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17.07.2015

06:48 Uhr

Google will weniger Geld versenken

Die Stunde der eisernen Ruth

VonAxel Postinett

Mit einem Kursfeuerwerk reagiert die Börse auf Googles Quartalszahlen. Gleichzeitig verspricht die neue Finanzchefin Ruth Porat, ein scharfes Auge auf die Kosten zu werfen. Doch für „Moonshots“ soll weiter Geld da sein.

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San FranciscoEs war ihre Stunde: An der Wall Street hatte Ruth Porat als Finanzchefin beim Bankgiganten Morgan Stanley eisern über die Kosten gewacht. Nun ist sie in gleicher Position bei Google tätig und verspricht bei ihrer ersten Telefonkonferenz, was die Anleger hören wollen. Die Zeiten des unlimitierten Geldausgebens sind vorbei. Wer in luftigen Ideen Geld versenken will, der muss jetzt an ihr vorbei.

Porat kam Mitte Mai und ihre Ernennung gilt als ein Zeichen guten Willens der Gründer Larry Page und Sergey Brin. Die Konstruktion der Aktienstruktur macht sie zu unbeschränkten Alleinherrschern bei Google und sie stellen pro Quartal gerne tausende Mitarbeiter ein und investieren in wilde Träume wie Internet per Ballons für Afrika, Roboter und mehr.

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Ein Traum, der Aufstieg durch den Kauf Motorolas für zwölf Milliarden Dollar zum Hardwarehersteller aufzusteigen, wurde bereits unter riesigen Verlusten begraben. Nun wacht die resolute und an der Wall Street kampferprobte Endfünfzigerin über die Finanzen und den Schatz von 69 Milliarden Dollar liquidem Vermögen. Im zweiten Quartal 2015 kamen netto 1729 Mitarbeiter zum Google-Konzern dazu. So wenig wie seit Jahren nicht mehr.

Nach Quartalen mit heftigen Kostensteigerungen, die die Umsatzsteigerungen locker übertrumpften, ist das Balsam für die Nerven der Aktionäre. Weil zugleich die Rahmendaten stimmen, sind sie gerne bereit, mehr Geld zu investieren.

Die Einkaufsliste von Google

DeepMind

Die neueste Errungenschaft von Google ist das britische Start-up DeepMind, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Schon seit langem wurde spekuliert, Google könnte zu Methoden der künstlichen Intelligenz greifen, um große Datenbestände besser auszuwerten. Im Januar 2014 hat der Konzern dann zugegriffen.

Motorola

Im Sommer 2011 kaufte Google für 12,5 Milliarden Dollar den Handy-Hersteller Motorola. Es war die erste große Transaktion, um Google auch im Hardware-Geschäft zu etablieren. Nach weniger als zwei Jahren stieß der Konzern das Geschäft aber wieder ab und verkaufte es an den chinesischen Elektronikhersteller Lenovo. Die meisten Patente zum Schutz seines Betriebssystems Android behielt Google indes.

Nest

Erst 2011 ging das Start-up Nest an den Start, überzeugte aber mit seinen elektronischen Haushaltsprodukten wie Thermostaten oder Rauchmeldern. Anfang 2014 schlug Google zu und verleibte sich die Firma für 3,2 Milliarden Dollar ein.

Doubleclick

Im Online-Werbemarkt ist Google ein Gigant. Um die eigene Position zu festigen, griff der Konzern im Jahr 2007 zu und kaufte für 3,1 Milliarden Dollar den Vermarktungsspezialisten Doubleclick.

YouTube

Für damals abenteuerlich erscheinende 1,65 Milliarden Dollar kaufte Google im Oktober 2006 die Online-Videoplattform YouTube. Seit Jahren ist es eine erfolgreiche Plattform zum Vertrieb von Video-Anzeigen.

Waze

Fast eine Milliarde Dollar war Google im Sommer 2013 der israelische Spezialist für Navigationssoftware Waze wert. Mit der Software können von unterwegs in Echtzeit Informationen über Verkehrsstörungen übertragen werden.

Android

Ein Beispiel für einen kleineren Zukauf mit großen folgen, war die Akquisition der Firma Android im August 2005 – für geschätzte 50 Millionen Dollar. Der Name setzte sich durch und wurde zum heute allgegenwätigen Google-Betriebssytem für mobile Geräte.

Zagat

Einer der bekanntesten Herausgeber von Restaurantführern kam im Herbst 2011 unter die Google-Fittiche. Für etwa 150 Millionen Dollar kaufte Google Zagat, eine Firma, die Nutzerkritiken zu Restaurant und Geschäften sammelte und aufbereitete. Die Informationen flossen in den Kartendienst Google Maps ein.

Boston Dynamics

Der Roboter-Hersteller sorgte im Internet für Aufsehen mit einem Roboter, der sich wie eine Katze fortbewegt – und das in respektabler Geschwindigkeit und mit großer Wendigkeit. Seit Ende 2013 gehört das Unternehmen zu Google. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Skybox Imaging

Google stärkt im Juni 2014 seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar.

Denn das Kerngeschäft scheint gesund. Der Nettoumsatz des Internetunternehmens aus Mountain View in Kalifornien legte um elf Prozent auf 14,35 Milliarden Dollar zu. Dazu kommen noch 3,38 Milliarden Dollar Umsatz für Besucher, die andere Seiten zu Google-Webseiten weitergeleitet haben. Aber die muss man abziehen, weil sie direkt an die Partner abgeführt werden. Der Nettogewinn nach amerikanischem Bilanzstandard GAAP kletterte gegenüber Vorjahr um fast 600 Millionen auf 3,931 Milliarden Dollar. Damit wird zum ersten Mal seit sechs Quartalen die Wall Street positiv überrascht.

Bei steigenden Gewinnen scheint die zuletzt starke Kostenexpansion im Griff zu sein. Mit 12,9 Milliarden Dollar lag der gesamte Kostenblock nur zehn Prozent höher als im Vorjahr und damit unter Umsatzzuwachs. Das waren Zahlen, die viele Zweifel beseitigen halfen.

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