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16.01.2015

06:33 Uhr

Google Glass

Google stellt Verkauf seiner Datenbrille ein

VonAxel Postinett

Google Glass ist seit der Premiere 2012 nie über den Status eines umstrittenen Pilotprojekts hinausgekommen. Jetzt wird die erste Version nicht mehr verbreitet - und das Vorhaben bekommt einen neuen Aufseher.

Eine Google Glass auf einem Brillenrahmen im Jahr 2013. Google stellt die erste Version nun ein ein will einen Neustart versuchen. dpa

Eine Google Glass auf einem Brillenrahmen im Jahr 2013. Google stellt die erste Version nun ein ein will einen Neustart versuchen.

Mountain ViewGoogle versucht einen Neustart bei der schwerfällig gestarteten Datenbrille Glass. Der Verkauf der ersten Version an Verbraucher werde eingestellt, zugleich solle das Projekt in einem eigenständigen Bereich aber fortgeführt werden, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Die Aufsicht solle der frühere Apple-Manager Tony Fadell bekommen, der sich damit noch stärker zum Hardware-Boss des Internet-Konzerns entwickelt.

Google hatte Glass - die Computerbrille mit Kamera, Internet-Anschluss und einem kleinen Bildschirm über dem rechten Auge - im Frühjahr 2012 medienwirksam vorgestellt. In der Öffentlichkeit stieß Google Glass vor allem aus Sorge um die Privatsphäre auf viel Ablehnung. Besonders viel Kritik kam aus Europa. Träger einer Google Glass bezogen aber auch in San Francisco Prügel. Zudem kämpfte die erste Version sogar nach einer Modifizierung mit kurzen Batterielaufzeiten und wurde im Betrieb zu warm.

Das Projekt war bisher beim Forschungslabor Google X angesiedelt, das viel Aufmerksamkeit von Mitgründer Sergey Brin bekommt. Er hatte die Brille auf der Entwicklermesse Google I/O im Juni 2012 vorgestellt und galt auch als eine zentrale treibende Kraft hinter Glass. Zuletzt zeichnete sich jedoch ab, dass das Interesse von Software-Entwicklern, Programme für die Datenbrille zu schreiben, mit dem ausbleibenden breiten Marktstart nachließ.

Im Zuge des nun auslaufenden „Explorer“-Programms haben schätzungsweise einige zehntausend Testnutzer vor allem in den USA die Brille für rund 1500 Dollar gekauft. Die Kooperationen mit Unternehmen und Software-Entwicklern sollen weitergehen, hieß es.

Google Glass

Prestigeprojekt des Gründers

Die Datenbrille ist für den Internet-Konzern ein Prestigeprojekt – Mitgründer Sergey Brin kümmert sich darum persönlich. Seine Vision: Mithilfe des kleinen Bildschirms soll das Internet noch nahtloser in den Alltag integriert werden, etwa indem dort Informationen wie Wegbeschreibungen, E-Mails oder das Wetter eingeblendet werden.

Erste Geräte für Tester

Google Glass war anfangs noch nicht reif für den Massenmarkt, Google versorgte einige Tausend Testnutzer mit Brillen. Sie mussten 1500 Dollar plus Steuern zahlen. Im April will der Konzern das Gerät in den freien Verkauf geben, allerdings nur in den USA und in begrenzter Stückzahl.

Olympus arbeitet an Datenbrille

Auch andere Unternehmen arbeiten an einer Datenbrille, etwa Olympus und Epson. Allerdings richten sich die Konkurrenzmodelle nicht unbedingt an Privatnutzer, sondern eher an Unternehmen, die eines Tages etwa Lagerarbeiter damit ausstatten könnten.

Andere tragbare Computer

Andere Anbieter arbeiten ebenfalls an tragbaren Geräten, die sich mit dem Computer verbinden können. So haben diverse Unternehmen, darunter Samsung, Sony und das Start-up Pebble, Smartwatch-Modelle im Angebot, die Nachrichten auf einem kleinen Monitor am Handgelenk anzeigen und ermöglichen, auf Anrufe zu reagieren.

Google vermarktete Glass zuletzt stärker als Werkzeug für spezialisierte Aufgaben am Arbeitsplatz, in Deutschland laufen Projekte zum Beispiel in der Autobranche. Darüber hinaus wurden am Donnerstag zunächst keine konkreten Pläne zur Zukunft von Glass bekannt. Für dieses Jahr wird mit einer neuen Version gerechnet - Ankündigungen dazu gab es aber bisher nicht.

Fadell, der bei Apple unter anderem maßgeblich an der Entwicklung der iPod-Player beteiligt war, kam zu Google vor einem Jahr mit dem Kauf des von ihm mitgegründeten Herstellers vernetzter Thermostate Nest für über drei Milliarden Dollar. Nest entwickelt sich mit Kooperationen und Übernahmen zum Mittelpunkt der Google-Pläne zur Vernetzung von Alltags-Technik.

Die bisherige Glass-Projektleiterin Ivy Ross solle die operative Führung der Sparte behalten, werde aber Fadell unterstehen, hieß es. Möglicherweise ist es eine Abkehr von der bisherigen Vorgehensweise, Test-Nutzern ein noch weitgehend unfertiges Produkt in die Hand zu geben, statt es erst intern zur Marktreife zu führen.

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