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30.07.2013

14:13 Uhr

Google News

Verlage stimmen Auflagen von Google zu

Google hatte deutsche Verlage vor die Wahl gestellt, einer kostenlosen Nutzung ihrer Inhalte zuzustimmen oder aus dem Angebot zu verschwinden. Die Verlage sagten nun „Ja“, fügten allerdings ein langes „Aber“ hinzu.

„Verteidige dein Netz“ ist eine Google-Kampagne. Google und die Bundesregierung stritten über ein Gesetz, das deutschen Verlegern erlauben würde, für die Drittverwendung ihrer Inhalte Geld zu verlangen. Betroffen wäre auch Google News. Reuters

„Verteidige dein Netz“ ist eine Google-Kampagne. Google und die Bundesregierung stritten über ein Gesetz, das deutschen Verlegern erlauben würde, für die Drittverwendung ihrer Inhalte Geld zu verlangen. Betroffen wäre auch Google News.

BerlinAuch nach der Einführung des Leistungsschutzrechtes für Presseverlage am kommenden Donnerstag werden Inhalte der meisten Verlagshäuser in Deutschland auf Google News zu sehen sein. „Wir freuen uns sehr, dass hunderte deutsche Verlage ihr Einverständnis bestätigt haben und weiterhin geschätzte Partner von Google News bleiben“, sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Zu den Verlagen, die Google keine Nutzungserlaubnis gegeben haben, gehört die „Rhein-Zeitung“ in Koblenz.

Nach Informationen der dpa haben viele Verlage ihr Einverständnis mit einer Zusatzerklärung versehen. Darin machen sie deutlich, dass sie im Gegensatz zu Google nicht der Meinung sind, dass die Textauszüge auf Google News unter die Ausnahmebestimmungen des Leistungsschutzrechts (LSR) fallen. Die Verlage halten auch die Option offen, künftig Geld für diese „Snippets“ zu verlangen.

Was sich bei Google verändert hat

Google+ wird Pflicht

Hinter den Kulissen hat Google unbemerkt den Wachstums-Turbo für sein soziales Netzwerk Google+ eingeschaltet: Durch die Zusammenlegung mehrerer Dienste gibt es nur noch einen Google-Account. Wer sich bei einem Google-Service anmeldet – sei es die Videoplattform Youtube, Google Mail oder Google Text & Tabellen – wird mit den anderen Google-Services ebenfalls zwangsbeglückt. „Ihr Google-Konto umfasst mehr als nur Google Mail“, heißt es beispielsweise bei der Anmeldung zu dem Google-Dienst. Derselbe Text wird auch bei Youtube und anderen Google-Diensten angezeigt.

Einheitlicher Datenschutz

Google ändert seinen Umgang mit Nutzerdaten und will künftig alle Informationen, die man bei verschiedenen Diensten des Konzerns hinterlässt, gesammelt auswerten. Dies werde den Nutzern Vorteile in Form von relevanteren Suchergebnissen und Werbeanzeigen bringen, erklärte der Internet-Konzern.

Für die Änderungen sollen ab Anfang März die Datenschutzbestimmungen vereinfacht und zusammengeführt werden - statt heute 70 einzelner Dokumenten für verschiedene Dienste soll es nur noch eins geben. Die Daten würden nach wie vor nicht nach außen verkauft, betont Google. Die Stiftung Warentest kritisiert die Bestimmungen als zu vage.

Panda-Update für das Ranking

„Panda“ heißt das jüngste und bisher radikalste Update in Googles Ranking-Mechanismus, mit dem der Suchmaschinengigant Suchmaschinen-Manipulatoren den Kampf ansagt. Im Februar 2011 traf es bereits viele englischsprachige Seiten in den USA, kurz darauf folge Großbritannien. Es gilt vor allem sogenannten „Content-Farmen“ - Websites, in der eine Vielzahl freier Mitarbeiter Texte wie am Fließband produzieren, die vor allem darauf abzielen, mittels bestimmter Schlüsselworte bei Google gefunden zu werden. Die Firmen wollen somit einen hohen Anteil an Google-Besuchen erzwingen und mit Online-Werbung Geld verdienen.

Google wird persönlicher

Unter dem Namen „Search, plus Your World“ (Suche - plus Deine Welt) kündigte Google im Januar 2012 an, die Suchergebnisse künftig stärker zu personalisieren.  „Wir verwandeln Google in eine Suchmaschine, die nicht nur Inhalte versteht, sondern auch Menschen und Beziehungen“, so Google. Noch ist es nur in der englischen Suche umgesetzt. Bei der Option der „persönlichen Ergebnisse“ durchstöbert Google beispielsweise Bilder, die beim Online-Netzwerk Google+ oder dem Online-Fotoalbum Picasa hochgeladen wurde. Ein Google-Manager erläuterte die Funktionsweise am Beispiel seines Schnautzer-Hundes Chikoo. Eine normale Suche bei google.com nach dem Begriff „Chikoo“ liefere derzeit vor allem Hinweise auf den Breiapfelbaum, der in Indien und Pakistan Chikoo genannt wird. Künftig könne er aber mit Hilfe der Suchmaschine auch schnell die Bilder aufstöbern, auf denen sein Hund zu sehen sei.

Veränderungen im Kleinen

Google schraubt ständig im Kleinen an den Google-Funktionalitäten herum. So wurde die Video-Suche in der Status-Bar durch eine Suche ersetzt, die nur noch Videos auf Googles eigener Plattform Google findet. Die eigentliche Videosuche lässt sich aber noch über http://www.google.com/videohp aufrufen. Ebenfalls geändert hat sich das Verhalten beim Wechsel von der Websuche auf Google News. Die Eingaben der Websuche gehen dabei verloren. Ebenfalls relativ neu ist die Umwidmung des Suchoperators +. Dieser dient nun dazu Profile aus Googles sozialem Netzwerk Google+ aufzurufen, statt eine wortgetreue Suche zu erzwingen. Diese lässt sich aber noch durchführen, indem das Wort in Anführungszeichen gesetzt wird.

Zu den Verlagen, die weiterhin in Google News vertreten sein werden, gehört auch die Axel Springer AG, die sich für die Einführung eines LSR stark gemacht hatte. „Axel Springer wird das (Leistungsschutz-)Recht wahrnehmen und strebt eine Verwertung an“, sagte Verlagssprecher Hendrik Lange. Bis die dafür notwendigen Vorbereitungen abgeschlossen seien, entstehe „aus juristischen und technischen Gründen zwangsläufig ein Intermezzo“. In dieser Übergangsphase erteile man Google „ein Opt-in zur Nutzung der Inhalte in Form von Textauszügen, allerdings unter der Maßgabe und mit ausdrücklichem Hinweis, dass dies nur vorläufig bis zur geregelten Rechteverwertung und ohne Anerkennung der einseitig von Google gesetzten Konditionen geschieht.“

Die gleiche Position vertritt auch die Verlagsgruppe Handelsblatt. Das Unternehmen gestattet Google News in Bezug auf das Leistungsschutzrecht bis auf Widerruf, die Inhalte weiter zu nutzen – zunächst nur bis die organisatorischen Grundlagen für die Verwertung des Leistungsschutzrechts geschaffen sind. Das Handelsblatt behält sich vor, zukünftig die Rechte zu verwerten.

Das LSR erlaubt Verlagen, von anderen Unternehmen eine Lizenzgebühr für die Verwendung von Verlagstexten im Internet zu verlangen. Dabei geht es vor allem um Suchmaschinen und automatisierte Nachrichtensammlungen, die Verlagstexte verwenden. Allerdings bleiben einzelne Wörter weiterhin lizenzfrei.

Weltweit wertet Google für sein News-Angebot rund 50 000 Verlagsangebote und Blogs aus, darunter mehrere hundert Sites aus Deutschland. Auf Google News werden von ausgewählten Artikeln in einem „Snippet“ die Überschrift, ein bis zu 250 Zeichen langer Textanriss und kleine Fotos dargestellt. Sie alle sind mit der jeweiligen Ursprungswebsite verlinkt. Im LSR ist von „einzelnen Wörtern oder kleinsten Textausschnitten“ die Rede, die weiterhin frei genutzt werden können. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition hatte in dem Gesetzgebungsverfahren bewusst darauf verzichtet, die Länge eines frei verwendbaren Zitats exakt festzulegen.

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