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14.05.2014

10:21 Uhr

Große Verluste

Smartphones sollen es für Sony rausreißen

Sony hat im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als 900 Millionen Euro Verlust gemacht. Konzernchef Hirai will noch einmal eine Milliarde Euro in den Umbau stecken. Dabei setzt er besonders auf das Geschäft mit Smartphones.

Sony Xperia Z2 bei der Präsentation in Barcelona: In einem Jahr wollen die Japaner 50 Millionen Smartphones verkaufen. ap

Sony Xperia Z2 bei der Präsentation in Barcelona: In einem Jahr wollen die Japaner 50 Millionen Smartphones verkaufen.

TokioDer japanische Elektronikkonzern Sony kommt nicht aus den roten Zahlen. Nach einem Nettoverlust von umgerechnet 916 Millionen Euro (130 Milliarden Yen) im abgelaufenen Geschäftsjahr, rechnen die Japaner auch in diesem Jahr mit einem Minus von 357 Millionen Euro.

Sony-Chef Kazuo Hirai will deshalb fast eine Milliarde Euro in den Umbau des Konzerns stecken. „Dieses Mal ist der Unterschied, dass wir ganze Geschäftsfelder komplett aufgeben“, kündigte Finanzchef Kenichiro Yoshida am Mittwoch an. Sony hatte bereits mitgeteilt, sich von der verlustbringenden PC-Sparte zu trennen.

Vor allem der Verkauf von Smartphones soll dagegen kräftig angekurbelt werden. Sony will in dem bis März 2015 laufenden Geschäftsjahr 50 Millionen Smartphones verkaufen. Das sind fast elf Millionen mehr als im Vorjahr. Das Geschäft mit Spielekonsolen werde dagegen voraussichtlich schwächer ausfallen.

Sony in der Dauerkrise

„One Sony“

Sony tut sich seit Jahren schwer. Als Kazuo Hirai Anfang 2012 den Chefposten übernahm, gab er die Devise „One Sony, One Management“ aus. Er will den japanischen Konzern in den drei Kernbereichen Smartphones, Digitalkameras und Computerspiele wieder zu einem schlagkräftigen Wettbewerber machen.

Ohne Partner im Smartphone-Geschäft

Große Hoffnung setzt Sony in das Smartphone-Geschäft. Deswegen übernahm der Konzern 2012 vom schwedischen Partner Ericcson dessen Anteile am schwächelnden Handy-Hersteller Sony Ericsson. Mit einem Angebot aus einer Hand will Sony gegen Wettbewerber wie Apple, Samsung und LG Boden gutmachen. Allerdings wird der Wettbewerb immer härter, chinesische Hersteller drängen mit günstigen Preisen in den Markt.

Eintritt ins Wohnzimmer

Mit seiner Playstation ist Sony unter Computerspielern eine feste Größe. Das neue Gerät, die seit Ende 2013 verkaufte Playstation 4, soll den Verkauf von Hardware und Software wieder ankurbeln. Das Geschäft läuft rund, Sony verkauft deutlich mehr Geräte als der Konkurrent Microsoft mit seiner Xbox One.

Probleme im Kamerageschäft

Das Kamerageschäft ist eine der drei großen Sony-Sparten, und auch hier tut sich der Konzern schwer. Der Absatz von Kameras und Camcordern sinkt, gerade kompakte Geräte leiden unter der Konkurrenz durch Smartphones. Allerdings profitiert Sony von der Nachfrage nach seinen Bildsensoren.

Raus aus dem PC-Markt

Der PC-Markt schrumpft – und Sony will nicht mehr mitschrumpfen: Der Konzern hat 2014 den Geschäftsbereich mit der Marke Vaio an einen Investmentfonds verkauft.

Keine Lösung fürs TV-Geschäft

Der Wettbewerb auf dem TV-Markt ist brutal – darunter leidet auch Sony, der Konzern schreibt mit Fernsehern seit Jahren Verluste. Nun gliedert er die Sparte in eine separate Gesellschaft aus. Was das Unternehmen damit plant, ist derzeit unklar.

Filmstudio leidet unter Cyberangriff

In den traditionellen Geschäftszweigen Film und Musik läuft es bei Sony meistens gut. Allerdings erschütterte Ende 2014 ein Hackerangriff das Hollywood-Studio Sony Pictures. Die Angreifer veröffentlichten zahlreiche vertrauliche Daten im Netz, darunter auch unveröffentlichte Filme und Skripte.

Beim operativen Gewinn peilt Sony nach knapp 190 Millionen Euro in diesem Jahr fast eine Milliarde Euro an. Weil der Konzern seine Erwartungen im vergangenen Jahr gleich mehrmals zurückschrauben musste, waren bereits Zweifel an Hirais Sanierungsplan laut geworden. Bedenken wurden vor allem laut, ob der vor gut zwei Jahren angetretene Firmenchef die angeschlagene Elektroniksparte wieder flottmachen und in die Gewinnzone zurückbringen kann. Erst am Dienstag hatte der Sony-Vorstand angekündigt, wegen der anhaltenden Verluste zum dritten Mal in Folge auf Bonus-Zahlungen zu verzichten.

Immerhin sorgten die erfolgreiche Spielekonsole Playstation 4, die hohe Nachfrage nach Smartphones und der schwache Yen im vergangenen Geschäftsjahr für ein Umsatzplus von 14,3 Prozent auf umgerechnet 57,5 Milliarden Euro. Seit der Markteinführung der Playstation 4 Mitte November wurden mehr als sieben Millionen Exemplare verkauft.

Sony, einst weltweiter König der Unterhaltungselektronik, schreibt seit Jahren rote Zahlen. Die Ratingagentur Moody's stuft die Kreditwürdigkeit des Unternehmens aktuell auf Ramsch-Niveau ein.

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