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23.12.2014

13:53 Uhr

Google-Suche

Deutsche wollen 120.000 Links löschen lassen

Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs sind Suchmaschinen verpflichtet, auf Antrag Verweise auf Suchergebnisse zu entfernen, die die Privatsphäre verletzen. Google erhielt seitdem fast 200.000 Anfragen.

Allein aus Deutschland sind seit Mai mehr als 31.700 Lösch-Anfragen bei Google eingegangen. dapd

Allein aus Deutschland sind seit Mai mehr als 31.700 Lösch-Anfragen bei Google eingegangen.

Berlin/Mountain ViewBürger aus Deutschland haben seit Mai die Löschung von fast 120.000 Links aus Google-Sucherergebnissen beantragt. Fast jeder zweite Link wurde auch tatsächlich von Google entfernt. Das geht aus Zahlen hervor, die das Unternehmen am späten Montagabend in seinem Transparenzbericht veröffentlichte. Danach wurden aus Deutschland seit Mai mehr als 31.700 entsprechende Anfragen bei Google eingereicht.

Insgesamt erhielt Google knapp 190.000 Anfragen zur Löschung von knapp 685.000 Links. Aus Frankreich kamen etwas mehr Anfragen als aus Deutschland, dort war die Erfolgsquote allerdings etwas geringer. Im europaweiten Durchschnitt lag sie bei gut 40 Prozent. Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs sind Suchmaschinen verpflichtet, auf Antrag Verweise aus ihre Suchergebnissen zu entfernen, die die Privatsphäre der Menschen verletzen.

Wie man Google-Ergebnisse löschen lässt

Urteil mit Folgen

Es ist ein wegweisendes Urteil: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat im Mai 2014 entschieden, dass Google unter bestimmten Umständen Verweise auf Internetseiten mit sensiblen persönlichen Informationen aus der Ergebnisliste seiner Suchmaschine entfernen muss. Profitieren sollen vor allem normale Bürger – also nicht Promis, Sportler oder Wirtschaftslenker, an denen die Öffentlichkeit ein Interesse hat.

Wann gelöscht werden muss

Links müssen entfernt werden, wenn seit der Veröffentlichung Jahre verstrichen sind oder die Informationen nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck entsprechen, entschied der EuGH.

Erst an Google wenden...

Um einen Link aus der Ergebnis-Liste streichen zu lassen, müssten Betroffene sich zuerst direkt an Google wenden. Der Suchmaschinenriese hat ein Online-Formular entwickelt, über das Nutzer ihre Anfragen einreichen können.

... dann an die Datenschützer

Lehnen die Betreiber der Suchmaschine eine Löschung ab, wären die Datenschützer die nächsten Ansprechpartner. Da Google seine deutsche Niederlassung in Hamburg hat, würde man sich an den Hamburger Datenschutzbeauftragten wenden. Der Datenschützer kann auch im Namen der Betroffenen klagen.

Im Zweifel entscheiden Gerichte

Im Einzelfall müssten Gerichte klären, wann ein Verweis entfernt werden muss, erklärte der EuGH. Dabei müsse ein angemessener Ausgleich zwischen den Interesse der Internet-Nutzer an Informationen und den Grundrechten der betroffenen Person gefunden werden. Dieser Ausgleich könne auch angesichts der Rolle einer Person im öffentlichen Leben unterschiedlich ausfallen, schränkten die Richter ein.

Positive Reaktionen der Politik...

Die überwiegende Mehrheit der Politiker begrüßte das Urteil. Bundesjustizminister Heiko Maas lobte eine Stärkung der Datenschutzrechte, die EU-Kommission sah nicht nur die Situation der EU-Bürger verbessert, sondern auch die eigene Position untermauert.

... und Bedauern bei Google

Google kritisierte das Urteil des EuGH erwartungsgemäß. „Diese Entscheidung ist nicht nur für Suchmaschinen enttäuschend, sondern auch für alle, die Inhalte online publizieren“, sagte ein Google-Sprecher. Der Konzern sei sehr überrascht, dass das Urteil so stark von der vorherigen Einschätzung des Generalanwalts abweiche und dessen Warnungen unberücksichtigt lasse.

Das bezieht sich nur auf Suchanfragen zu dem Namen der Personen. Das Urteil gilt beispielsweise für Links zu Informationen, die unangenehme oder nicht mehr relevante Informationen aus der Vergangenheit der Personen enthalten. Die Informationen sind damit nicht verschwunden: Auf der ursprünglichen Webseite können sie weiterhin sichtbar sein.

Google ist die größte Suchmaschine in Europa und daher besonders von Anfragen betroffen. Konkurrent Microsoft hat für seine Suchmaschine Bing ebenfalls ein Formular zu Löschanträgen eingerichtet.

Google nannte auch erstmals Beispiele für Links, die entfernt wurden. So seien auf den Antrag eines Vergewaltigungsopfers aus Deutschland Verweise auf Artikel über das Verbrechen entfernt worden. In anderen Fällen verweigerte Google die Löschung. So wollte ein Beamter aus Großbritannien einen Link zu einer Petition für seine Absetzung streichen lassen. Dieser Verweis wurde nicht entfernt.

Von

dpa

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