auf, ihre Dienste zu nutzen. „Egal wie negativ Facebook gesehen wird, es hat einfach einen riesigen Mehrwert für die Kommunikation“, rechtfertigt sich Lisa-Maria. „Ich möchte ja schon die beste Suchmaschine verwenden“, erklärt Fabian. Und Victoria sagt: „Ich habe keine Ausrede. Amazon ist einfach am billigsten.“

Lisa-Maria, Fabian und Victoria stehen mit ihrem Verhalten keineswegs allein. Für die Studie „Toleranz Online 2014“ befragte der Jugendforscher Simon Schnetzer im vergangenen Jahr 872 junge Menschen zwischen 14 und 34 Jahren nach ihren Einstellungen zum Internet. Er bringt seine Erfahrungen auf eine einfache Formel: „Das Bewusstsein ist da, doch die Bequemlichkeit siegt.“ Viele der Interviewten sagten, sie würden wegen ihrer Bedenken gerne auf die Nutzung der Internetriesen verzichten. Nach Taten gefragt, käme aber stets ein „Ich benutze es trotzdem“, erzählt Schnetzer.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.05.2014, 13:38 Uhr

Der naive "Brot und Spiele" Mensch braucht das doch....
Dekadenz und Dummheit fordern ihren Tribut....

Account gelöscht!

27.05.2014, 13:58 Uhr

Die Erfolgreichen ntuzen es,
der loser bekämft es

Account gelöscht!

27.05.2014, 14:45 Uhr

Es ist vermutlich einfach so wie mit der 'Ukraine-Krise': Die Wahrnehmung der Bevölkerung ist eine andere als das Bild, das uns die Medien vorzeichnen wollen. Was ist denn an dem Umgang mit den Nutzerdaten wirklich so bedenklich? Die Gefahr ist meiner Meinung nach eher das Gehacktwerden von Kundendaten dieser Anbieter durch Dritte, aber nicht der Umgang mit diesen Daten durch die Anbieter selbst.

Die Antwort auf die im Artikel gestellte Frage steht daher meiner Meinung nach auf der 3. Seite in der Mitte richtig beschrieben, wenn dort geschrieben wird, dass mehr als die Hälfte der befragten Personen sich sorglos zeigen und darüber hinaus ohnehin der Auffassung sind, sie hätten nichts zu verbergen.

Die genannten ‚Monopolisten’ haben sich wie ebenfalls richtig erwähnt wird, ihre Marktanteile durchaus erarbeitet: Als Google gestartet ist, gab es bereits längst zahlreiche andere Suchmaschinen. Aber während andere Suchmaschinen dazu übergegangen sind, ihr Geschäftsmodell immer mehr zu ‚Portalen’ ausbauen zu wollen und das mit teilweise kostenpflichtigen Services zu verbinden, ist Google eine einfache Suchmaschine geblieben. Irgendwann kam der Mailservice dazu und bot ein täglich wachsendes Datenvolumen zur Speicherung aller Emails völlig kostenlos an, wofür bei anderen Mail-Providern bezahlt werden musste und das im Prinzip schon damals als ‚cloud’, als es diesen Begriff dafür noch gar nicht gab.

Amazon hat die Vorteile, dass man hier 1) beinahe alles bekommt, was einem so einfällt, 2) das oft zu günstigeren Preisen als anderswo (Online-Handel oder Präsenz-Handel), 3) die Lieferung im Regelfall sehr schnell erfolgt, die Waren gut verpackt sind und Amazon als Geschäftspartner eine gute Reputation hat und 4) man als Kunde nur mehr Benutzername und Passwort braucht, um einzukaufen. 1) bis 4) in Kombination ergeben in Summe ein sehr attraktives Angebot. Würde ich bei ständig wechselnden Anbietern einkaufen, hätte ich erstens bei jeder Bestellung ein gewisses Risiko der Ser

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×